Archive for December, 2004

Weihnachtliche Abenteuer: Abenteuer?

Wednesday, December 8th, 2004

Noch nie war ich vor Weihnachten so entspannt wie in diesem Jahr. Vergangenen Samstag haben wir in einer konzentrierten (gedanklich gut vorbereiteten) Aktion innerhalb von einer Stunde alle Geschenke ergattert, ohne durch Erdrücken zu Tode gekommen zu sein - die Gefahr besteht in der Tat. Zur Belohnung gabs anschließend einen leckeren Milchkaffee vor dem Operncafé in der Maximilianstraße schön kuschelig mit Wolldeckchen unter den Heizstrahlern. O.k. just eine Stunde später bekamen wir dann Herzrasen in der Vollautomatenabteilung vom Kaufhof, aber letztlich war es ein runder erfolgreicher Tag. Ohne Stress und Hektik. Von Abenteuer keine Spur. Und weil ich nun keinen Druck mehr habe, kann ich entspannt die Vorweihnachtszeit genießen. Wenn ich es mir recht überlege werde ich im nächsten Jahr wohl im August schon losziehen, dann kommt der Druck erst gar nicht auf. Schon irgendwie traurig.

Thales und die Magd

Tuesday, December 7th, 2004

Als Thales von Milet vor mehr als zweieinhalbtausend Jahren die Sterne beobachtete, da war er so fasziniert von der Erhabenheit und Unendlichkeit, dass er den Blick für das Naheliegende ein wenig verlor und in einen Brunnen fiel. Von einer Magd, welche das Vergnügen hatte, die Szene zu beobachten, wurde er verlacht. Die Sätze Thales’ werden noch heute in der Schule gelehrt, jeder kennt ihn.

Die Magd aber auch.

Was lernen wir daraus?

Wenn man will, dass man die Ewigkeit überdauert, muss man entweder Werke schaffen, die noch kommende Generationen inspirieren oder zur rechten Zeit am rechten Platz sein und lachen. Das ist doch tröstlich, oder?

Glamour III

Tuesday, December 7th, 2004

Das Glamour-Shooting hat auch einige, nun, wenigstens brauchbare Bilder meiner Wenigkeit zustandegebracht, aufgenommen von der geduldigen Sonja. Hinweisen möchte ich auf die untenstehende Collage, die inzwischen auch die Titelseite der Seite insgesamt ziert…

arne_start.jpg

Glamour II

Monday, December 6th, 2004

Mit ein wenig mehr Übung und Experimentierlust und -zeit wird auch der Glamourshot im Improvisatstudio kellerseits noch ein wenig glamuröser. Hier ein Sonja-Businesshot der vielleicht ein wenig zu verschmollt für die Anwalts-Seite ist und daher seinen Platz eher hier findet…

sonja_glamor.jpg

Oden

Saturday, December 4th, 2004

Für die Besserwisser und Klugsch..wätzer unter uns - also für mich z.B. - hält Michael Preidel ein Kleinod bereit.

Weihnachtliche Abenteuer, Teil II

Saturday, December 4th, 2004

1. Mir ist übel vom vielen Kaffee-Probesaufen in der Vollautomatenabteilung des Kaufhof, die Beraterin war einfach zu motiviert, glaube ich.

2. Wenn in den Medien berichtet wird, dass die Leute kein Geld mehr ausgeben, die Innenstädte leer sind und Weihnachten ausfällt, DANN IST DAS EINE LÜGE!

Suchen und finden

Thursday, December 2nd, 2004

Weil es gerade in allen Blogs schwer in ist sich zu outen, mit welchen Google-Suchwörtern die Leute auf die eigene Seite kommen, folge ich einfach mal zielsicher dem Trend. Hier meine Lieblinge:

„geckos in den arabischen emiraten
Klar, das Thema interessiert uns alle brennend.

„voyeur photos“
Wo, bei mir? Sagt mir jemand wo die sind?

„pictures of capitalism“
Immer wieder ein beliebtes Fotomotiv, ja!

„aquasul tavira“
Allerdings empfehlenswert, wenn man gerade in der Gegend ist.

„bis ins siebte glied“
Glücklich, wer so viele sein Eigen nennen darf.

„generic viagra blog comment“
Wahrscheinlich gab es da mal einen Kommentarspammer.

„furzen“
„flatulenz“
Gleich noch mit Fremdworten? Wer sucht eigentlich so was in Google bitte?

