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Die Primäre Tugend » Religion

Archive for the ‘Religion’ Category

Der Papst und das Kondom

Monday, April 24th, 2006

Nach Aussagen des Vatikans, so zumindest Kardinal Javie Lozano Baragán, arbeitet der Vatikan an einem Dokument, wonach der Gebrauch von Kondomen für AIDS-Kranke und HIV-Infizierte nach den Lehren der Kirche erlaubt werden soll. Zur Erinnerung: bislang war dieser Gebrauch strikt verboten, auch in der Ehe. Aha. Nun darf man sich nicht täuschen wie gross dieser Schritt für die katholische Kirche ist. Zweck des geschlechtlichen Zusammenseins von Mann und Frau ist die Zeugung, der Gebrauch empfängnisverhütender Mittel Sünde. Für Ehepartner ist das natürlich ein Vabanquespiel. Die Kirche will ja den Geschlechtsverkehr, es ist sogar Plicht, tut man es aber, läuft man Gefahr, seinen gesunden Ehepartner mit einer Krankheit anzustecken, die überwiegend tödlich endet. Ein schier unlösbarer Konflikt. Würde sich die Kirche hier endlich bewegen, wäre dies für Katholiken ein wichtiger und grosser Schritt. Trotz aller Freizügigkeit und Religions-Laisser-faire darf man sich nicht täuschen: es gibt genug Katholiken, für die dieses Ge- oder Verbot, je wie man es sieht, einen echten und tiefen Gewissenskonflikt auslöst und die dringend auf ein Zeichen aus dem Vatikan warten. Bei Andersgläubigen stößt man bei dieser Problematik ohnehin nur auf verständnisloses Kopfschütteln.

Noch mal: Mohammed-Karikaturen

Sunday, February 5th, 2006

Irgendwie beschleicht mich zwar das Gefühl, dass zu dem Thema schon alles gesagt und geschrieben wurde. Aber eben noch nicht von allen. Von mir zum Beispiel nicht. Aber ich fasse mich kurz.

1. Ja es stimmt. Nicht alles, was man unter der Meinungs- und Pressefreiheit sagen kann, muss auch gesagt werden. Religiöse Gefühle sind eine heikle Sache und vermutlich verletzten die besagten Karikaturen (ich habe sie nicht gesehen) in der Tat die Gefühle vieler Menschen. Das muss nicht sein, ist auch nicht besonders geschmackvoll.

2. Es ist aber zulässig. Auch wenn man die Meinung irgendeiner dänischen Zeitung (Dänemark, ist das nicht das kleine Land da hinter Schleswig-Holstein?) nicht teilt oder sie (Zeitung und / oder Meinung) sogar für völlig bekloppt hält: erst mal dürfen die sagen, schreiben und zeichnen was sie denken. Das ist auch gut so.

3. Umgekehrt hat jeder und überall das Recht, seinerseits die Meinung zu vertreten, dass die Karikaturen gotteslästerlich und geschmacklos sind. Auch das ist freie Meinungsäußerung.

4. Aus der wechselseitigen Inanspruchnahme dieser Grundfreiheit der Meinungsfreiheit Aufrufe zum Boykott oder, schlimmer, zum Mord an Menschen abzuleiten, Botschaften zu stürmen und Sachen kurz und klein zu schlagen, liegt völlig neben der Sache und bestätigt nur die Vorurteile derer, die auch die Karikaturen (siehe Punkt 1) vermutlich schon gut gefunden haben. Es ist eine unangemessene und erschreckend kontraproduktive Reaktion.

Das Wunder des Glaubens

Wednesday, May 18th, 2005

Am Samstag konnte man in der Landsberger Allgemeinen eine interessante Notiz lesen: 50% der Deutschen wissen nicht genau, warum das Pfingstfest gefeiert wird. Viele glauben, dass es der Tag der Wiederauferstehung Jesu ist, einige haben schlicht gar keine Vorstellung: dabei ist es ja der Anlass des Pfingstfestes, dessen Auswirkungen wir auch heute noch spüren.

