Be true to yourself…
June 28th, 2010Sometimes you have to do things simply to be true to yourself. No big thing but fundamental. Or with Kierkegard: To dare is to lose one’s footing momentarily… to not dare, is to lose oneself. We all can Horst.
Sometimes you have to do things simply to be true to yourself. No big thing but fundamental. Or with Kierkegard: To dare is to lose one’s footing momentarily… to not dare, is to lose oneself. We all can Horst.
Now it is official. Mr. Wulff is supposed to become the next president of the Federal Republic of Germany. At the end a surprise - after the discussions of Mrs. von der Leyen - but yet no rum start. There were only few candidates really on the short list while Mr. Schäuble or Lammert I did not see there. Yet the only thing counting is a fast end of any selection process that would have weakened the government for a too long period. There are by all means more important issues to handle with. The crisis not only the financial one but also the crisis resulting from Israel’s attack on a ship carrying humanitarian supplies with all political consequences will absorb the governments energy in the next future. Against that background the new election of a new president seems to be a tiny problem. So don’t waste any time. At the end: much ado about nothing. Instead of Mr. Köhler we will have Mr. Wulff on the top of the state only struggling predominantly the embassies around the world that have to change their pictures on the walls. Employees in Bellevue have to learn a new name, some walls will be newly painted according to the style of Mrs. Wulff and we will learn to get adapted to a new dialect listening to his speeches if one likes to listen to a president’s speeches anyway. But I am also glad to learn that even on that holy level one rule never changes: everybody is replaceable even if you don’t believe this for yourself. Another rule applies for how fast a farewell from a position will be forgotten. On normal levels we are talking at least about three days;for presidents this seems to be only a couple of hours that is yet impressive. From next week on nobody will talk about the former president any more and it will end how it started. Horst… who?
Haben Sie eigentlich schon einmal einen Koalitionsvertrag gelesen? Ich habe das jetzt mal getan, man will ja wissen woran man ist.
Der Koalitionsvertrag der Tigerenten-Regierung hat die berühmten 124 Seiten und zählt 6137 Zeilen. Zu fast allen Fragen des täglichen Lebens wird dort Stellung bezogen. Die meisten Sätze beginnen mit „Wir werden…, wir wollen…, wir streben an…“ und lesen sich wie die Wunschliste eines Kindes für den Weihnachtsmann oder in Bayern, das Christkind. An den meisten Stellen wird viel gewollt, an den wenigsten Stellen wird es konkret, sprich viele Fragen bleiben offen. Aber das ist vielleicht ja auch gut so. „Wir fahren auf Sicht“, hat die Bundeskanzlerin den Schlingelkurs durch die Finanzkrise einmal beschrieben. Recht hat sie wohl. Und wenn die Sicht schlecht ist, sollte man manchmal auf Planberechnungen verzichten und situationsbedingt reagieren.
Interessant ist, dass man ausdrücklich schreibt, dass man historische Fehler der Vergangenheit vermeiden will, sprich, den Sparkurs zur Haushaltskonsolidierung zu früh einzuschlagen. Deswegen auch die umfangreichen Steuererleichterungen von 24 Milliarden, die im Laufe der Legislaturperiode wirksam werden sollen und den zarten Aufschwung stützen sollen. Steht im Vertrag in Zeile 96, also ziemlich weit vorne.
Weiter hinten kommen dann so nette Details, dass man künftig vorausgefüllte Steuererklärungen vom Finanzamt abfragen können soll und auch nur alle zwei Jahre ein abgeben muss. Zumindest werde das „geprüft“.
Ich für meinen Teil bin ja ganz dankbar, wenn der Koalitionsvertrag mit Absichtserklärungen gespickt ist, das lässt Raum für Flexibilität. Und die brauchen wir in einer so schnelllebigen und instabilen Zeit wie der derzeitigen.
