Archive for April, 2004

Tierpersönlichkeitsrechte

Saturday, April 17th, 2004

hadez_fleischessen.jpg

Hier frage ich mich ernsthaft zwei Dinge:

a) warum läßt man die Tiere dafür Werbung machen, gegessen zu werden?
b) haben die Tiere eigentlich ihre Einwilligung zur Nutzung ihrer Bilder für Werbezwecke gegeben?

(München, S-Bahnbrücke nähe Schlachthof)

Eschatologie

Friday, April 16th, 2004

hadez_frauenhimmel.jpg

Und weil heute der Tag der Beschäftigung mit Religion ist gleich noch meine Ansicht zu einigen Grenzfragen der Eschatologie. Mag es sich dabei auch um eine Wissenschaft mit schwer endgültig zu klärenden Fragen handeln, so ist doch eines klar: das Aussehen des Himmels für Frauenzimmer.

Die Bibel als Gebrauchsanweisung

Friday, April 16th, 2004

Das Strudel-Blog setzt sich mit der spannenden Frage auseinander, wieso die Bibel eigentlich keine Gebrauchsanweisung hat. Aus dem Fehlen der vollkommenen Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit – obwohl doch heute jedes drittklassige Elektrogerät made in China eine lesbare Anleitung hat – wird da gefolgert, dass die göttliche Schöpfung unvollkommen ist.

Das ist natürlich Quark, ich hoffe, ich darf das auch als Heide sagen, und dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Zum einen waren die Anleitungen fernöstlicher Produkte vor 20 Jahren noch ganz, ganz schrecklich; die Bibel dagegen ist selbst in den jüngsten Teilen fast 2.000 Jahre alt, ein wenig Patina sei ihr da verziehen. Weiterhin ist selbst das komplizierteste Elektrogerät sicher nicht so komplex wie Gott, nicht umsonst gibt es ja eine ganze Wissenschaft – die Theologie – die sich mit dem Thema beschäftigt und deren Aufgabe es primär ist, die Offenbarung verständlich zu machen – angepasst an die jeweilige Zeit und Kultur.

Zuletzt aber sind Glaube und Offenbarung per se keine „erklärbaren“ Begriffe in dem Sinne, dass man sie „verstehen“ können. Hier geht es um den Gegensatz zwischen rationalen und mystischen Denken, zwischen Albert Einstein und Meister Eckhart. Die Religion sprich dann auch richtig davon, dass Gott „erfahren“ werden muss – und das gilt für alle Religionen, auch die polytheistischen. Den Weg dahin muss aber jeder selbst finden, dafür kann es keine Anleitung geben.

Zu viele Jungfrauen

Friday, April 16th, 2004

Anläßlich des erst kürzlich vergangenen Osterfestes ergaben sich in meinem Freundeskreis vielfältige Diskussionen zu religiösen Themen. Wie immer war es mir dabei ein Vergnügen, eine meiner Lieblingsgeschichten der Bibel, nämlich die von den “klugen und törichten Jungfrauen” (Matthäus 25) vorzutragen, der man - was viele dann überraschte - erheblichen Unterhaltungs- und Erkenntniswert nicht absprechen kann.

“1 Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. 2 Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. 3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. 4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. 5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. 6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! 7 Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. 8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen. 9 Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst. 10 Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. 11 Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! 12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 13 Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.”

Ich denke ja, der Typ war nach fünf Jungfrauen einfach noch nicht wieder fit für die restlichen fünf, vielleicht hat er ja auch einfach die Unterhalts- und Alimente-Forderungen hochgerechnet und festgestellt, dass er dafür wahrscheinlich seinen Bausparvertrag vorzeitig kündigen muss. Im übrigen halte ich schon eine einzige Jungfrau für eine Zumutung und fühle auch daher mit dem armen Kerl. Zuletzt spricht die Geschichte natürlich Bände zum Thema weibliche Solidarität, die vor allem aus Stutenbissigkeit besteht. Wir sehen also: die Bibel ist wahrhaft ein Werk, das zu studieren auch in der heutigen Zeit lohnt.

