Archive for the ‘Religion’ Category

Zeit

Monday, November 29th, 2004

„Share your moments“ oder „Augenblicke festhalten“, so in etwa klingen viele Ideen, Werbesprüche oder das, was bei deren Kreuzung entsteht, in Bezug auf Digitalkameras. Hab’ das Ding dabei und halt’ fest, was Du erlebst.

Wie langweilig.

Bei Licht besehen (welch schöner Satzanfang in diesem Zusammenhang) kann eine Kamera ein Instrument sein, um Dinge zu sehen, die wir eben gerade nicht erleben. Oder jedenfalls anders wahrnehmen. Sie kann ein Zugang zu einer anderen Ebene der Realität sein, fern von Augenblicken. Sie kann Dinge zeigen, die uns (so) unsichtbar sind.

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Eine Kamera kann nicht nur Augenblicke festhalten. Sie kann auch eine Zeitmaschine sein. Sie kann nicht nur zeigen, was geschieht, wenn jemand den Auslöser betätigt, sondern sie kann – richtig eingestellt – Sekunden, Minuten oder auch Stunden festhalten, auf einem Bild. Die hektische Betriebsamkeit des Augeblicks löst sich dann auf und gibt den Weg frei auf das, was bleibt: wenn auch nicht für ewig dann doch unverändert für die Zeit der Aufnahme. Durch ein technisches Gerät hat man damit die Möglichkeit, nicht nur räumliches Geschehen auf CCD zu bannen, sondern auch zeitliche Abläufe. Man gewinnt bis zu einem gewissen Grad Kontrolle über eine neue Dimension.

Was da bleibt ist freilich vor allem Stein und Struktur. Mensch und Tier, Bewegung, auch Wellen und rasende Wolken, das entschwindet. Der Rest ist Statik. Aber natürlich kann man einem technischen Gerät nicht vorwerfen, dass es die Dinge sieht, wie sie auf dieser Ebene nun einmal sind. Natürlich kann man der Kamera nicht vorwerfen, dass sie Antworten nur auf die falschen Fragen liefert.

Zweifel…

Wednesday, October 27th, 2004

Zur Zeit lese ich von John Cornwell “Hitler’s Pope” - sprich eine Biographie zu Papst Pius XII oder Eugenio Pacelli. Dort wird lebhaft erzählt, erläutert, versucht zu begründen oder zu erforschen, teils zu entschuldigen, warum der Papst des zweiten Weltkrieges während der gesamten Grausamkeiten und Massakern gegen Serben, Juden, Christen sowie anderen zu Randgruppen erklärten Menschen eine Politik des Schweigens verfolgte. Schweigen im Sinne von Schweigen, während auch im Schatten des Vatikans Menschenverfolgung und -vernichtung stattfand.
Ich bin gläubige Christin - Katholikin. Aber je mehr man sich mit Kirchengeschichte beschäftigt, desto eher muss man erkennen, dass immer dann, wenn die katholische Kirche als christliche Gemeinschaft die von Christi überlieferten Botschaften (Nächstenliebe, Menschlichkeit oder Hilfe für Unterdrückte) in seinem und Gottes Namen hätte verteidigen müssen, sie jämmerlich versagte. Der Holocaust war hier nur das jüngste, wenn auch grausamste Beispiel der Ohnmacht der Kirche. Natürlich kann man hier nicht in Bausch und Bogen verurteilen; man kommt aber doch ins Grübeln, wie der eigene Glaube mit der Institution Kirche vereinbar, oder ob beides wirklich zwingend verbunden ist.

Werte

Friday, October 22nd, 2004

Wenn auch schon viel über das Thema geschrieben wurde und einiges davon sogar auf meinem Nachtschränkchen aufgeschlagen ist und wurde, beschäftigt mich doch immer mehr die Frage der Werte. Woher kommen die und worin finden die ihre Begründung? Beanspruchen sie nur relative oder absolute Geltung? Kann oder sollte man sie hinterfrage und gegebenenfalls ändern? Berechtigen – oder verpflichten sie gar! – zum Eingriff in fremde Positionen, wenn diese einzelnen anerkannten Werten oder dem aus diesen gebildeten System widersprechen?