Ich hätte die Antwort gewusst. Genau genommen hätte ich sogar noch einige Geschichten dazu erzählen, die Sache ausschmücken können (die kleinen Flammenzungen zum Beispiel). Sonja bemerkte darauf, dass es sie wundere, dass ich für einen Atheisten immer halbwegs gut informiert wäre.

Das ist eine interessante Bemerkung. Ich fragte mich selbst warum das so ist.

Meine erste Antwort, ganz spontan, wäre wohl gewesen: Unglauben ist nicht gleich Ignoranz. Unsere Gesellschaft ist geprägt von tausenden Jahren Religion, die tägliche Sprache gefüllt mit Bibelzitaten, unser Wertesystem beruht auf uralten Vorstellungen, Wissenschaft und Philosophie fanden ihre derzeitige Form in der Auseinandersetzung mit der Religion.

Und ja, das ist ein Teil meiner Neugier auf Glauben und Religion. Aber es ist nicht der tiefer liegende Grund.

In Wirklichkeit muss ich mir eingestehen, rührt meine Faszination für Religion und Glaubenssysteme aus Unverständnis her.

Bei allem Respekt (und das ist keine Floskel) für echten Glauben, für tiefe religiöse Ãœberzeugung, für Spiritualität, ist für mich persönlich so absolut klar, dass es entweder (a) kein höheres Wesen gibt oder (b) es so hoch und für uns unverständlich ist, dass das Konzept von “Glauben” angewandt auf dieses Wesen jeglichen Sinns absolut entbehrt. Diese “Ãœberzeugung” (in Anführungsstrichen, weil es eher die Abwesenheit einer Ãœberzeugung oder eines Glaubens im religiösen Sinn ist, eher Nichts als Sein) bringt es mit sich, dass ich keine Ahnung habe, was Menschen zum Glauben bringt. Der mentale Zustand des “Glaubens” ist mir so fremd, dass ich immer noch rätsle, was es damit auf sich hat. Das macht mich einfach neugierig, das empfinde ich als großes, faszinierendes Geheimnis.
(more…)

Der Strand und der Tod

Sunday, March 20th, 2005

Wenn jemand das Meer sehr geliebt hat, dann stellt man ihm keinen Grabstein auf, sondern eine Bank mit Blick auf die See…

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Die Gottmaschine

Sunday, March 6th, 2005
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Science vs. Belief?

Friday, January 21st, 2005

Occasionally I am party to discussions where somebody points out that modern science, especially physics, contradicts faith and belief. That, of course, is far away from the truth. In the opposite: the more modern science becomes, the better the system of “knowledge” and of “belief” fit together.

The world view of the 19th century with its deterministic and reductionist approach left little to no room for God. Of course, one could think of Him as somebody who created the world. However, once set in motion the 19th century world needed no further supervision or intervention by God. Because time and space were absolute and forever it was even hard to imagine where God could “hide”.

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20th and early 21st century science, however, are different. With their relativistic and holistic approach fueled by the theories of relativity and quantum mechanics they leave far more room for metaphysical and theological speculation. They are even able to explain what God, if He exists, would look like and “where” He would be; they even tell us that we have no way of understanding God or interacting directly with him on his level of existence (the latter being a basic assumption about the nature of God in most religions):


(…) He is omnipresent and omnitemporal – this is the abstract, four-dimensional space-time description of all points of view. But no human can ever see this. We are always in space-time.
(Ian Marshall and Danah Zohar in “Who’s afraid of Schrödinger’s Cat?”, chapter “Special Relativity”)

However, modern science does not tell us whether or not there actually is (a) God; it probably never will. But this is exactly where the fundamental distinction between knowledge and belief comes into play: both systems tell us, that we will never know, but have to believe.

