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Die Primäre Tugend » Kultur

Archive for the ‘Kultur’ Category

Stanislaw Lem ist tot

Tuesday, March 28th, 2006

Vielleicht haben Sie es hier oder da ja schon gelesen: Stanislaw Lem ist gestern im Alter von 84 Jahren in Krakau gestorben. Das ist ein fast unersetzlicher Verlust, auch wenn vermeintlich jeder ersetzbar ist. Es gibt keinen Zweiten wie Lem.

Bekannt ist Lem ja vor allem als Science-Fiction Schriftsteller. Völlig berechtigt und doch zu unrecht. Denn mit dem, was sonst unter „SF“ verkauft wird, haben die Werke Lems nichts zu tun. Es sind weniger fiktionale und mehr oder weniger g’spinnerte Bücher, als vielmehr sehr tiefgründige, hoffnungsvoll pessimistische (oder hoffnungslos optimistische?), wissenschaftlich und philosophisch abgesicherte, meist brüllend komische Blicke in eine mögliche Zukunft. Dabei gelang es Lem immer wieder, nicht nur technische Entwicklungen, sondern auch deren gesellschaftliche Auswirkungen mit gerade beängstigender Genauigkeit vorwegzunehmen. Wer den „Lokaltermin“ gelesen hat und gleichzeitig heute über das Evernet und Informationsverschmutzung nachdenkt, der weiß, was ich meine.

Vermutlich verdankte Lem seine besonderen Fähigkeiten, seinen Zugang zum Künftigen, der Fähigkeit der sehr dezidierten Analyse des Seienden. Er war eben nicht nur in den Wolken schwebender Autor und Philosoph, sondern auch Arzt und Naturwissenschafter. Er war nicht nur einer, der im Elfenbeinturm vor sich hin schrieb, sondern einer, der das Leben kannte. Als Pole jüdischer Herkunft musste er in der Zeit der deutschen Besetzung um sein Leben fürchten und sich mit Witz und Glück durchschlagen. Später, im kommunistischen Polen, focht er endlose Kämpfe mit Zensur und Partei. Der Mann hatte Hindernisse zu überwinden, und genau das war es, was er tat.

Man, Lem, ruhe in Frieden. Du hinterlässt eine Lücke, und das ist nicht nur ein Spruch.

Längere Öffnungszeiten in England…

Thursday, November 24th, 2005

Hierzu ein Zitat aus der heutigen Ausgabe der FTD von Tony Booth, Schwiegervater von Tony Blair:

Längere Öffnungszeiten werden uns nicht plötzlich in eine Nation mediterraner Weltmänner verwandeln, die gern ein, zwei Stunden in einem Straßencafé ein Gläschen Rotwein trinken. In diesem Land trinken wir auf eine primitivere, beängstigende, angelsächsische Weise. Wir trinken, um besoffen zu werden

Entwaffnend ehrlich der Mann.

Muss ich einfach mal bloggen…

Tuesday, September 27th, 2005

krieg

armeen
kompanien
Männer
kinder
zerteilt getrennt
T verloren verlogen
oder
aus erkoren Schreie wie
blitze -
durchtrenntes antlitz
reptile perlenketten
taktiken-verbrannter er
de - nur die blutgetraenkte
wange
SeligdieFriedenstifter!
- Söhne Gottes -

(Verfasser unbekannt)

Hermann Hesse / Damian

Monday, April 25th, 2005

Am Wochenende hatte ich das – geteilte! – Vergnügen, mein erstes Werk von Hermann Hesse lesen zu dürfen: Damian. Erstmals erschienen 1919 soll es laut dem Covertext seinerzeit eine fast Werthersche Hysterie unter den Lesern ausgelöst haben, praktisch der Roman der ganzen Generation nach dem Ersten Weltkrieg gewesen sein. Das allerdings glaube ich gern, die Zeiten waren nicht gut.

