Gestern Abend habe ich eines der größten Rätsel der Menschheit, jedenfalls der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, gelöst. Wie es zu Rezessionen und Wirtschaftskrisen kommt, insbesondere zu der, an deren Ende wir uns befinden (angeblich schon seit zwei Jahren oder so). Mir fehlt es noch ein wenig an Daten und Vergleichen, aber qualitativ ist mir das alles klar: Melancholie und Lebensunlust. Ganz logisch. Und schuld sind die Medien und die kunstschaffende Bevölkerung.
Eigentlich ist das nämlich alles ganz einfach. Wirtschaft und Gesellschaft sind einfach nur Spiegelbilder der Summe der Geistesverfassung der ganzen Bevölkerung. Und die ist eben schon Ende der 90er umgeschlagen. Die Leute hatten genug, immer nur Party zu machen, Caipi zu saufen, zu kiffen und sich durch die Gegend zu vögeln. Auf die Dauer nervt zu viel gute Laune einfach. Und auch das Kulturvieh wollte nicht immer nur einen Sommerhit mehr nach dem anderen produzieren. Daher der Umschwung zu Innerlichkeit und ökonomisch unproduktiver Selbstreflexion.
Das fiel mir auf, weil im TV letztens „Magnolia“ lief. Ein – trotz des versöhnlichen Endes – zutiefst stimmungstötendes Werk voller Nabelschauen von Leuten, die eigentlich keine Sorgen haben und sich deswegen umbringen oder anderen Unsinn machen. Und von 1999. In dem Jahr haben auch die Red Hot Chili Peppers die „Californication“ veröffentlicht, von der praktisch jeder Track ein Nummer Eins Hit wurde. Und wer bitte, frage ich, geht nach „Other Side“ (slithin’ my throat is all I ever had) motiviert an die Arbeit und erhöht das Bruttosozialprodukt? Keine alte Sau. Auch umgekehrt funktioniert das übrigens. Wann begann die letzte weltweite Boomphase? Richtig, nach dem Ende von „Nirvana“.
Ich rufe daher hiermit: „Künstler aller Länder vereinigt Euch. Und schreibt mehr Stimmungslieder!“