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What faithful people will of course find repellent is the picture of God that we see here. He is nobody who acts as a moral leader of his people, in a deeper sense He actually has no people. He is a very distant, very abstract, very far away person (if a person at all). He does not deal with “worldly affairs” as we know them. He is nobody who created “man after His image”.

And that, of course, it what people dislike: not the picture of God that modern science gives us, but the picture of man. We are nothing special, nothing God-like. We are just a very complex, very interesting form of existence. But we are not “choosen”.

Polizei ohne Grenzen

Monday, January 17th, 2005

Heute wird ja viel darüber diskutiert, dass die nationalen Grenzen die Bekämpfung des internationalen Verbrechens erschweren, dass die Nationalstaaten eifersüchtig ihre Kompetenzen hüten und internationale oder supranationale Organisationen in der Verbrechensbekämpfung nicht besonders effektiv sind.

Dabei gib es in der Geschichte recht interessante, gelungen Vorbilder. Das 13. Jahrhundert war ein schwieriges für die katholische Kirche. Eine große Anzahl von Strömungen, Bewegungen und Moden versuchte, tatsächliche oder vermeintliche Missstände zu beseitigen. Manche der Bewegungen entwickelten die katholische Theologie weiter oder bereicherten das Kirchenleben um spannende Facetten, andere standen außerhalb. Diese Abweichler und Häretiker eine Gefahr für die Einheit der herrschenden katholischen Kirche dar.

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Bereits Papst Innozenz III. versuchte es mit einer gemischten Strategie aus „teile und herrsche“ sowie „Zuckerbrot und Peitsche“. An sich sehr vernünftig und auf der Teile- und Zuckerbrotseite auch recht erfolgreich, da er ein geschickter Diplomat und Vermittler war, wenig dogmatisch, wenn es darauf ankam; aber auch theologisch auf der Höhe, gut beraten und Disputen zugetan.

Schlecht dagegen sah es mit der Peitsche aus. Die Bischöfe waren wenig effektiv, das Schwert der durch dies durchzuführenden „Ketzerbefragung“ war stumpf. Wiewohl etwa die Waldenser durch interne Zwiste und Streitigkeiten geschwächt waren gelang es nicht, ihnen Herr zu werden. Die weltliche Macht war auch nicht immer zur Kooperation bereit. Je nach Interessenlage meinte man, sich der Häresien als Gegengewicht zur (zu) mächtigen Kirche bedienen zu müssen. Auch Innozenz’ Nachfolger, Honorius III., bekam die Probleme nicht in den Griff.

Aber Gregor IX. wusste eine Lösung. Er griff auf eine Truppe von Spezialbeauftragen mit Sondervollmachten zurück, die Inquisition. Die üblicherweise aus den besonders zuverlässigen Orden der Dominikaner und Franziskaner rekrutierten Inquisitoren waren eine gut organisierte und ausgerüstete Mannschaft. Sie bedienten sich absoluter Neuerungen bei der Ermittlung wie etwa geschriebenen Protokollen von Zeugenaussagen, die anderen Zeugen oder auch Beschuldigen vorgehalten werden konnten. Beschuldigten, die rückhaltlos aussagten und Tipps gaben, wurde Straffreiheit gewährt; eine art Kronzeugenregelung. Erfahrungen wurden gesammelt und in Buchform weitergegeben.

Vor allem aber war die Inquisition international aufgestellt. Ländergrenzen interessierten nicht. Egal, wo die Herren auftauchten, hatten sie praktisch unbegrenzten Zugang zur weltlichen Macht, die dafür sorgte, dass Beschuldigte zur Befragung auch auftauchten und gegebenenfalls die Strafe vollstreckt wurde.

Der Erfolg war überwältigend.

