Archive for April, 2005

Gefrorene Würstchen

Tuesday, April 19th, 2005

Die AFP-Meldung überrascht eifrige Leser dieses Blogs nicht: ein herbei fliegendes gefrorenes Würstchen hat einem britischen Autofahren die Nase gebrochen, niemand weiß aber, wie dieser “bizarre Zwischenfall” zustande gekommen ist, insb. ist der Ursprung des Würstchens rätselhaft.

Ich verfolge bereits seit einiger Zeit die Berichte über gefrorene Fleischwaren, die ballistisch verwendet werden. Das bekannteste Beispiel dürfte der Angriff der Killer-Tiefkühlhahnchen sein.

Ich meine, dem aufmerksamen Betrachter sollte klar sein, dass es sich hier um koordinierte Aktionen interessierter Kreise handelt, um letztlich die Weltherrschaft zu erlangen. Denn: eine Wurst mag wie ein Zufall erscheinen, aber wer die Puzzleteile zusammensetzt, wer seine Augen öffnet, der erkennt das System hinter diesem diabolischen Plan.

Was wird als nächstes kommen? Tsunami-Wellen aus Fischstäbchen? Regen aus vorgegarten Froschschenkeln? Vulkane aus Entenklein?

Zur Natur der Kunst

Monday, April 11th, 2005

Hin und wieder genügen die bizarrsten Anlässe, um sich über das Wesen der Kunst Gedanken zu machen. Etwa Hundekot auf dem Gehsteig. Kann der Kunst sein? Natürlich nicht. Denn Kunst, das heißt jedenfalls – das darf man wohl bei allem Streit über die „richtige“ Definition voraussetzen – Transport von Emotion, Information, Meinung; Bedeutung vielleicht im weiteren Sinn. Bedeutung aber kann per se nicht dem zukommen, das ohne weiteres in der Natur vorkommt oder das von einem Wesen ohne Einsicht oder Bewusstsein geschaffen wurde. Damit will ich nicht sagen, dass die Bedeutung, die der Schaffende einem Werk beilegt, für den Empfänger von größerem Interesse sein sollte, als jede andere Bedeutung, die ein beliebiger Betrachter darin erkennen kann. Dennoch aber scheint mir, dass man in Betrachtung oder beim Genuss unbearbeiteter natürlicher Dinge vielleicht über die Größe und Allmacht des Schöpfers reflektieren kann, kaum aber über die (falsch gestellte für unsere Zwecke aber dennoch hilfreiche) Frage, was uns der Künstler damit eigentlich sagen will.

Hundekot also, wenn nicht gerade vom „Herrchen“ bewusst gesteuert an einer bestimmten Stelle des Gehsteigs abgelegt und zwar aus Gründen, die sich derzeit unserer Einsicht entziehen, ist jedenfalls keine Kunst.

Deutlich interessanter wird der Fall, wenn jemand gerade Hundekot als Substrat zum Transport von Bedeutung verwendet. Etwa indem er – wie auf der Illustration ersichtlich – selbigen benutzt, um kleine Fähnchen steckenderweise gut sichtbar für die Passanten zu befestigen.

kacke1_400.jpg

Man möchte das zunächst für eine reine Demonstration, also eine eher (lokal)politische Willensäußerung halten: „Gehweg ist kein Hundeklo!“ Oder, in der weniger schroffen Fassung: „Räumt den Mist Eurer Viecher wenigstens weg, liebe Hundehalter!“ Diese Aussage wäre ebenso eindeutig wie aus Sicht der Kunst irrelevant. Oder besser: gerade wegen ihrer Eindeutigkeit für die Kunst uninteressant. Denn wenn (und auch hier bewegt man sich wohl auf gesichertem Terrain) eine – und nur eine! – klar erkennbare Bedeutung einem Werk innewohnt, es nicht weiteren Interpretationen auf verschiedenen Ebenen zugänglich ist, dann ist es keine Kunst.