Zu viel Viagra für den Spamfilter

Thursday, April 15th, 2004

Wen Spammails nerven und wer dafür einen Filter im Einsatz hat, den dürfte folgende Berechnung deprimieren: Es gibt 600.426.974.379.824.381.952 Arten, “Viagra” zu schreiben. Und damit genausoviele Wege, den Spamfilter auszutricksen. Keine Chance, denn wir reden hier über Trillionen. Wenn man diese Trillionen übereinanderlegt, dann reichen sie zweieinhalb mal um das Universum herum, wenn ein Mensch diese Zahl abzählt und pro Sekunde eins weiterzählt, ist er noch zum übernächsten jüngstem Gericht beschäftigt.

Friede in Israel?

Thursday, April 15th, 2004

Gestern Abend kam auf Arte eine Dokumentation über den israelisch-palästinensischen Konflikt. Bedrückend, wie viel Hass auf beiden Seiten existiert, kein Wunder aber, dass es so ist. Den einen werden jede Nacht die Häuser zerschossen, weil sich darin potentiell Heckenschützen verbergen können – die sich dann meist als Frauen und Kinder entpuppen; den anderen werden die Kinder morgens im Schulbus von Attentätern mit Bombengürteln in die Luft gesprengt.

Mögen die Historiker in ein paar Jahrzehnten darüber abstimmen, wer die Hauptschuld trägt, wirklich interessieren tut das im Moment wohl nicht. Wiewohl generell grenzeloser Optimist bin ich mir in diesem Fall nicht sicher, ob nicht doch der Zaun, der israelisches und palästinensisches Territorium trennt, eine gute Idee ist. Vielleicht hilft es ja, die beiden Seiten zu trennen. Aber der Preis, der wäre hoch. Wollte man das wirklich „richtig“ machen, müsste man jegliche personellen und wirtschaftlichen Verflechtungen kappen. Zweifelhaft, ob das möglich ist.

Noch nicht so recht sicher bin ich mir, wie es ins Bild passt, dass Sharon und Bush sich einig sind, eine Reihe von besonders schönen und großen Siedlungen im Westjordanland zu belassen. Das wird doch immer ein Stachel im Fleische der Palästinenser sein, also genau das Gegenteil der Zaun-Idee. Ich denke, da will es Sharon einfach allein gleichzeitig recht machen oder anders gesagt: er hat nicht nur keine Lösung, sondern zusätzlich auch keine Vision oder Strategie. Von Bush freilich erwartet man ohnehin nicht anderes.

Vaterlandslos II

Wednesday, April 14th, 2004

Auch das weltberühmte MEX-Blog beschäftigt sich mit dem Thema, wann Unternehmer eigentlich vaterlandslose Gesellen sind (ich habe das hier auch schon getan). Der Vorschlag geht dahin, man könne sie nicht als „vaterlandslos“ bezeichnen, wenn sie hier in Deutschland noch ihre Schuhe und Autos kaufen.

Das Kriterium klingt bestechend, ist in Wahrheit aber ebenso Quark wie die gesamte Diskussion. Vorweg: wenn ein Unternehmer nicht mehr hier Brot und Butter und Schuhe kauft, dann wohnt er nicht mehr hier, ist also irgendwie schon kein -deutscher- Unternehmer mehr und damit raus aus den Schuldzuweisungen (anders: solange er noch umzieht oder hier berühmt ist, vergleiche die Neiddebatte).

Aber auch ohne diese feinsinnige Distinktion ist die Debatte eigenartig: wie bitte kann man denn einem Unternehmer vorwerfen, dass er sich marktgerecht verhält? Welcher Irrwitz steckt dem hinter dem Vorwurf der Politik, Unternehmer sollte doch bitte unbedingt und auch um den Preis des Verlusts der Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland einkaufen und produzieren – aber natürlich auch gern exportieren und im Ausland verkaufen? Das ist etwa so, als wolle man dem Wasser vorwerfen, das es bergab fließt und ihm anheim stellen, es möge nicht nur den Durst löschen, sondern gleich auch noch das Haus heizen und selbsttätig Kaffee kochen; das zeugt von Realitätsverlust und fortgeschrittener Demenz. Die richtige Frage ist doch: wie kann die Politik dafür sorgen, dass Unternehmer es von ganz allein toll finden, gerade in Deutschland zu investieren?

