Die spannendste Diskussion (neben den Spekulationen um die Hintergründe von Mooshammers Tod) ist zweifellos die derzeitige Aufregung um die Art und Weise der Nutzung von Blog-Feeds. Das Vorgehen von IzyNews hatte hier ja zu einiger Aufregung in der Blogosphäre geführt.
Die Trennlinie, die Wasserscheide in der Beurteilung der die Feeds nutzenden Dienste verläuft dabei interessanterweise nicht, wie ich erwartet hätte, zwischen kommerziell / nicht kommerziell, sondern zwischen kooperativ / kompetitiv. Es scheint derzeit Konsens zu werden, dass Feeds nutzen darf, wer lieb ist, auch kommerziell; nicht nutzen darf sie, wer böse ist. Das klingt erst mal wirr.
Ist es natürlich auch, aber in der Wirrnis witzig und inspirierend. Als Jurist hat man ja naturbedingt eine beschränkte Sicht auf die Dinge: dürfen die das oder dürfen die das nicht. Müssen sie vorher fragen (ja, wenn es urheberrechtlich relevanten Content betrifft, ja aber auch dann, wenn das Datenbankrecht betroffen ist) oder nicht. Ist eine Einwilligung vorab erteilt worden oder nicht.
Wenn man aber eher mit Welterkenntnis beschäftigt ist, also Zusammenhänge verstehen will, dann ist die Unterscheidung kooperativ / kompetitiv ganz interessant. Es geht darum zu verstehen, dass einige Nutzungen von Feeds beiden Seiten etwas nutzen. Dem, der den Feed bereitstellt (er wird gelesen, ein zentraler Server erfasst neue Beiträge etc.), aber auch dem, der den Feed eben liest (er verdient Geld damit oder bekommt Aufmerksamkeit). Es gibt andere Nutzungen, die eher „ausbeuterisch“ sind: jemand verkauft meinen Content, ich bekomme aber nicht dafür.
Wo liegt die Synthese? Es gilt zu erkennen, dass die Gedanken, die sich hier gemacht werden, nicht dazu führen, dass meine oben angeführte „platt juristische“ Sichtweise falsch wird. Im Gegenteil: es bleibt bei der Frage: „dürfen die das denn?“. Aber: die Unterscheidung in kooperativ / kompetitiv gibt uns ein Entscheidungskriterium in die Hand, wann die Einwilligung zur Nutzung erteilt werden sollte.
Allerdings, und das ist mein Bedenken: wer legt eigentlich fest, was „gut“ und was „böse“ ist? Etwa Siegfried ist sich gar nicht sicher, ob BitTorrent nun kooperativ ist oder im Gegenteil, das wandelnde Böse auf Erden. Ganz wichtig ist da eben Martins Gedanke wenn er feststellt, dass man z.B. den Stein des Anstoßes, IzyNews, auf zwei Arten betrachten kann:

Es hat weiter - ob absichtlich oder nicht - seinen Dienst höchst ungeschickt beschrieben, sodass Blogger das Angebot nicht wie “wir stellen eine technische Dienstleistung bereit, die Geld kostet”, sondern wie “wir verschicken Inhalte aus RSS-Feeds und lassen uns die bezahlen” gelesen haben. Zum Teil sah es so aus, als ob sie sich Inhalte zu eigen machten.
Ein ziemlich ungeschickte Darstellung hat den Jungs alle möglichen Anfangssympathien gekostet, nun sind sie unten durch. Und das muss nicht einmal berechtigt sein (auch wenn ich mir in diesem speziellen Fall kein Urteil erlauben will). Etwa der – inzwischen zu Recht vergessene – Aufschrei um die „News“ sollte uns daran erinnern, dass allzu oft auch immer nur stupide das nachgeschwatzt wird, was der Erste losgackert.