Also ist unser Hundekot nur Meinungsäußerung? Vielleicht schaut ja der Fähnchenstecker auch voll stiller Freude den Passanten zu, wie sie stehen bleiben, wenn sie das Arrangement entdecken. Oder das alles ist ein großes soziologisches Experiment, um die Reaktion der Leute zu erforschen. Das sind immerhin doch mehrere Funktionen, denen der verschönerte Kot hier dient. Und dennoch reicht dies nicht, um ihn in den Rang der Kunst zu erheben. Denn mehrere Funktionen haben, das heißt nicht, auch mehrere Bedeutungen für den Betrachter (!) zu transportieren. Mag auch der Zweck der Exkremente ambivalent sein, so ist es ihre Wahrnehmung jedenfalls kaum. Kunst ist das alles nicht.

kacke_unsch_400.jpg

Wenn man aber weiter schaut, dann stellt man vielleicht zwei weitere Dinge fest, die dieses erste Urteil wieder in Frage stellen. Zum einen gibt es nicht nur einen verschönerten Haufen, sondern derer viele. Des Weiteren sind die Exkremente nicht einfach mit beliebigen Fähnchen garniert, wie man sie etwa in einem der beliebten Käsespießchensets finden würde, welche die Flaggen einer ganzen Reihe von Nationen beinhalten. Vielmehr verwendet der Werkschaffende allein die Nationalflagge der Vereinigten Staaten von Amerika. Hat also das Werk auch eine politische Botschaft? Sollen hier die Hundehaufen für besetzte Nationen stehen? Oder symbolisieren sie vielmehr die Werte des Amerikanischen Traumes, sollen uns verdeutlichen, dass dieser, wenn auch nicht auf Sand gebaut, dann doch aus Materialismus und Hedonismus in einem Ausmaß besteht, das bestenfalls mit, nun, Scheiße vergleichbar ist? Sollen vielleicht die Fliegen, die bald beginnen werden, die Haufen zu umschwirren, Vasallen symbolisieren, die das Zentrum der Macht umschwärmen? Hat die Anzahl der Werke etwas mit der Aussage zu tun? War bereits das Anbringen der Fähnchen ein Happening, oder ist es erst der Verlauf, Verfall des Werkes der die Botschaft trägt; existiert dieses gleichsam vierdimensional und die Zeit ist womöglich sein wichtigster Aspekt? Oder – gewagte These! – wartet der Künstler darauf, dass die Stadtreinigung die Haufen entsorgt und diese verschwinden, so wie auch die Nationen oder die Nationalstaatlichkeit als solche auf dem Müllhaufen der Geschichte verwinden wird (oder auch nicht)?

Was auch immer der Schaffende gemeint haben mag: all das und viel mehr steckt an Bedeutung in diesen Haufen. Und in diesem Sinne kann – praktisch ohne Aufwand – auch aus Hundekot ganz schnell Kunst werden.

Karol Wojtyla Superstar

Monday, April 4th, 2005

Das öffentliche Sterben

Sonja:

Das öffentliche Sterben des Papstes ist die Konsequenz seines Handelns und Wirkens. Ein Papst, der den Menschen so nahe war, kann, sollte und wird es auch bis zu seinem Tode sein. Wichtig ist, dass er mit Würde sterben konnte, die Gläubigen aller Welt dies auch zugelassen haben. Danke an die Medien, die sich in diesen Tagen zurückgehalten haben.

Arne:

Dieser Papst musste öffentlich sterben. Alles andere wäre eher seltsam gewesen. Denn Johannes Paul II ging das Leben über alles; so weit, dass selbst in Fällen etwa von Vergewaltigungen keine Abtreibungen zugelassen werden konnten. Leben also als absoluter Wert und vor allem als Wert unabhängig davon, wie kraftvoll oder (Vorsicht, ethische Falle) „wertvoll“ dieses Leben ist. Das heißt für Karol Wojtyla als Papst aber, dass auch er sein Leben bis zum Ende auskosten muss, dass er kein Recht – und auch gar keinen Anlass! – hat, auch nur ein Jota zu ändern. Wenn er vor die Menschen tritt und seine Botschaft verkündet, dann tut er das eben in gesunden wie in kranken Tagen.

Persönliche Empfindungen

Sonja:

Der einzige Papst, den ich in meinem Leben bewusst wahrgenommen habe, war Papst Johannes Paul II. Ich kann mich noch lebhaft an die Diskussionen in der Schule erinnern nach den wichtigen Enzykliken aus dem Vatikan. Die unbeirrbare Meinung des Papstes zu Fragen der Abtreibung, Priesteramt für Frauen, Homosexualität, waren Streit- und Diskussionsstoff und werden es auch wieder sein. Je nach Einstellung des neuen Papstes. Das Papsttum gehört für einen Gläubigen Katholiken, wie ich es bin, zum täglichen Leben wie das Zähneputzen. Sein Tod wurde empfunden wie der eines guten Bekannten. Ein von mir sehr geschätzter Mensch hat einmal gesagt, dass das irdische Leben die Hölle sei, das wahre Leben käme erst. In diesem Sinne kann man Johannes Paul II nur beglückwünschen, denn sein Leben begann am Samstagabend, 21.37 Uhr.