Sonderwirtschaftszone Ost

Wednesday, April 14th, 2004

Kein Ende findet die Debatte und die Frage, ob und wenn ja, wie man eine Sonderwirtschaftszone im Osten (also in fünf der sechs neuen Bundesländer) einrichten solle und ob man das überhaupt mit „Zone“ betiteln kann und darf.

Ich persönlich sehe nicht recht ein, warum es nicht möglich sein sollte, in bestimmten, ausgewählten Gebieten, zu testen, ob man mit flexibleren Tarifverträgen, weniger Verwaltung und gezielter (!) Förderung von Projekten nicht mehr erreichen kann, als anderswo. Ob das der gesamte Osten sein muss und – insbesondere – ob man nicht auch Orte im Westen dafür bestimmen könnte, sei dahingestellt. Richtig ist sicher, dass man das Projekt direkt nach der Wende hätte veranstalten sollen, die FDP etwa hatte das ja damals vorgeschlagen, unter dem lauten Einheitsgetöse war das politisch aber nicht durchsetzbar. Es muss doch aber erlaubt sein, Fehler nachträglich zu korrigieren.

Richtig ist sicher auch, das man Maßnahmen, die als richtig erkannt wurden, eigentlich auch gleich bundesweit umsetzen könnte. Aber da in diesem, unseren Land der Reformeifer doch stark zu wünschen übrig lässt, ist wenig sicher besser als nichts. Wünschen freilich darf man auch weiterhin.

Der Kapitalismus

Tuesday, April 6th, 2004

hadez_capitalism.jpg

ist eigentlich eine großartige Sache. Ich darf das sagen, ich habe auch anderes erlebt. Erstaunlicherweise sieht das nicht jeder so…

Dienstleistung ist Dienst…

Monday, April 5th, 2004

Was versteht man eigentlich heute unter Dienstleistung? Antwort: ? Zu Recht. Meines Erachens besteht das Wort aus Dienst und Leistung. Dienst durch Leistung? Dienen durch Leistung? Wäre wünschenswert. Wer ist denn eigentlich Dienstleister? Der Bäcker, der Müllmann, der Frisör, der Anwalt, die Bank, der Versicherer? Die alle sollen Dienen? Kleine Geschichte: Wegen der Einräumung eines Dispokredites von 50 € auf einem Konto bei einer städtischen Kreditinstitut in München - nur wegen der ab und an vorkommenden Überschneidungen am Monatsende - wollten die Damen und Herren eine Selbstauskunft, welche sich auf 6 (in Worten sechs !) DIN A 4 Seiten erstreckte. Das Konto wurde aufgelöst. Ich hatte nicht mehr das Gefühl ich sei Kunde und die Bank Diensteanbieter. Bittsteller und Dienstverweigerer würde passen.
Haben Sie auch schon mal einen Tisch für 21.00 Uhr reserviert, welchen Sie dann - ohne weiteren Kommentar, geschweige denn einen Aperitif graduit - gegen 21.36 zugewiesen bekamen? Um dann noch einmal eine Stunde auf eine Bestellung zu warten? Ohne Kommentar oder - nicht dass man es erwarten würde - weitere Erklärung? Etwa, der Koch hat Liebeskummer oder wir mußten die Sau noch schlachten? Nein? Dann sollten Sie auch einmal darüber nachdenken, was Dienstleistung heute noch bedeutet.
Sicher, man erwartet keinen roten Teppich, devote Haltung oder Füße lecken. Aber ab und an mal ein Lächeln, eine Erklärung oder einfach eine nette Geste, wenn es mal nicht so klappt wie es sollte… zu viel verlangt? Zugegeben: ein altes Sprichwort sagt, Kunden bekämen immer die Dienstleister, die sie verdienen. Oder: wie man in den Wald hineinschreit, so hallt es wieder. Sollten wir also zunächst versuchen besserer Kunden zu werden? Vielleicht fange ich morgen einfach mal bei dem netten jungen Mann an, der mir jeden Morgen einen Becher Kaffee verkauft und schenke ihm ein Lächeln statt der üblichen Morgengrimasse.