Vordergründig scheint es um die Jugend des Protagonisten Sinclair und dessen Freundschaft zu Damian, einen etwas älteren Jungen zu gehen. Sinclair durchgeht neben einer offenbar klassisch-humanistischen Bildung, die in Philosophiestudium und Kriegsdienst endet, einen Prozess der Selbstfindung, der versetzt ist mit jeder Menge klebrig-überhöhtem Mystizismus. Dabei stellt sich aber heraus – und das ist die eigentlichen Geschichte –, dass der Protagonist offenbar insofern einer Form von milder Schizophrenie unterliegt, als viele der weiteren im Buch vorkommenden Figuren Teil seiner eigenen Persönlichkeit werden oder schon immer waren (und dann auf ihre Entdeckung hofften). Jedenfalls ist Demian, die Titelfigur, ein perfektes Wesen mit umfassendem Wissen und Wollen, ein „Führer“, dessen Welt Sinclair nach und nach entdeckt und dem er immer ähnlicher wird, bis er ihn komplett in sich aufnimmt, internalisiert.

Anders gesagt: Sinclair entdeckt sich selbst, entdeckt auch die Facetten seiner Persönlichkeit, die im Sinne der vorgegebenen Morallehren, gesellschaftlichen Strukturen nicht „erwünscht“ sind, wird wahrhaft frei von Konventionen, Überlieferungen, Zwängen und Ideologien.

Auf der psychologischen Ebene funktioniert das alles sehr gut und zweifellos ist es ein Teil der „Menschwerdung“ im Sinne der Persönlichkeitsentwicklung. Gefährlich ist das, was der Protagonist da in sich entdeckt und wie Hesse ihn diese Entdeckungen wahrnehmen lässt. Nämlich als Erwachen des wahren, des freien Geistes, der sich zu lösen vermag von den anderen Menschen (die im Sinne des Werkes keine „Menschen“ weil nicht frei sind, sondern nur auf der Stufe von Tieren stehen) und von den Institutionen und Glaubenssystemen der Welt. Der das Dasein als Sklave ablegt.

Wen das an Nietzsche und seinen Übermenschen erinnert, der hat natürlich Recht, und so werden an Sekundärliteratur in „Damian“ auch nur die Bibel und Nietzsches Bücher erwähnt. Die Bibel dabei – jedenfalls im Sinne der klassischen Interpretation – kritisch, anders als Nietzsche.

Zum Werk passt ein in den letzten Wochen in Mode gekommener Begriff sehr gut: Relativismus. Besser vielleicht noch – wenn auch weniger in Mode und weniger klar – Gnostizismus. Die Botschaft ist letztlich, dass jeder sein eigener Gott ist. Dass jeder das (im herkömmlichen Sinn verstanden) „Gute“ und „Böse“ in sich vereinigt, und dass genau dies wünschenswert und richtig ist: Man darf (wieder im herkömmlichen Sinn verstanden) Gutes und Böses tun, solange man es auch sich selbst heraus tut und sich selbst treu ist. Und wer das verstanden hat, der ist „über“ der Masse aus Menschen, die menschliche Dinge tun, der ist „stark“, trägt im Hess’schen Sinn das Kainsmal. Und wer sich selbst in dieser Weise gefunden hat, wer damit zum „Führer“ taugt, der darf diese gnostische Weltsicht auch weitergeben, darf auch die anderen „befreien“, so wie Demian Sinclair „befreite“. Gut und Böse existieren dann nicht mehr, nur noch der Wille des Starken und Freien.

Leider ist das Werk sehr gut geschrieben, und so geht von ihm jene Faszination aus, die Büchern, die man bis zum Ende lesen muss nun einmal zu Eigen ist. Das ist durchaus zu bedauern, denn wenn über Hesse hier und da gesagt wurde, dass er ein geistiger Wegbereiter des Faschismus oder jedenfalls Totalitarismus war (und das wiewohl er sich vom Nationalsozialismus distanzierte und im Nazi-Deutschland seine Bücher nicht erhältlich waren), dann deshalb, weil das jedenfalls für „Demian“ die Wahrheit ist.

Zur Natur der Kunst

Monday, April 11th, 2005

Hin und wieder genügen die bizarrsten Anlässe, um sich über das Wesen der Kunst Gedanken zu machen. Etwa Hundekot auf dem Gehsteig. Kann der Kunst sein? Natürlich nicht. Denn Kunst, das heißt jedenfalls – das darf man wohl bei allem Streit über die „richtige“ Definition voraussetzen – Transport von Emotion, Information, Meinung; Bedeutung vielleicht im weiteren Sinn. Bedeutung aber kann per se nicht dem zukommen, das ohne weiteres in der Natur vorkommt oder das von einem Wesen ohne Einsicht oder Bewusstsein geschaffen wurde. Damit will ich nicht sagen, dass die Bedeutung, die der Schaffende einem Werk beilegt, für den Empfänger von größerem Interesse sein sollte, als jede andere Bedeutung, die ein beliebiger Betrachter darin erkennen kann. Dennoch aber scheint mir, dass man in Betrachtung oder beim Genuss unbearbeiteter natürlicher Dinge vielleicht über die Größe und Allmacht des Schöpfers reflektieren kann, kaum aber über die (falsch gestellte für unsere Zwecke aber dennoch hilfreiche) Frage, was uns der Künstler damit eigentlich sagen will.