Arne:

Vor ein paar Jahren habe ich im Einband eines Buches von Douglas Hofstadter gelesen, dass seine Frau gestorben sei. Nun kenne ich Herrn Hofstadter nicht persönlich, seine Frau noch viel weniger. Aber dennoch hat es mich berührt. Warum? Nun, er ist eine von den Personen, mit deren Gedankenwelt ich mich intensiv auseinandergesetzt habe, mit der ich praktisch „Zwiegespräche“ führte. Und ob man will oder nicht, das bringt einem diese Person näher, auch wenn der oder die Betroffene von dieser Ehre nichts weiß. So ähnlich geht es mir auch mit Karol Wojtyla. Er war ein Mensch, mit dessen Ansichten ich mich – ob in Übereinstimmung oder Ablehnung – auseinandersetzte. In diesem Sinne, wenn auch nicht als geistiger oder spiritueller Führer (ich bin ja Heide), so doch als imaginärer Partner für Selbstgespräche, wird er mir fehlen.

Priesterehe, Frauen, Abtreibung

Arne:

In diesen Tagen, in denen über das Wirken des Johannes Paul II reflektiert wird, äußern Viele, er sei ein autoritärer Papst mit reaktionären Ansichten gewesen. Und natürlich kann man das so sehen. Es trifft aber den Punkt nicht. Ein Papst hat in solchen Punkten kaum eine Wahl. In der einen oder anderen Form muss er wohl autoritär sein. Jedenfalls wäre mir persönlich eine Religion, in der über die grundlegenden Fragen des Glaubens demokratisch abgestimmt wird, ziemlich suspekt. Ähnliches gilt für die „reaktionären Ansichten“. Die Kirche ist keine Einrichtung, die ihre Überzeugungen und Einstellungen nach tagespolitischen Gegebenheiten ausrichtet. Sie beruht auf grundlegenden, von Gott (ihrem Gott wohlgemerkt) inspirierten Wahrheiten. Ihr das vorzuwerfen ist etwa so, als wolle man einem Fluss vorwerfen, dass er ins Meer fließe. Wenn der Johannes Paul II Abtreibung und Verhütung ablehnt, weil für seinen Gott das Leben ein absoluter, unantastbarer Wert ist, dann sollten wir eher froh sein, eine solche klare Stimme in der Diskussion zu vernehmen, als ihm seine Meinung vorwerfen. Diese ist nämlich durchaus respektabel, auch wenn man sie – wie auch ich – nicht teilt.

Sein Vermächtnis

Sonja:

Ich weiß nicht, ob man so wirklich von einem Vermächtnis sprechen kann. Er hat einen wichtigen Weg beschritten, die Versöhnung und die Einigung aller Konfessionen. Im Gegensatz zu Paps Pius XII war Johannes Paul II ein Papst „zum Anfassen“, ein Papst der Massen. Dadurch wurden der christliche Glaube und die Botschaft Gottes transparenter, anschaulicher und nachvollziehbar. Man kann über das Amt des Papstes streiten, ist man Befürworter des Kirchenaufbaus, so war Wojtyla ein ehrlicher Nachfolger Petri im Sinne der Botschaft Christi. Er stand dort und konnte nicht anders, auch wenn sich das viele Kritiker gewünscht hätten.

Arne:

Es ist sicher schwer von einem Vermächtnis zu schreiben; vielleicht hat Johannes Paul II Prozesse angestoßen, die erst in hunderten von Jahren Früchte tragen; die Kirche betrachtet Zeit ja ein wenig gelassener. Sicher aber kann ich zwei Dinge im Wirken des Papstes finden, die ich für ungemein wichtig halte. Zum einen: Die richtigen Dinge anzupacken, auch wenn sie ausweglos erscheinen. Ob das nun die Einheit der Kirche betrifft oder den Sturz des Kommunismus (den der Papst allerdings, auch wenn das in der retrospektiven Berichterstattung nun so scheint, keineswegs allein hinweggefegt hat); beides sind oder waren Vorhaben, denen wohl kaum jemand 1979 Aussicht auf Erfolg gegeben hätte. Und doch ist eines der Projekte erfolgreich gewesen, das andere, nun ja, ist auf einem langen Weg; immerhin. Zum anderen: Zu seinen Überzeugungen stehen. Viele der Positionen des Papstes zu Sachfragen sind ja höchst umstritten. Aber es geht nun mal in Fragen des Glaubens nicht um Popularität, Zeitgeist oder Mode, sondern um Grundsätzliches.

Bestuhlung im Flughafen

Friday, April 1st, 2005
chair1_400.jpg
chair3_400.jpg