Interessant ist mit wie viel Kram sich solch ein Koalitionsvertrag beschäftigen muss. Sogar der Eurofighter wird da noch explizit genannt, was beweist, wie lange einen politische Enscheidungen verfolgen. Manchmal über Jahrzehnte.
Insgesamt liest sich der Vertrag aber durchaus spannend, auch ein paar neue Begriffe kann man lernen. Da werden „Goldene Regeln“ erklärt und ein „High-Tech-Gründerfonds II“ genannt (was war denn der Fonds I?) und jetzt weiß ich auch, dass es neben Gorsleben und Morsleben noch ein Endlager mit dem Namen „Asse II“ gibt. Dass Nabucco eine Oper von Verdi ist wusste ich auch, aber dass die Oper Namensgeber für ein Infrastrukturprojekt ist? Sagt Ihnen „REACH“ etwas? Und der Gammelfleischskandal ist dem damals noch nicht gefärbten (jetzt verpflichtend) K-3-Material (das sind Schlachtabfälle) zu verdanken. Igitt.
Ich fand es durchaus spannend, den Vertrag zu lesen und dabei ein wenig zu lernen. Geeignet ist die Lektüre sicher für alle politisch Interessierten und solche, die ein klein wenig auf Science Fiction stehen.
So langsam muss man ja denken, ich säße nur vor dem Fernseher, nein, tue ich nicht. Aber Mittwoch Abend kommt derzeit immer erst die Frau Maischberger – siehe letzter Beitrag – und dann noch Mona Lisa und das guck ich bei der Gelegenheit dann auch noch gleich mit.
Gestern ging es um das neue Unterhaltsrecht und was es gebracht hat. Das Fazit war, gebracht hat es eine verlorene Geschiedenengeneration. Und zwar die, die vor der Reform geheiratet hat und nach der Reform geschieden wurde. Im eigenen Familienkreis musste ich erleben, dass ein Ex-Schwager sogar extra auf die neue Reform gewartet hatte, nur um sich dann unter für ihn besseren Bedingungen scheiden lassen zu können. So was gibt es.
Richtig ist die Aussage, dass sich heute Frauen auf die geänderte Situation einstellen können und entsprechende Verträge schließen können. Insbesondere Kinder würde ich nur noch mit Ehevertrag bekommen. Betroffen sind die Frauen, die im Vertrauen auf den Bestand der Ehe und der damit im Normalfall verbundenen gegenseitigen Sicherheit ihre eigenen berufliche Karriere hinten angestellt haben oder sogar ganz darauf verzichteten, um sich z.B. ganz der Betreuung der Kinder zu widmen. Leider wird letzteres immer noch als „kein“ Beitrag zum Unterhalt der Familie betrachtet, weil sich ein Wert für diese enorme Leistung so schwer beziffern lässt. Traurig.
Wer jetzt als Frau verlassen wird, muss sich meist um sich selbst kümmern – das neue geforderte Selbstverantwortungsprinzip wurde ja als Meilenstein im neuen Unterhaltsrecht bejubelt – und zudem noch um die Kinder, die ja zumeist bei den Müttern bleiben. Für die Betreuung bleibt dann meist kaum mehr Zeit übrig. Der Gesetzgeber mutet jetzt den Müttern ab dem 3. Lebensjahr des Kindes zu, für sich selbst zu sorgen. Das ist dann mindestens der Halbtagsjob, wenn Frau denn einen findet (ggf. nach 10 oder 15 Jahren Hausfrauentätigkeit) und dann noch eine Betreuungsmöglichkeit für das Kind hat, denn auch 10jährige bedürfen meines Erachtens noch oder gerade der Betreuung. In diesem Alter findet der erste Kontakt mit Alkohol, Drogen und dem anderen Geschlecht statt. Wer da keinen Halt in der Familie hat, läuft Gefahr, auf Abwege zu kommen, welche damit verbundenen Probleme später dann wieder der Gesellschaft aufgehalst werden. Das ist allerdings nur meine persönliche Meinung.
