Politisch inkorrekte lebensrettende Blondinen

April 21st, 2006

Über eine kleine Meldung bin ich heute im Stern gestolpert:

In der deutsch-niederländischen Grenzregion versucht ein Projekt erfolgreich, Verkehrsunfälle nach durchzechten und durchtanzten Nächten zu verhindern.

Das funktioniert so: Auf Plakaten vor Clubs, Kneipen und Hupsen reden blonde, comicartige Figuren den Autofahrern ins Gewissen „Ras nicht so“, „Damit Du heil nach Hause kommst!“ Das soll vor allem die – meist weiblichen – Beifahrerinnen (Vorsicht, Tautologie!) der – meist männlichen – jungen Fahrer stoppen, die oft – gemeinsam – am Baum enden.

Das Ganze scheint tatsächlich zu klappen, die Zahl der Unfälle sinkt offenbar. Die Aktion ruft natürlich auch Kritik hervor. Cornelia Zieseniß, Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht Niedersachsen:

“Junge Frauen werden funktionalisiert“, und: „Frauen sind grundsätzlich nicht dafür da, um auf Männer aufzupassen.“

Woran man sieht: wichtig ist nicht, dass etwas funktionert. Wichtig ist nur, dass es ins Weltbild paßt.

Stanislaw Lem ist tot

March 28th, 2006

Vielleicht haben Sie es hier oder da ja schon gelesen: Stanislaw Lem ist gestern im Alter von 84 Jahren in Krakau gestorben. Das ist ein fast unersetzlicher Verlust, auch wenn vermeintlich jeder ersetzbar ist. Es gibt keinen Zweiten wie Lem.

Bekannt ist Lem ja vor allem als Science-Fiction Schriftsteller. Völlig berechtigt und doch zu unrecht. Denn mit dem, was sonst unter „SF“ verkauft wird, haben die Werke Lems nichts zu tun. Es sind weniger fiktionale und mehr oder weniger g’spinnerte Bücher, als vielmehr sehr tiefgründige, hoffnungsvoll pessimistische (oder hoffnungslos optimistische?), wissenschaftlich und philosophisch abgesicherte, meist brüllend komische Blicke in eine mögliche Zukunft. Dabei gelang es Lem immer wieder, nicht nur technische Entwicklungen, sondern auch deren gesellschaftliche Auswirkungen mit gerade beängstigender Genauigkeit vorwegzunehmen. Wer den „Lokaltermin“ gelesen hat und gleichzeitig heute über das Evernet und Informationsverschmutzung nachdenkt, der weiß, was ich meine.

Vermutlich verdankte Lem seine besonderen Fähigkeiten, seinen Zugang zum Künftigen, der Fähigkeit der sehr dezidierten Analyse des Seienden. Er war eben nicht nur in den Wolken schwebender Autor und Philosoph, sondern auch Arzt und Naturwissenschafter. Er war nicht nur einer, der im Elfenbeinturm vor sich hin schrieb, sondern einer, der das Leben kannte. Als Pole jüdischer Herkunft musste er in der Zeit der deutschen Besetzung um sein Leben fürchten und sich mit Witz und Glück durchschlagen. Später, im kommunistischen Polen, focht er endlose Kämpfe mit Zensur und Partei. Der Mann hatte Hindernisse zu überwinden, und genau das war es, was er tat.

Man, Lem, ruhe in Frieden. Du hinterlässt eine Lücke, und das ist nicht nur ein Spruch.

Doppelte Schmach für Österreich!

February 6th, 2006

Nicht genug damit, dass die Karikatur-Demonstranten (Sie wissen schon, Mohammed) die österreichische Botschaft stürmen. Nein, sie zünden dabei auch noch - ausgerechnet - eine Piefke-Fahne an! Das muss den armen Össis den Rest geben…

Noch mal: Mohammed-Karikaturen

February 5th, 2006

Irgendwie beschleicht mich zwar das Gefühl, dass zu dem Thema schon alles gesagt und geschrieben wurde. Aber eben noch nicht von allen. Von mir zum Beispiel nicht. Aber ich fasse mich kurz.

1. Ja es stimmt. Nicht alles, was man unter der Meinungs- und Pressefreiheit sagen kann, muss auch gesagt werden. Religiöse Gefühle sind eine heikle Sache und vermutlich verletzten die besagten Karikaturen (ich habe sie nicht gesehen) in der Tat die Gefühle vieler Menschen. Das muss nicht sein, ist auch nicht besonders geschmackvoll.

2. Es ist aber zulässig. Auch wenn man die Meinung irgendeiner dänischen Zeitung (Dänemark, ist das nicht das kleine Land da hinter Schleswig-Holstein?) nicht teilt oder sie (Zeitung und / oder Meinung) sogar für völlig bekloppt hält: erst mal dürfen die sagen, schreiben und zeichnen was sie denken. Das ist auch gut so.

3. Umgekehrt hat jeder und überall das Recht, seinerseits die Meinung zu vertreten, dass die Karikaturen gotteslästerlich und geschmacklos sind. Auch das ist freie Meinungsäußerung.

4. Aus der wechselseitigen Inanspruchnahme dieser Grundfreiheit der Meinungsfreiheit Aufrufe zum Boykott oder, schlimmer, zum Mord an Menschen abzuleiten, Botschaften zu stürmen und Sachen kurz und klein zu schlagen, liegt völlig neben der Sache und bestätigt nur die Vorurteile derer, die auch die Karikaturen (siehe Punkt 1) vermutlich schon gut gefunden haben. Es ist eine unangemessene und erschreckend kontraproduktive Reaktion.

