„Share your moments“ oder „Augenblicke festhalten“, so in etwa klingen viele Ideen, Werbesprüche oder das, was bei deren Kreuzung entsteht, in Bezug auf Digitalkameras. Hab’ das Ding dabei und halt’ fest, was Du erlebst.
Wie langweilig.
Bei Licht besehen (welch schöner Satzanfang in diesem Zusammenhang) kann eine Kamera ein Instrument sein, um Dinge zu sehen, die wir eben gerade nicht erleben. Oder jedenfalls anders wahrnehmen. Sie kann ein Zugang zu einer anderen Ebene der Realität sein, fern von Augenblicken. Sie kann Dinge zeigen, die uns (so) unsichtbar sind.
Eine Kamera kann nicht nur Augenblicke festhalten. Sie kann auch eine Zeitmaschine sein. Sie kann nicht nur zeigen, was geschieht, wenn jemand den Auslöser betätigt, sondern sie kann – richtig eingestellt – Sekunden, Minuten oder auch Stunden festhalten, auf einem Bild. Die hektische Betriebsamkeit des Augeblicks löst sich dann auf und gibt den Weg frei auf das, was bleibt: wenn auch nicht für ewig dann doch unverändert für die Zeit der Aufnahme. Durch ein technisches Gerät hat man damit die Möglichkeit, nicht nur räumliches Geschehen auf CCD zu bannen, sondern auch zeitliche Abläufe. Man gewinnt bis zu einem gewissen Grad Kontrolle über eine neue Dimension.
Was da bleibt ist freilich vor allem Stein und Struktur. Mensch und Tier, Bewegung, auch Wellen und rasende Wolken, das entschwindet. Der Rest ist Statik. Aber natürlich kann man einem technischen Gerät nicht vorwerfen, dass es die Dinge sieht, wie sie auf dieser Ebene nun einmal sind. Natürlich kann man der Kamera nicht vorwerfen, dass sie Antworten nur auf die falschen Fragen liefert.