Leider litt diese anfänglich hochgradig effiziente Organisation unter einem Mangel an Kontrolle, an damit einhergehenden Wahnvorstellungen und an Machtbesessenheit. Außerdem war sie schlicht zu erfolgreich: die Zurückdrängung des Ketzertums überdeckte eine ganze zeitlang die Notwendigkeit von Reformen. Aber funktioniert hat das Ganze. Immerhin.

Why call him God?

Wednesday, January 12th, 2005

Gerade studiere ich in der spärlichen Freizeit statt des Spätprogramms deutscher Fernsehsender die großartige BBC-Dokumentation “a brief hystory of disbelief” von Jonathan Miller. Unter anderem stieß ich hier wieder auf den grandiosen Gedankengang des Epikur, in dem er sich mit der Frage nach der Existenz und Natur Gottes beschäftigt.


If God is willing to end suffering but not able, he is not omnipotent.
If he is able to end suffering but not willing, he is malevolent.
If he is both willing and able to end suffering, Whence cometh evil?
If he is neither willing nor able to end suffering, Why call him God?

Mir drängt sich beim genußvollen Betrachten solcher durchdachten, erleuchtenden und gleichzeitig unterhaltsamen Dokumentationen, die eben auch vor Epikur nicht zurückschrecken, immer wieder die Frage auf, warum unser großartiges deutsches öffentlich-rechtliches Fernsehen etwas Vergleichbares nicht auf die Beine stellen kann.


If German public TV is willing to produce great edutainment but not able: get rid of it.
If German public TV is able to produce great edutainment but not willing: get rid of it.
As a matter of fact German public TV is NOT willing AND able to produce great edutainment, so getting rid of it looks inevitable.
At last, if German public TV is neither willing not able, well, get rid of it.

Freier Wille

Wednesday, December 22nd, 2004

Und wenn ich gerade beim Surfen bin… In diesem hochinteressanten Artikel auf Spiegel.de machen sich der Neurobiologe Gerhard Roth und der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff Gedanken über den freien Willen des Menschen. Dabei scheint der Naturwissenschaftler die klar besseren Argumente (gegen den freien Willen) zu haben. Aber dann sagt der Theologe etwas, das ich ganz unglaublich spannend finde und das meine ganz private Ansicht zum freien Willen ausgesprochen gut wiedergibt:


Der Fehler beginnt doch damit, dass Sie ständig nur vom Gefühl der Freiheit sprechen. Sie müssten einmal fragen, wie die Wirklichkeit der Freiheit entsteht. Nämlich durch Selbsterziehung und die Erziehung von Eltern oder der Schule. Freiheit ist ein sittlicher Auftrag und keine empirische Eigenschaft. Sie steht jenseits naturwissenschaftlicher Methoden.

Lassen wir einfach mal das ganze Wortgeklingel weg. Der Mann sagt in der Sache, dass es schon sein kann, dass ich mich – in einer konkreten Situation – ganz getreu meiner Programmierung (meiner Gene, meiner Erziehung, meinen Erfahrungen nach) ziemlich deterministisch verhalte.

Aber: ich habe es in der Hand, mir auszusuchen, wie ich mich programmiere. Ich kann mich praktisch an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Beispiel: wenn ich ein gutes Buch über Verhandlungsleitung gelesen habe, werde ich möglicherweise eine Vertragsverhandlung deutlich besser führen können als ohne. In der Situation greife ich zwar auf vergangene Erfahrungen zurück. Aber ich hatte mich irgendwann eben mal entschieden, mich via Buch selbst zu programmieren.

Der Haken ist, dass ich jedenfalls diese Entscheidung habe frei treffen müssen. Aber ehrlich gesagt, und auch wenn das kein wirklich greifbares Argument ist: ich will nicht glauben, dass ich in einer Welt lebe, die mich dermaßen zur Reiz-Reaktions-Maschine macht, dass ich nicht einmal die Entscheidung über meine Lektüre frei treffen kann…

Übrigens: das passt in der Sache ganz hochinteressant zu dem einen Beitrag weiter unten besprochenen Artikel, in dem es darum geht, ganze Bevölkerungsschichten umzuprogrammieren.

