Mit Interesse las ich heute bei der Durchsicht der üblichen Verdächtigen, dass ein 26-jähriger Mathematikstudent – mehr oder weniger zufällig, da er nur Rechenzeit zur Verfügung stellte – die größte bisher bekannten Primzahl entdeckt hat. Das Ding ist furchtbar beeindruckend, 6.320.430 Stellen lang, und hat eine Interessante Eigenschaft: es ist eine Mersenne-Zahl.
Primzahlen haben natürlich – vor allem in der Kryptographie – ganz praktische Anwendungen, im Großen und Ganzen sind sie aber sicher von eher theoretischem Interesse. Es ist einfach interessant, Theorien über die Verteilung der Primzahlen unter den natürlichen Zahlen zu finden oder sich den Kopf über sonstige Eigenschaften dieser seltsamen Zahlen zu zerbrechen. Die Beschäftigung mit solchen Dingen ist weitgehend Selbstzweck.
Man kann das natürlich auch für unnütz und für Zeitverschwendung halten. Immer wieder hört man ja, die Wissenschaft solle sich lieber praktischen Problemen zuwenden; solange es Hunger und Elend auf der Welt gäbe, mache es keinen Sinn, irgendwelchen Theorien nachzuhängen oder Gedankengebäude zu entwickeln, von denen niemand satt werde. Mit demselben Argument kann man natürlich – und tut dies auch sehr oft – die Raumfahrt für überflüssig halten. Oder Kunst und Kultur. Oder jede Wissenschaft überhaupt. Philosophie, Mathematik, Soziologie: alles Blödsinn. Da wäre es doch besser, wirklich sinnvolle, „praktische“ Dinge zu tun, statt Leute auf den Mond zu schicken, über den Ursprung des Bewusstseins nachzudenken oder eben Primzahlen zu suchen.
Natürlich würden wir, wenn man diese Einwände ernst nähme, allesamt noch auf Bäumen sitzen und nach Bananen hangeln. Denn das ist es ja, was aus dem Menschen; aus der gesamten Menschheit, das gemacht hat, was sie ist: die Neugier. Und Neugier eben über den Tag, über das konkrete Problem (was esse ich jetzt, wo schlafe ich, wen kann ich begatten) hinaus. Nur der Mensch fragt sich, warum die Dinge so sind, wie sie sind; ob man sie vorhersagen oder beeinflussen kann und was eigentlich all dem zugrunde liegt.
Vielleicht sollte ich es einfach zugeben: Ich halte Primzahlenforschung für ausgesprochen sinnvoll.