Es war mal wieder soweit. Am Sonntag (SONNTAG!!) haben mein Mann und ich uns an der Steuererklärung versucht. Gleich vorneweg: irgendwelche Erklärungen haben wir auch abgegeben, frei nach James Dean - denn sie wissen nicht, was sie tun. Nun kann unsere partielle Hilflosigkeit auch Beweis dafür sein, was immer schon alle vermuteten: Juristen können nichts wirklich, letztlich glaube ich aber nicht, dass es daran liegt. Die Steuererklärung ist schlicht und ergreifend zu kompliziert - und dabei handelt es sich bei uns noch um den einfachsten Fall. Nur eine Einkommensart etc. Wer sich übrigens jetzt schon fragt, ja gibt es denn mehr als eine?, der sollte besser zu einem Steuerberater gehen. Bei einer durchschnittlichen Durchfallquote von 70% bei den jährlichen Steuerberaterprüfungen könnten Sie in der Tat bei einem zugelassenen Steuerberater das Glück haben, an einen zu geraten, der Durchblick hat. Ein bekannter Steuerrechsprofessor meinte einmal, dass man durchaus mit 10 (in Worten: zehn) Paragrafen im Steuerrecht auskommen könnte. Der Meinung bin ich auch. Unser Steuerrecht ist kompliziert, weil alle Ausnahmen gesondert geregelt (siehe beispielsweie § 3 EStG) und jedes Schlupfloch durch neue Regelungen geschlossen wird . Letzteres reisst dann neue auf, die dann wieder… usw. Dabei ist das Steuerrecht im Grunde ganz einfach. Lesen Sie beispielsweise mal § 2 EStG (übrigens die Vorlage für unsere Steuervordrucke!). Durchaus verständlich, wenn man ein paar Grundbegriffe kennt. Wegen der oben genannten Ausnahme von der Ausnahme gibt es aber auch Paragrafen, die beispielsweise auf Seite 22 beginnen und auf Seite 46 enden. ??. Das gilt auch für einzelne Sätze. ???. Richtig. Fazit: unser Steuerrecht ist überreguliert. Das ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Frage ist nur, warum keine Regierung es schafft, etwas dagegen zu unternehmen, jede aber davon spricht. Nur wer von einer Steuerreform spricht, die diesen Namen auch verdient, muss in einem Atemzug auch die teils sinnlose Subventionspolitik überdenken - und wer weiß für was man die jeweiligen Lobbyisten nochmal braucht. Also bleibt vermutlich auf ewig alles bei den kleinen Tropfen auf dem heißen Stein. Und wir opfern jedes Jahr wieder einen Sonntag. Dabei können wir uns eigentlich noch glücklich schätzen. Andere brauchen für ihre Erklärung Wochen…