Hundekot also, wenn nicht gerade vom „Herrchen“ bewusst gesteuert an einer bestimmten Stelle des Gehsteigs abgelegt und zwar aus Gründen, die sich derzeit unserer Einsicht entziehen, ist jedenfalls keine Kunst.

Deutlich interessanter wird der Fall, wenn jemand gerade Hundekot als Substrat zum Transport von Bedeutung verwendet. Etwa indem er – wie auf der Illustration ersichtlich – selbigen benutzt, um kleine Fähnchen steckenderweise gut sichtbar für die Passanten zu befestigen.

kacke1_400.jpg

Man möchte das zunächst für eine reine Demonstration, also eine eher (lokal)politische Willensäußerung halten: „Gehweg ist kein Hundeklo!“ Oder, in der weniger schroffen Fassung: „Räumt den Mist Eurer Viecher wenigstens weg, liebe Hundehalter!“ Diese Aussage wäre ebenso eindeutig wie aus Sicht der Kunst irrelevant. Oder besser: gerade wegen ihrer Eindeutigkeit für die Kunst uninteressant. Denn wenn (und auch hier bewegt man sich wohl auf gesichertem Terrain) eine – und nur eine! – klar erkennbare Bedeutung einem Werk innewohnt, es nicht weiteren Interpretationen auf verschiedenen Ebenen zugänglich ist, dann ist es keine Kunst.

Also ist unser Hundekot nur Meinungsäußerung? Vielleicht schaut ja der Fähnchenstecker auch voll stiller Freude den Passanten zu, wie sie stehen bleiben, wenn sie das Arrangement entdecken. Oder das alles ist ein großes soziologisches Experiment, um die Reaktion der Leute zu erforschen. Das sind immerhin doch mehrere Funktionen, denen der verschönerte Kot hier dient. Und dennoch reicht dies nicht, um ihn in den Rang der Kunst zu erheben. Denn mehrere Funktionen haben, das heißt nicht, auch mehrere Bedeutungen für den Betrachter (!) zu transportieren. Mag auch der Zweck der Exkremente ambivalent sein, so ist es ihre Wahrnehmung jedenfalls kaum. Kunst ist das alles nicht.

kacke_unsch_400.jpg

Wenn man aber weiter schaut, dann stellt man vielleicht zwei weitere Dinge fest, die dieses erste Urteil wieder in Frage stellen. Zum einen gibt es nicht nur einen verschönerten Haufen, sondern derer viele. Des Weiteren sind die Exkremente nicht einfach mit beliebigen Fähnchen garniert, wie man sie etwa in einem der beliebten Käsespießchensets finden würde, welche die Flaggen einer ganzen Reihe von Nationen beinhalten. Vielmehr verwendet der Werkschaffende allein die Nationalflagge der Vereinigten Staaten von Amerika. Hat also das Werk auch eine politische Botschaft? Sollen hier die Hundehaufen für besetzte Nationen stehen? Oder symbolisieren sie vielmehr die Werte des Amerikanischen Traumes, sollen uns verdeutlichen, dass dieser, wenn auch nicht auf Sand gebaut, dann doch aus Materialismus und Hedonismus in einem Ausmaß besteht, das bestenfalls mit, nun, Scheiße vergleichbar ist? Sollen vielleicht die Fliegen, die bald beginnen werden, die Haufen zu umschwirren, Vasallen symbolisieren, die das Zentrum der Macht umschwärmen? Hat die Anzahl der Werke etwas mit der Aussage zu tun? War bereits das Anbringen der Fähnchen ein Happening, oder ist es erst der Verlauf, Verfall des Werkes der die Botschaft trägt; existiert dieses gleichsam vierdimensional und die Zeit ist womöglich sein wichtigster Aspekt? Oder – gewagte These! – wartet der Künstler darauf, dass die Stadtreinigung die Haufen entsorgt und diese verschwinden, so wie auch die Nationen oder die Nationalstaatlichkeit als solche auf dem Müllhaufen der Geschichte verwinden wird (oder auch nicht)?

