Oscars
Monday, March 1st, 2004 Der „Herr der Ringe“ hat doch tatsächlich elf (11!) Oscars abgestaubt. Das finde ich bemerkenswert.
Der Film setzt ein schon nur sehr mäßiges Buch um. Die Geschichte des „Herrn der Ringe“ ist zwar spannend zu lesen, hinterlässt aber geistige Leere und einen schalen Nachgeschmack. Gut und Böse, Schwarz und Weiß sind da fein säuberlich getrennt, es gibt keine Zwischentöne. Als ob die Welt so einfach wäre. Die Charaktere entwickeln sich auch nicht weiter, sie sind von Anfang an gleich; mit der Ausnahme vielleicht der Hobbits, die lernen, mit dem Schwert umzugehen und am Schluss – der zur Geschichte nicht mehr dazugehört – in der Shire aufräumen.
Das Werk ist im übrigen herrlich fortschrittsfeindlich und vertritt eine Art der Verklärung und Romantisierung des naturverbundenen ländlichen Lebens, die bestenfalls peinlich ist.
Der Film nimmt diesen vorgegebenen Rahmen nahtlos auf und glänzt mit unsäglichen schauspielerischen Leistungen. Dein einzige halbwegs gut gespielte Charakter ist Golum, und der stammt aus dem Rechner.
Vor allem aber gelingt es der Verfilmung, dem ohnehin schon nicht überschau- und zuordenbaren Wirrwarr von Zwischen-, End-, Haupt- und Finalschlachten die Krone aufzusetzen, indem die auch im Buch schon spärlichen Hinweise, warum gerade wer gegen wen kämpft, komplett weggelassen werden. Vor allem der nun prämiert dritte Teil der Saga ist ein einziges Gemetzel. Ein Film, aus dem man absolut nicht mitnehmen kann. Schade um das Eintrittsgeld.