Was ist also geschehen? Mal wieder das, was so oft passiert, wenn sich eine Ministerin oder ein Minister berufen fühlt, mit einem vermeintlichen Missstand aufzuräumen. Man schlägt von einem Extrem in das andere. Leider sind die meisten Familienrichter nicht so abgeklärt und selbstbewusst, hier Abhilfe und gerechte Lösungen zu schaffen. Das wäre aber ihre Aufgabe. Was der Gesetzgeber verbockt, muss – leider – die Praxis richten.
Der Rat an alle, die jetzt heiraten und Kinder bekommen wollen: bitte nur mit notariellem Vertrag und zwar bevor man heiratet und Kinder bekommt. Nach den Vertragsverhandlungen kann man sich dann wieder darauf konzentrieren, was wesentlich sein sollte: die Liebe und die Verwirklichung eines gemeinsamen Lebensplans.
Gestern (für Euch vielleicht vorgestern - ich schau ja in Asien) habe ich mal wieder Frau Maischberger geschaut. Anwesend waren u.a. Dr. Martin Lindner, FDPler und Bundestagsneuling, Frau Senta Berger, großartige Schauspielerin, und der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der gleichnnamige Kaufhäuser führt und inzwischen sogar eine Fluggesellschaft hat. Dazu der ARD-Börsenexperte Lehmann, sehr pragmatisch, und mal wieder mein Freund Ramelow von den Linken, der - wie immer - nichts nennenswertes außer Polemik zur Diskussion beitragen konnte. Letzterem fehlt es zudem an Diskussionsmanieren - wie übrigens auch Lafontaine und Gysi -, den sollte man also gar nicht mehr einladen.
Was mich eigentlich wunderte war folgendes: da ziert sich die CDU/CSU mit der Umsetzung einer grundlegenden Steuerreform, während diese gestern einhellig von allen Gesprächsteilnehmern umfassend befürwortet wurde. Auch in meinem Bekanntenkreis (Juristen, Ärzte, Handwerker, Hausfrauen, Selbständige, Kurzarbeiter, sprich, einem breiten Querschnitt!) lechzen alle nach einem einfachen Stufenmodell oder besser noch der flat rate von Paul Kirchhof - Sie erinnern sich an diesen großartigen Denker, der von Merkel auf dem Altar der politischen Schachereien geopfert wurde? - von 25% auf alle Einkommen. Sprich klare Sätze, einfache Erklärungen, gerne auch auf einem Bierdeckel, und weg mit den Abschreibungs-, Abzugs-, Umschreibungs- und Verrechnungsmodellen oder Holdings auf den Cayman Islands oder in Lichtenstein. Jeder zahlt einfach seinen Steuersatz. Schluss. Der Vorteil wäre dann, dass wirklich jeder einmal seine Steuern zahlen würde, nicht nur die, die auf clevere Steuerberater verzichten, weil sie wie wir der Meinung sind, dass zwei Juristen doch in der Lage sein sollten, ihre Steuererklärung selbst machen zu können. Mitnichten. Mein Mann rauft sich die Haare und ich trink zumeist erst mal ein Glas Rotwein, um mich auf den Wahnsinn vorzubereiten. Die lukrativsten Abschreibungsmodelle sind ohnehin den Besserverdienern vorbehalten, da diese oft mit ersten Investitionssummen verbunden sind, die der Ottonormalverbraucher sein Leben lang nicht zusammenkriegt. Denken Sie nur an die früher so beliebten Schifffonds. Und das ist keine Neiddebatte. Die Neiddebatte wird dann geführt, wenn man die “Reichen” so richtig bluten lassen will. Die sollen doch zahlen! Nein, die sollen eben auch nur ihre 25% zahlen, bleiben wir mal bei diesem Satz, diesen dann aber wirklich, cash. Dann würde die meisten “Reichen” nämlich 25% mehr bezahlen, als es derzeit der Fall ist.