Ich bin nicht gläubig, jedenfalls nicht im üblichen Sinne der Überzeugung, dass irgendwo eine höhere Macht existiere, die das Leben der Menschen verursacht hat oder beeinflusst und die moralische und sittliche Werte verordnet und über deren Einhaltung wacht und schlussendlich richtet. Diese Vorstellung scheint mir, ungeachtet ihrer weiten Verbreitung, zumindest – mit Verlaub – skurril zu sein. Sie taugt mir damit jedenfalls kaum, um ein tragfähiges Fundament für mein Wertesystem zu geben. Dabei bestreite ich nicht, dass einige der Werte, die etwa das Christentum empfiehlt, durchaus willkommen sind, etwa das Tötungsverbot. Andere sind reichlich fragwürdig, etwa, dass man den Namen des HERRN nicht ohne guten Grund im Munde führen soll.

Religiös begründete Werte haben zudem reichlich viele Nachteile. So sind sie schon über die verbreiteten Religionen gesehen nicht besonders konsistent. Die Vielehe wird im Islam nicht nur erlaubt, sondern wirtschaftlich leistungsfähigen Männern zum Zwecke der Versorgung der Witwen sogar nahe gelegt. Im Christentum sieht man das anders. Unangenehm ist mir auch, dass viele religiös inspirierte Wertesysteme kraft des Rückgriffs auf eine höhere Macht, die eben auch die einzige Wahrheit darstellt, damit eine Entscheidung nicht allein über das System, sondern einen ganzen Rattenschwanz an theologischen Fragen nach sich ziehen. Zudem ist es unmöglich, einen Konflikt zwischen den alleinige Geltung beanspruchenden Systemen zu lösen, wenn jedes der Systeme sich letztlich auf den Glauben stützt. Denn den kann man haben oder auch nicht. Die Religion halte ich daher für ab und an ganz nützlich, aber völlig untauglich, die hier aufgeworfenen Fragen zu lösen. Dabei ignoriere ich keineswegs, dass sie das dennoch viele Jahrhunderte praktisch ganz gut gelöst hat.

Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass Werte sich im Grundgesetz finden, dass überhaupt das geltende Recht auch eine Werteordnung darstellt. Das ist aber hochgradig unbefriedigend, denn Gesetze, auch die Verfassung, lassen sich doch relativ leicht ändern, zudem sind auch hier Differenzen oder zumindest unterschiedliche Akztentuierungen zwischen verschiedenen Nationen feststellbar. Zuletzt haben Gesetze die üblichen Legitimationsprobleme: es gibt keine einheitliche und einleuchtende oder auch nur allgemein akzeptierte Antwort auf die Frage, warum etwa das Grundgesetz gerade so und nicht anders aussehen muss. Das positive Recht beantwortet – anders als die Religion – nicht die Frage nach dem „Warum“, selbst das Grundgesetz hält es ja für nötig, sich auf Gott zu berufen. Dass die Antwort der Religionen – weil es eben Gottes Wille sei – letztlich ebenso wenig befriedigend ist, muss dabei natürlich klar sein.

Leider kann ohne eine Antwort auf das „Warum“ ein Großteil der Frage, für deren Beantwortung wir ein Wertesystem bräuchten, nicht gelöst werden. Etwa die Entscheidung, ob die Stammzellenforschung eine gute Idee oder ganz schrecklich ist, findet sich nur mit viel Mühe, und vor allem nicht in bestehenden Gesetzen. Vielmehr versuchen ja Ethikkommissionen gerade Antworten auf die Frage zu geben, wie denn Gesetze aussehen sollten. Die Ethik erscheint damit der gesetzlichen Regelung vorgelagert, ohne, dass die Verfassung eine sinnvolle Richtschnur gäbe.

Die juristisch fundierten Überlegungen haben immerhin den Vorteil, dass man, wenn man etwa den Katalog der Freiheitsrechte des Grundgesetzes durchsieht, feststellt, dass eigentlich alle der dort genannten Rechte letztlich den Werten „Freiheit“ und „Menschwürde“ dienen. Diese scheinen damit Werte auf einer sehr viel profunderen Eben zu sein, aus denen sich Details ableiten lassen. Das ist insoweit praktisch, als diese beiden Grundwerte wahrscheinlich noch von relativ vielen geteilt werden. Allerdings eben nicht von allen, etwa „Freiheit“ des Individuums wird ja oft als nachrangig gegenüber dem Erfolg des Gemeinwesens gesehen. Zu einem wirklich befriedigenden Ergebnis führt auch das also nicht.

