Archive for October, 2003

Dialer und tolle Würste

Tuesday, October 28th, 2003

Immer wieder schön ist es doch, wenn man sich mit Anbietern von Internet-Mehrwertdiensten über 0190er-Nummern streitet; die Akten stapeln sich inzwischen. Da kommen dann tolle Briefe (immer von denselben Anbietern übrigens), mit selbstgebastelten Zertifikaten und dem Hinweis, dass man gar nicht wüsste, dass es da schwarze Schafe gäbe. Natürlich wäre alles hochseriös. Da trifft es sich gut, dass die RegTP gerade eben knapp 400.000 Dialer verboten hat. Ob die Betreiber da auch Ihre Standard-Schreiben schicken werden?

Standards im Web und die Dritte Welt

Friday, October 17th, 2003

Gerade eben lese ich in meiner Muse-Mittagspause ein ganz interessantes, wenn auch inhaltlich dumpfes Essay in der immer wieder – positiv wie negativ – erstaunlichen Telepolis . Da geht es um den digital divide, um die „Formatierung“, die der böse Westen mit Hilfe der Globalisierung der Dritten Welt aufzwingt: haltet Euch an unsere Standards (Englisch, XML und ASCII) oder bleibt vor der Tür. Das ist richtig und falsch. Richtig: ja, es gibt Standards, und die bilden ein in sich geschlossenes System; wer es nicht anerkennt, bleibt draußen. Falsch: das ist nicht schlecht, sondern eine Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg und auch kulturellen Austausch. Die Standards sind offen, kein Herrschaftswissen.

Der Prozess der Standardisierung hat von etwa 100 Jahren wirklich angefangen, als man keine Lust mehr hatte, dass es für jede Lok und jede Dampfmaschine 17 verschiedene Ventile gab, als man Ersatzteile austauschbar und – vor allem – überall produzierbar machen wollte. Anders wäre eine sinnvolle Exportwirtschaft gar nicht möglich, wir hätten kaum vernetzte nationale Inseln ohne Austausch. Das gilt digital genau so. Die beste Datenbank nutzt nichts, wenn die Daten nirgends anders gelesen werden können. Was wir hier sehen ist also kein Akt des Kulturimperialismus, kein Zwang, sondern das Angebot zum Aufspringen auf einen fahrenden Zug.

Softwarepatente

Thursday, October 16th, 2003

Offenbar hat mal wieder ein Unternehmen - hier gleich Microsoft selbst, das ja vielen als das “Reich des Bösen” gilt - ein vermutlich triviales Softwarepatent erhalten, vgl. unter Out-Law.com Letztlich ist die Idee, mit Hilfe von Cookies Internetseiten zu personalisieren, vom USPTO mit einem Schutzrecht bedacht worden; der Antrag stammt allerdings schon aus dem Jahr 1996, in dem die Sache sicher noch nicht ganz so trivial war, wie sie heute scheint; eine großartige Erfindungshöhe kam dem Ganzen aber sicher auch damals nicht zu. Und sicher wird wieder ein Aufschrei durch das Netzvolk gehen, wie schädlich Softwarepatente sind, man sähe das ja selbst. Aber eigentlich zeigt das Beispiel nur eins: Softwarepatente wären an sich schon eine gute Sache, wenn nur die Prüfungskriterien in den Ämtern ernst genommen würden. Es mangelt hier schlicht an der Professionalität der Prüfer. Trivialitäten dürfen nicht deshalb nicht patentiert werden, weil sie Code sind, sondern einfach deswegen, nunja, weil sie eben Trivial sind.