Das Hauptargument gegen eine Steuerreform ist die Unberechenbarkeit derselbigen; bevor man den großen Wurf wagt, flickt man lieber weiter an einem Einzelfallregelwerk, durch das auch die Cleveren und die Trickser nicht mehr durchblicken. Wer behauptet, er kenne sich aus, hat eine Neurose. Die Lobby der Steuerberater halte ich auch nicht für so undurchbrechbar. Heute trifft es die Bauern, morgen eben die Steuerberater.
Aber: große Schritte erfordern Mut und solange man eben mehr um Personen und Positionen, Machterhalt und Einfluß kämpft, stellt man diesen gerne hinten an. Sollen doch andere mutig sein. Dabei war keine politische Konstellation der letzten 16 Jahre bequemer wie diese. Die Menschen haben ja ganz bewußt einen bestimmten Auftrag erteilt. Allein Westerwelles Lächeln hat ihm keine 14% der Wählerstimmen beschert, nein, der Mut und der Wille der Wähler zum Wandel, der derzeit offenbar untrennbar mit der FDP verbunden ist. Yes, we also can. Ich bin kein Freund des amerikanischen Wahlsystems, der einem Präsidenten nur eine Wiederwahl ermöglicht. In der jetzigen Situation in Deutschland wäre dies sinnvoll, dann bräuchte Merkel nicht jetzt schon an das Jahr 2013 denken, sondern könnte sich um die dringend nötigen Reformen im Land kümmern.
Westerwelle hat im Wahlkampf behauptet, dass er seine Unterschrift unter keinen Koalitionsvertrag setzen würde, in welchem nicht eine durchgreifende Vereinfachung und Umstrukturierung des Steuerrechtes festgeschrieben ist. Er sollte dabei bleiben, notfalls eben auch keinen Vertrag unterzeichnen. Dann wurschteln wir eben nochmal vier Jahre mit einer großen Koalition. Die Wähler würden es ihm danken - auch in vier Jahren noch.
Im meinem letzten Beitrag hatte ich gesagt, ich würde weiterbeobachten. Heute ist zu lesen, dass die SPD in der Wählergunst weiter sinkt. Auf knapp 20% soll die Partei jetzt kommen. Jetzt hat sich Peer Steinbrück aus dem Bundesvorstand zurückgezogen. Er war eine der erfrischenden Ausnahmen, von denen ich zuletzt sprach. Experte, rethorisch gewandt und integer. Polemik lag ihm nicht. Eine Ausnahme in der SPD. Der hätte sogar Finanzminister bleiben können, auch wenn ich sonst kein SPD-Freund und -Wähler bin. Die Gesprächsrunden bei Illner oder Maischberger (Will schau ich ja nicht mehr) habe ich immer sehr, sehr genossen. Man hatte das Gefühl, da redet jemand über Themen, von denen er auch etwas versteht. Wie angenehm. Seine Abschiedsrede habe ich mit grosser Aufmerksamkeit gelesen. Und der Mann hat Recht - allerdings nicht nur für die SPD. Die Politiker sollten sich wieder mehr um Inhalte, weniger um Posten und Personen kümmern und ein wenig Loyalität kann auch innerhalb einer Partei nicht schaden.
Peer Steinbrück werde ich auf der politischen Bühne vermissen.
Nur kurz: Frau Nahles ist nun also Generalsekretärin der SPD - so, so. Man muss nur lange genug warten, dann wird man schon was. Schön, wenn das in der Wirtschaft auch so einfach wäre, was Frau Nahles wohlweislich ja gar nie erst versucht hat. Solange die Parteien auf wirklich jeden angewiesen sind, der auch nur lesen und schreiben kann, fehlt es an Kompetenz und der fachlichen Expertise, die man innerhalb der Parteien, egal ob in Regierung oder Opposition, so bitter zum Wohle des Landes nötig hätte. Die erfrischenden Ausnahmen werden leider immer weniger. Bleibt mir, gespannt, ein wenig verdrossen, weiter zu beobachten.