Derzeit denke ich – ganz sicher nicht als erster – darüber nach, ob Werte nicht naturwissenschaftlich, zum Beispiel bei Darwin, verankert werden können. Gut wäre dann, was dem Überleben des Menschen als Spezies nützen würde. Immerhin ist die Evolution, die ständige Weiterentwicklung, das Tasten nach neuen Möglichkeiten, eine Konstante dieser Welt.

Der Gedanke kam mir eine zeitlang brillant vor. Zwar gäbe es immer noch Prognoseprobleme, also ob Stammzellenforschung dem Überleben des Menschen nutzt oder nicht, aber das sind eher technische Aspekte – im Zweifel würde zudem gelten, das Forschung wegen der Erweiterung der Möglichkeiten des Menschen als Spezies immer gut ist.

Viel schwerwiegender finde ich den Einwand, dass hier ein Faktum – die Konstanz der Evolution – zum Wert wird. Woher wissen wir denn, dass das „gut“ ist? Evolution ist ja blind, stellt selbst also keinen Wert dar. Dennoch finde ich derzeit diesen Ansatz befriedigender als die vorgenannten. Aber ich denke mal noch ein wenig drüber nach…

Endlich, endlich Ufos

Friday, August 13th, 2004

Wer schon immer einmal Bilder von einem richtig echten und (irgendwie) wissenschafltich bestätigten Ufo sehen wollte, der kann das hier tun. Wie allgemein bekannt ist, war der Tunguska-Meteroit eng verknüpft mit der Oberaufsicht netter aber fremder Gesellen über das schutzbedürftige Erdenleben. Nun also gibt es den Beweis. Wer früher in den Genuß kam, regelmäßig die “Sowjetunion” zu lesen, der wußte überigens schon immer, dass die Russen - wer hätte das im kalten Krieg vermutet? - einen starken Hang zum Übersinnlichen und Außerirdischen haben.

Immer wieder EM

Wednesday, June 16th, 2004

Zu WM- und EM-Zeiten entwickle ich ein reges Interesse an Fussball. Eine Religion wird es zwar nicht werden, aber spannend ist es allemal. England-Frankreich war ein richtig schönes Spiel - nicht nur für Zidane-Fans - und gestern Holland-Deutschland, alle Achtung. Also ich gebe es unverblühmt zu: Ich bin zwar nicht “portugeil”, aber doch ein amateur du football, wie der Franzose so schön sagt.

Wer immer ohne Sünde ist,

Friday, June 11th, 2004

der werfe den ersten Stein.

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Eschatologie

Friday, April 16th, 2004

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Und weil heute der Tag der Beschäftigung mit Religion ist gleich noch meine Ansicht zu einigen Grenzfragen der Eschatologie. Mag es sich dabei auch um eine Wissenschaft mit schwer endgültig zu klärenden Fragen handeln, so ist doch eines klar: das Aussehen des Himmels für Frauenzimmer.

Die Bibel als Gebrauchsanweisung

Friday, April 16th, 2004

Das Strudel-Blog setzt sich mit der spannenden Frage auseinander, wieso die Bibel eigentlich keine Gebrauchsanweisung hat. Aus dem Fehlen der vollkommenen Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit – obwohl doch heute jedes drittklassige Elektrogerät made in China eine lesbare Anleitung hat – wird da gefolgert, dass die göttliche Schöpfung unvollkommen ist.

Das ist natürlich Quark, ich hoffe, ich darf das auch als Heide sagen, und dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Zum einen waren die Anleitungen fernöstlicher Produkte vor 20 Jahren noch ganz, ganz schrecklich; die Bibel dagegen ist selbst in den jüngsten Teilen fast 2.000 Jahre alt, ein wenig Patina sei ihr da verziehen. Weiterhin ist selbst das komplizierteste Elektrogerät sicher nicht so komplex wie Gott, nicht umsonst gibt es ja eine ganze Wissenschaft – die Theologie – die sich mit dem Thema beschäftigt und deren Aufgabe es primär ist, die Offenbarung verständlich zu machen – angepasst an die jeweilige Zeit und Kultur.

