Gerade eben lese ich in meiner Muse-Mittagspause ein ganz interessantes, wenn auch inhaltlich dumpfes Essay in der immer wieder – positiv wie negativ – erstaunlichen Telepolis . Da geht es um den digital divide, um die „Formatierung“, die der böse Westen mit Hilfe der Globalisierung der Dritten Welt aufzwingt: haltet Euch an unsere Standards (Englisch, XML und ASCII) oder bleibt vor der Tür. Das ist richtig und falsch. Richtig: ja, es gibt Standards, und die bilden ein in sich geschlossenes System; wer es nicht anerkennt, bleibt draußen. Falsch: das ist nicht schlecht, sondern eine Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg und auch kulturellen Austausch. Die Standards sind offen, kein Herrschaftswissen.
Der Prozess der Standardisierung hat von etwa 100 Jahren wirklich angefangen, als man keine Lust mehr hatte, dass es für jede Lok und jede Dampfmaschine 17 verschiedene Ventile gab, als man Ersatzteile austauschbar und – vor allem – überall produzierbar machen wollte. Anders wäre eine sinnvolle Exportwirtschaft gar nicht möglich, wir hätten kaum vernetzte nationale Inseln ohne Austausch. Das gilt digital genau so. Die beste Datenbank nutzt nichts, wenn die Daten nirgends anders gelesen werden können. Was wir hier sehen ist also kein Akt des Kulturimperialismus, kein Zwang, sondern das Angebot zum Aufspringen auf einen fahrenden Zug.