Sie lassen sich also scheiden, Oliver und Simone. Er der Keeper mit Weltruhm, sie, seine Jugendliebe. Das ungewöhnliche ist nicht die Scheidung, geschieden wird fast jede dritte Ehe, ungewöhnlich ist die die Art, wie damit umgegangen wird und - soweit man das einschätzen kann - in der Vergangenheit umgegangen wurde; mit Respekt und Ehrfurcht vor der gemeinsam verbrachten und durchgestanden Zeit ohne den tiefen inneren Drang, nachtreten und zerstören zu müssen. Chapeau!
Die eigenen Gefühle und Emotionen, die Wut, die Angst, die Trauer im Griff zu haben, das ist die eigentliche Kunst im Umgang mit geliebten Menschen.
Leider schaffen eine stilvolle Trennung nicht viele, zur Freude von Rechtsanwälten (Sorry Kollegen!) und völlig überforderten Jugendamtberatern, die sich für jegliche Art von Racheakt missbrauchen lassen; zum Leidwesen von betroffenen Kindern, die ohnehin nicht gehört werden, was der wohl unmenschlichste Teil der Angelegenheit ist.
Scheiden tut weh. Es ist der Kollaps der Träume und Ideen, die man für das gemeinsame Leben einmal hatte, die Wut auf den anderen, der einem diese vermeintlich genommen hat. Die Ohmacht vor dem eigenen Versagen und schließlich die Leere, die Zweifel und die Angst vor dem, was jetzt vielleicht kommt. Menschen neigen dazu, anderen die Schuld zu geben - das ist einfacher, bequemer. Eine ehrliche Selbstreflektion erfordert eine innere Größe und Abgeklärtheit, die die wenigsten ohne weiteres haben. Sie erfordert Mut, einen Umgang mit Konsequenzen und auch den Willen zum guten Menschen. Gerade erst Krisensituationen offenbaren den wahren Charakter eines Menschen, so wie er einem innewohnt, nicht wie er sich nach außen darstellt. So mancher steht dann plötzlich vor einem Fremden.
So oft wird in der heutigen Zeit über Werteverfall gesprochen, im Rahmen einer Scheidung zeigt sich dieser in besonderer Art und Weise. Toleranz vor der Entwicklung des anderen und Respekt im Umgang mit einem Menschen trotz Enttäuschungen und Verletzungen ist in einer solch emotional geprägten Situation eine besondere Herausforderung.
Umso mehr bewundere ich, wenn zwei gereifte und sicherlich krisengeschüttelte Menschen etwas tun, was man heute in vielen Bereichen so sehr vermisst. Etwas so zu handhaben, wie es sich einfach gehört. Ich hoffe, die beiden schaffen das.
Jetzt weiß ich das also auch. Kaum gibt man ein paar Interviews ist man schon zwei Jahre jünger. Eigentlich praktisch. Ich überlege gerade, ob ich das mir nun zugedachte Alter einfach behalte. Wer googelt findet dann mein neues Alter, genügt ja heute meist als Beweis. Aber will ich das auch wirklich durchziehen wie Tina Turner oder Zsa Zsa Gabor? Im Grunde mag ich doch mein Alter. 37 übrigens. Nicht 36, schon gar keine 35, aber auch noch keine 38. Zipperlein machen sich zwar zunehmend bemerkbar und meine Glieder fühlen sich manchmal an wie nach einer mittelmäßigen Schweinegrippe. Glaub ich zumindest. Wer weiß denn immer so genau, ob er nun eine normale Grippe, Schweinegrippe oder sonst eine Spezialgrippe hat. Ich hatte auch unlängst Grippe - normale, vermute ich -, blieb zwei Tage im Bett, dann gings auch wieder. Gegrunzt habe ich nicht. Nein, bagatellisieren will ich nichts, Panik machen aber auch nicht. In Deutschland soll es ja schon Hol-Dir-den-Schweinegrippe-Virus-Partys geben, so etwas wie Swinger-Parties, aber mit überlebenswichtigem Hintergrund. Vermutlich ist man ohnehin out, wenn man nicht einmal im seinem Leben irgendwas echt schräges hatte. Beulenpest oder Pfeiffsches Drüsenfieber oder eben Schweinegrippe. Allein der Name macht mir einen heißen Kopf.