Was auch immer der Schaffende gemeint haben mag: all das und viel mehr steckt an Bedeutung in diesen Haufen. Und in diesem Sinne kann – praktisch ohne Aufwand – auch aus Hundekot ganz schnell Kunst werden.

Alles Neu

Tuesday, March 8th, 2005

Gottseidank ist der neue MX-5 so unglaublich häßlich und wir behalten den alten. Sonst hätten wir uns ja Gedanken machen müssen, wo das Geld für den Neuen herkommen soll…

Fasching…

Monday, February 7th, 2005

Gehört ein Eintrag zum Thema Fasching unter die Rubrik “Gesellschaft” oder “Kultur”? Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht, da ich im grunde ein Faschingsmuffel bin. Im Rheinland gehört die fünfte Jahreszeit wohl eher zur Kultur. In Bayern? Das bedarf wohl noch längerer Diskussionen, ist aber auch egal. Was will ich eigentlich mitteilen? Richtig. Morgen ist der Tanz der Marktfrauen, beginnend um 11.00 Uhr auf dem Viktualienmarkt. Wer das ohnehin schon weiss, braucht nicht weiterzulesen, da jegliche Ãœberredungskünste, dort aufzulaufen, überflüssig wären. Denn dieser Wissende weiss ja, was er hat. Der Faschingsdienstag weckt sogar in mir die Jeckenstimmung und lohnt, einen Tag Urlaub zu nehmen. Denn Faschingsdienstag am Viktualienmarkt ist großartig. Super Stimmung, nette Leute, teils sagenhafte Kostüme und Masken. Exorbitant ansteckend - ein prima Tag garantiert. Morgen werde ich gepflegt den Tag mit Bayerns Lieblingsgericht beginnen und mich dann ins Getümmel stürzen. Absolut jedem zu empfehlen ist das Weisse Bräuhaus, so ab 09.00 Uhr. Nein, das ist nicht zu früh, da tobt bereits der Bär…

Blogs als Supertrend? Eher nicht.

Thursday, December 30th, 2004

Der Hirschgarden und auch der PR-Blogger beschäftigen sich mit der Vorhersage, dass Bloggen zu einem der wichtigsten Technologie-Trends des Jahres 2005 werden könnte. Und das mag auch so sein. Irgendwo. Vermutlich in den USA.

Allein: für Deutschland zweifle ich. Jedenfalls, dass es 2005 sein wird. Die Blog-Basis, das Momentum und letztlich auch die Qualität der Blogs sind zu gering dafür. Wenn man sich einmal die dankenswerten Statistiken von Blogstats ansieht, stellt man fest, dass es zwar mehr Blogs gibt als noch von einem halben Jahr, aber kaum mehr Beiträge, es wird weniger geschrieben. Und was da geschrieben wird…

Auf der Seite von Blogg.de gibt es ja auch eine List der letzten Feed-Reads. Jeder, der mag, soll da eine Stichprobe ziehen. Und wenn er weniger als 95% von Katzenteenis, gerade-Nagelack-Auftrag-Blogs und „Ich habe gerade Blähungen von Pepperoni-Pizza“-Seiten findet, dann well done to him.

Nichts gegen solche Seiten, die Introspektive mag wichtig sein und auch Kommunikation mit Freunden und Bekannten ist eine gute Anwendung von Blogs. Aber insgesamt geht der Nutzwert von Blogs hierzulande doch sehr im Rauschen unter, vielleicht auch, weil so richtig echte Killer-Blogs noch nicht etabliert sind.

Nun, ich würde gern Ende 2005 feststellen, dass ich mich irrte. Allein: ich bezweifle, das tun zu müssen.

Die arme Sprache Englisch

Monday, December 13th, 2004

Auf Weihnachtsfeiern heutzutage werden im teilweise angetrunkenen Zustand die immer selben Diskussionen immer wieder aufgeworfen, etwa die, dass die deutsche Sprache von der englischen gleichsam gekarpert wird. Dabei ist doch allein die deutsche Sprache reich genug an Worten und Facetten um wirklich genau und auf den Punkt auch komplizierte Sachverhalte und Standpunkte in allen Facetten auszuleuchten. Das Englische dagegen sei, so die allgemeine Meinung auf der Feier, arm und einfach, geradezu langweilig. Wirklich nichts für Dichter und Denker.

