Landtagswahlen
Monday, September 20th, 2004Jetzt haben es die Rechten (vulgo: “die Doofen”) also (mal wieder) in die Landesparlamente geschafft. Irgendwelche Holzroller, Luftpumpen und Dumpfbacken, die für fünf Jahre Volksvertreter mimen dürfen. Verdrießlich.
Da musste ich wieder an die 13% für die DVU in Sachsen-Anhalt 1997 denken. Zu dieser Zeit war ich, als alter Anhaltiner an den Vorgängen in der Heimat interessiert, gerade in Atlanta; saß in einem schillernden Glaspalast mit Blick über Buckhead, im Blick Banken, Versicherungsgebäude und natürlich den Clubbing-District. Morgens las man da das Wall Street Journal. Der Aufmacher am Morgen nach der Wahl ging in die Richtung “German State votes for Nazi-Party”.
Nun ist die Außenwirkung – Investoren, Touristen etc. – sicher nicht das Wichtigste in so einer Situation, in der ein Volk (Vorsicht, Volksschelte!) mangelnde Reife demonstriert und sich Blesshühner in den Landtag wählt. Aber es ist dennoch ganz unglaublich, wie so eine Zahl und so eine Überschrift da, mental und körperlich entrückt weit weg, wirken. Da kommen feine Details, wie (beliebig einsetzen) Denkzettelwahl, Arbeitslosigkeit, Ost-Frust nicht an, und auch kleine Unterschiede zu früher (man will die Ausländer ja nicht gleich vergasen sondern bloß ausweisen) wollen kaum so recht klar werden. Da wählt man halt in Deutschland mal wieder Nazis. Man regt sich da nicht mal richtig drüber auf, sondern nimmt das eher mit einer Art schulterzuckendem Bedauern zur Kenntnis. Unbelehrbare halt.
Naja, auf Seite drei der Zeitung gibt es ja gute Nachrichten aus Asien.