„der sinn des lebens mp3“
Hätte ich gern, das Stück.

„fehler der bibel“
Zweifellos gibt es viele davon.

„anke engelke oben ohne“
Hmhm, ich decke den Mantel des Schweigens über die Anfrage…

„creative commons freeclimbing“
Den Sport würde ich mir auch ansehen.

„superego psychology ideal woman“
Kann man sicher suchen, findet man aber nicht.

„alzheimer und currywurst“
Ist eine mich schon immer mitreißende Kombination.

„redunant“
War wohl mal ein Rechtsreibfehler auf der Seite.

Ketzermarketing

Thursday, December 2nd, 2004

Bei der außerordentlich aufschlussreichen, wenn auch nicht einfachen Lektüre des Werkes „Ketzerei im Mittelalter“, Malcom Lambert, Callwey 1981 (sollte man unbedingt gelesen haben) bin ich auf einige interessante Parallelen der damaligen Häresien zu Erscheinungen der heutigen Welt, insbesondere im Bereich Pornographie gestoßen.

Im 12. Jahrhundert herrschte allgemein ein großes Bedürfnis nach Neuorientierung, Reform und sogar Umkehr in Fragen des Glaubens und der Religion. Die Kirche galt als verkommen und verstrickt in weltliche Dinge, in den Städten gewann das Bürgertum an Einfluss und Selbstbewusstsein. Die vergangene, rohe, an groben Materialismus orientierte Zeit wurde bewältigt, in dem sich Viele Werten wie Einfachheit, Armut und Askese zuwandten.

Das war das Substrat, auf dem vielfältige Formen des Ketzertums gediehen. Nun kam natürlich auch eine ordentliche Ketzerei nicht ganz ohne Werbung aus. Vor allem setzte man damals auf virales Marketing und einen Face2Face-Approach, bediente sich aber auch einiger sattsam bekannter Techniken.

Eine Ketzergruppe aus Köln etwa, zwar ohne echten (überlieferten) Namen, aber vermutlich eine Art Vorläufer der Katharer, hatte mehrere Zirkel oder Kreise; die genaue Struktur wechselte. Der äußere Kreis (eine Art einfache Mitglieder) wurde mit den üblichen ketzerischen Argumenten geworben: Back to the roots (also zum Neuen Testament), Abschaffung von (auch gemeinschaftlichen) Besitz der Geistlichen, Ablehnung der Sakramente (inklusive der Ehe, damit auch des Beischlafs und sämtlicher Zeugungsprodukte; also auch von Vanillejoghurt) etc. Also für damalige Verhältnisse relativ vernünftige oder jedenfalls nachvollziehbare Forderungen, im Großen und Ganzen eine Art „Katholizismus 2.0 meets Bogomilismus“ unter Ausschluss der Molkereiindustrie und der CMA.

Der innere Kreis dagegen hatte eine ganz eigene Religion mit wirren Glaubenssätzen, die offenbar unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen zustande gekommen waren. Das schloss insbesondere Seelenwanderung und den Glauben an die Erschaffung der Welt durch einen bösen Gott ein.

Es wird spekuliert, dass die Gruppe „rationalistische Propaganda nur deswegen betrieb, um Anhänger zu gewinnen“. Anders gesagt: Man hat den Leuten etwas anderes verkauft, als sie bekamen. Man sagte ihnen, dass man eine ganz dufte neue Lehre habe, die echte Probleme löst, in Wirklichkeit hatte man aber nur Hirnmüll im Bauchladen, der einfach an den Mann und an die Frau gebracht werden sollte.

Woran erinnert uns das, na? Klar, an Suchmaschinen-Spamming. Nichts anderes tun die Leute, die in ihre Webseiten (über Katzen) fiese Keywords einfügen, oder wirre Entry-Seiten zu ihren Urlaubsseiten basteln, so dass man bei der (sehr beliebteb) Suche nach „dauergeile Schlampe Darmstadt“ die Darstellung des Grönlandurlaubs der Familie Mayer bekommt. Oder schlimmer umgedreht: man sucht nach etwas halbwegs sinnvollem, etwa „Baustrahler 500W Baumarkt online“ und landet auf einer Seite eines Herstellers von Analspielzeug („Glubbyglitsch macht glücklich“).

Es gibt einfach nichts Neues unter der Sonne.