Wie immer bei solchen Gelegenheiten genügt es, mit Shakespeare zu antworten, der Einfachheit halber mit dem Prolog von Romeo and Juliet.


Two households, both alike in dignity,
In fair Verona, where we lay our scene,
From ancient grudge break to new mutiny,
Where civil blood makes civil hands unclean.
From forth the fatal loins of these two foes
A pair of star-cross’d lovers take their life;
Whole misadventured piteous overthrows
Do with their death bury their parents’ strife.
The fearful passage of their death-mark’d love,
And the continuance of their parents’ rage,
Which, but their children’s end, nought could remove,
Is now the two hours’ traffic of our stage;
The which if you with patient ears attend,
What here shall miss, our toil shall strive to mend.

Ich hatte mich nie wirklich mit Shakespeare beschäftigt und „Romeo and Juliet“ begegnete mir das erste mal in der Verfilmung mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes. Da diese in weiten Teilen den Originaltext rezitiert, verstand ich beim ersten Hören und Sehen natürlich so gut wie nichts, vor allem den Prolog nicht – ich hatte mich an dieses alte Englisch noch nicht gewöhnt. Aber dennoch war ich sofort überwältigt von der schieren Schönheit der Worte.

Und immer noch bin ich ernsthaft berührt, wenn ich allein dieses Prolog lese, die Gewalt dieser Sprache, die unglaublich Perfektion in den kleinsten Details dieses kurzen Textes, in dem doch eine ganze Welt steckt, jagen mir Schauer über den Rücken. Ich denke, jeder halbwegs für das Schöne empfängliche Mensch sollte spüren, dass er da etwa ganz und gar Bemerkenswertes vor sich hat. Ein wirklich großes Drama. Etwas, in dem – je nach Weltsicht – ein göttlicher Funke oder eine großartige, seltene Inspiration steckt.

Aber zum Thema Englisch: nebenbei macht das Ganze auch noch Sinn. Die Worte sind nicht nur einfach wohlgesetzt und schön aber zweifelsfrei nur Form nicht Inhalt wie die Dadaistischen Gedichte. Vielmehr wird dem Zuschauer ein kurzer Abriss und eine Bewertung dessen gegeben, was er da gleich zu sehen bekommen wird.

Wer im Angesicht solcher Literatur behauptet, dass Englische sei eine arme Sprache, der ist im besten Falle ignorant.

Kulturevolution und Handymeme

Friday, December 10th, 2004

Sehr spannend heute die FT, die sich in der Wochenendbeilage dem Thema Mobiltelefon widmet und die These aufstellt, dass nicht wir die Telefone, sondern diese uns benutzen, sie uns aber tendenziell freundlich gesinnt sind und die Beziehung letztlich symbiotischen Charakter hat. Jedenfalls ist sie sehr erfolgreich, denn

“vor 25 Jahren gab es nicht einen Menschen in der Welt, der mobil telefonieren konnte. Heute gibt es 1,6 Milliarden davon, mehr als Katholiken (…). In Schweden war im Sommer die Zahl der lebenden Einwohner erstmals kleiner als die der aktiven Handys (…).”

Telefone sind, das ist der interessante Gedanke im Artikel, Maschinen zur Verbreitung von Memen. Letztlich also eine Art Evolution 2.0, eine kulturelle, nicht sexuelle Variante. Und: Mobiltelefone, oder besser die Idee, eines haben zu müssen, sind selbst ein Mem, das ganze quasi ein Metamem. Aufpassen muss man – so das Fazit – dass das Telefon den Nutzer nicht ruiniert. Denn so wie dem Gen egal ist, was aus dem Träger wird, wenn es sich erst einmal selbst reproduziert hat, haben auch Meme kein Gewissen, sondern nur Ãœberlebensdrang: wer also einen Unfall beim Telefonieren im Auto baut, der wird sich nicht darauf berufen dürfen, er sei nur symbiotisch benutzt worden und damit selbst nur Werkzeug, nicht Täter einer Ordnungswidrigkeit…