Fazit ist aber eigentlich, dass ich mein Alter mag und ich mich in jedem Fall jeden Morgen altersgerecht aus dem Bett quäle, davon bin ich überzeugt. Da hilft auch die Verjüngerung durch die Presse nichts, Botox und so übrigens auch nicht. Sprich, ich bleib einfach bei meinen 37 Lenzen. Nacken hin, Bandscheibe her.
Zwei Dinge fallen mir jetzt doch noch zu Michael Jacksons Tod ein.
Die eine Sache ist, dass das erste, was mir vor zwei Wochen einfiel, als ich von seinem Tod erfuhr, der Gedanke war, dass nun irgendwie meine „Jugend“ beendet sei. Ein flüchtiger Gedanke, weiter nichts, etwas wehmütig dachte ich an all die durchgetanzten Nächte im mehr schlecht als recht kopierten Moonwalk-Style. Muss ein trauriger Anblick gewesen sein. In den seinem Tod folgenden Tagen konnte man sich ob des Presserummels kaum erwehren, ab und an die Reaktionen von befragten Passanten oder Trauergästen zu hören. Und? Ganz viele junge Leute – so in meinem Alter – dachten und denken wohl genau dasselbe wie ich. Irgendwie spürt man, dass mit Jacksons Tod die Jugend vorbei sei, nebst einer ganzen Ära. Mit Thriller, Bad, Beat it sind wir alle groß geworden. Brüder und Schwestern im Geiste.
Die zweite Sache ist, dass sich einmal mehr bewahrheitet, dass der eigene Tod in manchen Fällen doch die beste PR ist. Nur schade, dass diese wirksame Markteingstrategie nicht mehrfach gefahren werden kann. 51 Millionen Dollar hätte Jackson angeblich mit seinen anstehenden 50 Konzerten – soweit er sie gesundheitlich überstanden hätte – verdient. Sein Tod spült da mit Sicherheit mehr in die Kassen. Gut für alle diejenigen, die sein ganzes Leben ohnehin nur Geld mit ihm machen wollten und sich auch jetzt nicht scheuen, seinen Tod noch intensiver und gefühlloser zu vermarkten und für eigenen Zwecke auszunutzen. Mich graust der Anblick der vielen selbsternannten Gönner, Bewunderer, Freunde, Mentoren und Gutmenschen, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen und doch nur Blutegel sind, gierig nach immer noch mehr Geld und Macht. Meschliche Verluste werden billigend in Kauf genommen.
Ich schwelge lieber in Erinnerungen. Unvergessen das fantastische und frenetisch bejubelte Konzert im Moskauer Dynamo-Stadium, das ich mit 24 Jahren erleben durfte. Ein Panzer auf der Bühne in Moskau, das Konzert hermetisch abgeriegelt von Batallionen von Soldaten, die frierend in ihren Menschenketten um Zigaretten und Geld bettelten. Welch Schizophrenie und welch Gegensatz in dieser Zeit, so kurz nach Glasnost und Perestroika. Die Megashow eines Megastars in einer sich so nach Anerkennung und einem eigenen Selbstbewußtsein verzehrenden Mega-Metropole längst vergessener Zeiten. Diese wahnsinnigen Gefühle von damals, in dieser Nacht, werde ich nie vergessen.
All das macht ihn aber nicht zum Heiligen oder Märtyrer und als solcher sollte er jetzt auch nicht mißbraucht werden. Er möge einfach nur ruhen – in Frieden.