Zuletzt aber sind Glaube und Offenbarung per se keine „erklärbaren“ Begriffe in dem Sinne, dass man sie „verstehen“ können. Hier geht es um den Gegensatz zwischen rationalen und mystischen Denken, zwischen Albert Einstein und Meister Eckhart. Die Religion sprich dann auch richtig davon, dass Gott „erfahren“ werden muss – und das gilt für alle Religionen, auch die polytheistischen. Den Weg dahin muss aber jeder selbst finden, dafür kann es keine Anleitung geben.

Zu viele Jungfrauen

Friday, April 16th, 2004

Anläßlich des erst kürzlich vergangenen Osterfestes ergaben sich in meinem Freundeskreis vielfältige Diskussionen zu religiösen Themen. Wie immer war es mir dabei ein Vergnügen, eine meiner Lieblingsgeschichten der Bibel, nämlich die von den “klugen und törichten Jungfrauen” (Matthäus 25) vorzutragen, der man - was viele dann überraschte - erheblichen Unterhaltungs- und Erkenntniswert nicht absprechen kann.

“1 Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. 2 Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. 3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. 4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. 5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. 6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! 7 Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. 8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen. 9 Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst. 10 Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. 11 Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! 12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 13 Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.”

Ich denke ja, der Typ war nach fünf Jungfrauen einfach noch nicht wieder fit für die restlichen fünf, vielleicht hat er ja auch einfach die Unterhalts- und Alimente-Forderungen hochgerechnet und festgestellt, dass er dafür wahrscheinlich seinen Bausparvertrag vorzeitig kündigen muss. Im übrigen halte ich schon eine einzige Jungfrau für eine Zumutung und fühle auch daher mit dem armen Kerl. Zuletzt spricht die Geschichte natürlich Bände zum Thema weibliche Solidarität, die vor allem aus Stutenbissigkeit besteht. Wir sehen also: die Bibel ist wahrhaft ein Werk, das zu studieren auch in der heutigen Zeit lohnt.

Jesus war kein Party-Hopper

Sunday, December 7th, 2003

     Oftmals ergibt es sich, dass man an einem Tag auf mehrere Partys eingeladen ist. So auch gestern. Die Entscheidung, wo man hingeht, fällt oft schwer: die eine Gastgeberin ist für die üblicherweise zur Feier gereichten Salate bekannt, die andere Party findet regelmäßig als gepflegtes Rumstehen mit Sektglas statt. Eine schwere Wahl, also geht man auf beide Veranstaltungen. Party-Hopping nennt man das.
     Eine kleine Bibel-Exegese sagt uns, dass dies kein christliches Verhalten ist: Jesus hätte das nicht getan. Er war vielmehr an Nachhaltigkeit – Sustainability – hinsichtlich solcher Feiern interessiert. Wenn eine Party sich nicht recht entwickelte oder sonst Mängel hatte, wich er nicht gleich auf die nächste Veranstaltung aus – obwohl er das gekonnt hätte, schließlich war er ja bekannt wie ein bunter Hund und hatte zweifellos einen vollen Terminkalender. Vielmehr warf er sich und seine Fähigkeiten voll in die Wagschale, um aus der Sache noch einen vollen Erfolg werden zu lassen.
     So war es etwa – nachzulesen bei Johannes – bei einer Feier in Kana in Galiläa, bei der die Getränke vorzeitig ausgingen. Unsereins hätte nun sicher überlegt, wie er gesichtswahrend den Ort verlassen und in die nächste Kneipe versacken könnte. Jesus dagegen nutzte seine ausgezeichneten Verbindungen und verwandelte kurzerhand ordinäres Wasser aus der Leitung in Wein. Die Party war damit gerettet. Wer bis dahin seine Visitenkarten noch nicht verteilen konnte, hatte weiterhin ausreichen Gelegenheit dazu.
     Natürlich wird das noch einige andere interessanten theologische Fragen auf, die bisher in Forschung und Lehre eher stiefmütterlich behandelt wurden. So ist unsere Position zum Party-Hopping offenbar in der Schrift deutlich verankert. Anerkanntermaßen ist das etwa für den Pflichtzölibat nicht der Fall. Da aber die Schrift allein, das Wort Gottes, und nicht Menschenwerk, Richtschnur des christlichen Handelns sein kann, muss doch gelten, dass das Gebot des nachhaltigen Partybesuchs höher steht als etwa das Verbot der Priesterehe!
     Man sieht, auch heute noch sind hier viele Fragen ungeklärt, viel muss noch durchdacht werden, viel bleibt zu erkennen.