Ketzermarketing

Thursday, December 2nd, 2004

Bei der außerordentlich aufschlussreichen, wenn auch nicht einfachen Lektüre des Werkes „Ketzerei im Mittelalter“, Malcom Lambert, Callwey 1981 (sollte man unbedingt gelesen haben) bin ich auf einige interessante Parallelen der damaligen Häresien zu Erscheinungen der heutigen Welt, insbesondere im Bereich Pornographie gestoßen.

Im 12. Jahrhundert herrschte allgemein ein großes Bedürfnis nach Neuorientierung, Reform und sogar Umkehr in Fragen des Glaubens und der Religion. Die Kirche galt als verkommen und verstrickt in weltliche Dinge, in den Städten gewann das Bürgertum an Einfluss und Selbstbewusstsein. Die vergangene, rohe, an groben Materialismus orientierte Zeit wurde bewältigt, in dem sich Viele Werten wie Einfachheit, Armut und Askese zuwandten.

Das war das Substrat, auf dem vielfältige Formen des Ketzertums gediehen. Nun kam natürlich auch eine ordentliche Ketzerei nicht ganz ohne Werbung aus. Vor allem setzte man damals auf virales Marketing und einen Face2Face-Approach, bediente sich aber auch einiger sattsam bekannter Techniken.

Eine Ketzergruppe aus Köln etwa, zwar ohne echten (überlieferten) Namen, aber vermutlich eine Art Vorläufer der Katharer, hatte mehrere Zirkel oder Kreise; die genaue Struktur wechselte. Der äußere Kreis (eine Art einfache Mitglieder) wurde mit den üblichen ketzerischen Argumenten geworben: Back to the roots (also zum Neuen Testament), Abschaffung von (auch gemeinschaftlichen) Besitz der Geistlichen, Ablehnung der Sakramente (inklusive der Ehe, damit auch des Beischlafs und sämtlicher Zeugungsprodukte; also auch von Vanillejoghurt) etc. Also für damalige Verhältnisse relativ vernünftige oder jedenfalls nachvollziehbare Forderungen, im Großen und Ganzen eine Art „Katholizismus 2.0 meets Bogomilismus“ unter Ausschluss der Molkereiindustrie und der CMA.

Der innere Kreis dagegen hatte eine ganz eigene Religion mit wirren Glaubenssätzen, die offenbar unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen zustande gekommen waren. Das schloss insbesondere Seelenwanderung und den Glauben an die Erschaffung der Welt durch einen bösen Gott ein.

Es wird spekuliert, dass die Gruppe „rationalistische Propaganda nur deswegen betrieb, um Anhänger zu gewinnen“. Anders gesagt: Man hat den Leuten etwas anderes verkauft, als sie bekamen. Man sagte ihnen, dass man eine ganz dufte neue Lehre habe, die echte Probleme löst, in Wirklichkeit hatte man aber nur Hirnmüll im Bauchladen, der einfach an den Mann und an die Frau gebracht werden sollte.

Woran erinnert uns das, na? Klar, an Suchmaschinen-Spamming. Nichts anderes tun die Leute, die in ihre Webseiten (über Katzen) fiese Keywords einfügen, oder wirre Entry-Seiten zu ihren Urlaubsseiten basteln, so dass man bei der (sehr beliebteb) Suche nach „dauergeile Schlampe Darmstadt“ die Darstellung des Grönlandurlaubs der Familie Mayer bekommt. Oder schlimmer umgedreht: man sucht nach etwas halbwegs sinnvollem, etwa „Baustrahler 500W Baumarkt online“ und landet auf einer Seite eines Herstellers von Analspielzeug („Glubbyglitsch macht glücklich“).

Es gibt einfach nichts Neues unter der Sonne.