Äh, was bitte?

February 5th, 2006

Beim Bügeln muss ich fernsehen. So wird so die stupide Tätigkeit ein wenig angenehmer. Suchen Sie sich aus, welche.

Nun, gerade eben lief anbei „Steiner – das eiserne Kreuz“. Ab und an eingeblendet – auch als Sender muss man ja sehen, wo man bleibt – der dezente Hinweis: „Die Musik zum Film als Klingelton, sende eine SMS an Nr. Soundso“.

Bloß was bitte schöne ist denn der Klingelton zu „Steiner“, Granatsplittergeräusche? Panzerkettenkrach? Mörserfeuer?

Aktuelle Schreibtischimpression

January 23rd, 2006

So sieht das bei mir aus, wenn ich nachts zu lange am Buch schreibe. Vielleicht wäre Schlafen mal eine ganz gute Idee…

Buch

Käse schließt den Magen?

January 21st, 2006

So ein Blödsinn. Käse kommt gleich am Anfang - Nutella schließt den Magen!

Civ IV: Nachtschlaf, Patch und Folgen

December 28th, 2005

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mich überkommt immer zwischen Weihnachten und Neujahr ein Virus. Und zwar der Civilisation-Virus. Der ist hochgradig ansteckend und suchtegefährdend.

Civilisation (vom genialen Entwickler Sid Meier) ist ein Stategiespiel, in dem es darum geht, einen kleinen Nomadenstamm im Jahr 4.000 v.C. in die Zukunft zu führen: Städte zu gründen, Technologien zu entwickeln, die Wirtschaft aufzubauen, Verkehrswege zu vernetzen, Handel zu treiben, Politik (via Diplomatie und ggf. auch mit militärischen Mitteln) zu machen, Länder zu entdecken, Ressourcen zu sichern. Hochkomplex, spannend, spaßig.

Civ iv

Zudem auch unglaublich zeitfressend. Daher sehe ich mich (leider!) gezwungen, meine diesbezüglichen Aktivitäten eben auf die besagten, halbwegs stillen Tage zu konzentrieren und das Ganze innerhalb dieser so exzessiv zu spielen, dass ich hinterher für das kommende Jahr die Nase voll habe.

Dummerweise hinderte mich die neue Edition des Spieles – Civilisation IV – doch deutlich daran. Das Gameplay als solches ist besser als bei allen vorhergehenden Versionen der Reihe: es gibt mehr Optionen, mehr Gewinnmöglichkeiten, das Spiel ist ausgewogener, die Gegner schlauer. Dummerweise ist das ausgelieferte Spiel technisch keine Meisterleistung. Die Software befindet sich in einem frühen Alpha-Stadium. Selbst auf meinem recht aktuellen Rechner (P IV, 3 GHz, 1 GB Ram) wird das Programm bei großen Karten ab dem Jahr 1800 oder so unerträglich zäh, praktisch unspielbar. Ich kam also schlicht nicht weiter.

Firaxis, der Publisher der Software, hat nun ein Einsehen gehabt und stellt auf seiner Webseite einen Patch bereit, der das installierte Programm auf die Version 1.52 bringt. Der Versionsnummernsprung (wir kommen von Version 1.0) deutet es schon an: hinterher hat man zwar inhaltlich dasselbe Spiel, technisch aber eine praktisch neue Software. Das ist kein Patch, das ist eine völlig neue Game-Engine.

Nun freut es mich einerseits, dass man immerhin dieses Update bekommen kann. Andererseits wurmt es mich aber, hier als Betatester missbraucht zu werden. Natürlich sehe ich ein, dass das Game noch vor Weihnachten in die Läden sollte, aber ob’s dem guten Ruf Firaxis’ wirklich genutzt hat?

Wie dem auch sei. Civ IV ist (nun) absolut empfehlenswert. Oder eigentlich ja auch nicht, wenn Ihnen Ihr Nachtschlaf lieb ist. Sie wissen schon, was ich meine.

Er ruhe in Frieden…

November 29th, 2005

Schönhuber ist tot. Laut Medienberichten ist er gestern im Alter von 82 Jahren gestorben. Die Leitfigur der rechten Bewegung wurde erst jüngst - vor ca. 3 Monaten - als Spitzenkandidat der NPD in den Bundestagswahlkampf geschickt. Ich halte nichts von der NPD, aber als Partei hat auch sie - der Kandidat ohnehin - Verantwortung. Und diese sollte auch beinhalten, eine verantwortungsbewußte Kandidatenauswahl zu treffen. Als 82jähriger ist man kein geeineter Kandidat mehr, rüstig hin oder her. Und da hilft auch nicht, dass in Bälde das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre erhöht werden soll.

Längere Öffnungszeiten in England…

November 24th, 2005

Hierzu ein Zitat aus der heutigen Ausgabe der FTD von Tony Booth, Schwiegervater von Tony Blair:

Längere Öffnungszeiten werden uns nicht plötzlich in eine Nation mediterraner Weltmänner verwandeln, die gern ein, zwei Stunden in einem Straßencafé ein Gläschen Rotwein trinken. In diesem Land trinken wir auf eine primitivere, beängstigende, angelsächsische Weise. Wir trinken, um besoffen zu werden

Entwaffnend ehrlich der Mann.