Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

Globalisierung ist eine tolle Sache

Friday, August 20th, 2004

Ich poste ja ungern nur Verweise auf Dinge, die andere Leute sagen, ohne nicht wenigstens ein wenig zu kommentieren. Für dieses Werk ist das ausnahmsweise unnötig. Der Herr Jagdish Bhagwati schafft es in der Tat, in genau vier kurzen Sätzen alles zusammenzufassen, was man zum Thema Outsourcing / Freihandel / Auslandsinvestitionen verstehen muss:

“In toten Firmen finden nur erloschene Seelen eine Arbeit. So retten wir zehn Stellen, indem wir nicht outsourcen, und verlieren schließlich alle 100. Außerdem helfen die Investitionen multinationaler Konzerne Ländern wie Mexiko und Indien, Armut zu bekämpfen. Viele Regionen Afrikas dürsten nach Investitionen aus dem Ausland.”

Das ist kurz zusammengefaßt das Evangelium der Globalisierung. Und es ist die Wahrheit.

Jedes Jahr: Sommerloch

Tuesday, August 17th, 2004

Jeder kennt es, jeder spürt es, jeder spricht darüber: das Sommerloch. Keiner weiss wann es eigentlich beginnt, aber plötzlich ist es da. Ich wußte heuer genau, wann es began - mit Schließung der Kantine. Bei anderen, wer weiß, wenn Frau Merkel in Urlaub fährt? Früher gab es ja noch die Gerichtsferien, so hatte der Jurist zumindest einen Anhaltspunkt. Was bedeutet denn eigentlich Sommerloch (außer jeden Mittag einen hungrigen Magen)? Nichts zu tun, keine Anrufe, kein Stress? Dann ist Sommerloch eigentlich positiv. Aber Loch hat doch im Volksmund irgendwie etwas negatives, oder nicht? Tiefes Loch - wahlweise depressiv -, Loch im Gewand, Loch im Reifen, Moloch, Loch Ness, und, und, und. Ob positiv oder negativ, Fakt ist, man merkt, das irgendetwas anders ist. Ruhiger und manchmal auch gespenstisch. Am Gang in der Firma bin ich derzeit allein, zumeist, würde mich wer klauen - keiner würde es vermutlich merken. Da fragt man sich, warum eigentlich statistisch gesehen im Sommer (-loch) weniger Straftaten begangen werden, die Umstände wären eigentlich prima. Aber was soll’s, Loch hin, Loch her - Hauptsache Sommer.

Tierpersönlichkeitsrechte II (Schweinchen)

Thursday, August 12th, 2004

Auf die mangelnde Beachtung der Persönlichkeitsrechte von Tieren ist in diesem Blog ja bereits hingewiesen worden. Auch die Telepolis erkennt nun (endlich) die Bedeutung dieser Frage und erörtert, ob ein Schwein (hier: Schnappi) das Recht hat sich auszusuchen, auf welchem TV-Sender es live geschlachtet werden möchte. Eine längst überfallig Diskussion.

Schreibwaisen

Tuesday, August 10th, 2004

Ich habe überlegt - wirklich lange, mindestens eine Kaffeepause oder so -, ob ich auch noch zwei, drei kluge Sätze zum Thema Rechtschreibreform schreiben soll. Weil ich mir die klugen Sätze aber lieber für den Schriftsatz spare und außerdem schon froh bin, wenn ich wenigstens EINE Rechtschreibung (wahlweise alt oder neu) treffe, lasse ich es.

Die warn’s!

Thursday, August 5th, 2004

Gestern Abend habe ich eines der größten Rätsel der Menschheit, jedenfalls der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, gelöst. Wie es zu Rezessionen und Wirtschaftskrisen kommt, insbesondere zu der, an deren Ende wir uns befinden (angeblich schon seit zwei Jahren oder so). Mir fehlt es noch ein wenig an Daten und Vergleichen, aber qualitativ ist mir das alles klar: Melancholie und Lebensunlust. Ganz logisch. Und schuld sind die Medien und die kunstschaffende Bevölkerung.

Eigentlich ist das nämlich alles ganz einfach. Wirtschaft und Gesellschaft sind einfach nur Spiegelbilder der Summe der Geistesverfassung der ganzen Bevölkerung. Und die ist eben schon Ende der 90er umgeschlagen. Die Leute hatten genug, immer nur Party zu machen, Caipi zu saufen, zu kiffen und sich durch die Gegend zu vögeln. Auf die Dauer nervt zu viel gute Laune einfach. Und auch das Kulturvieh wollte nicht immer nur einen Sommerhit mehr nach dem anderen produzieren. Daher der Umschwung zu Innerlichkeit und ökonomisch unproduktiver Selbstreflexion.

Das fiel mir auf, weil im TV letztens „Magnolia“ lief. Ein – trotz des versöhnlichen Endes – zutiefst stimmungstötendes Werk voller Nabelschauen von Leuten, die eigentlich keine Sorgen haben und sich deswegen umbringen oder anderen Unsinn machen. Und von 1999. In dem Jahr haben auch die Red Hot Chili Peppers die „Californication“ veröffentlicht, von der praktisch jeder Track ein Nummer Eins Hit wurde. Und wer bitte, frage ich, geht nach „Other Side“ (slithin’ my throat is all I ever had) motiviert an die Arbeit und erhöht das Bruttosozialprodukt? Keine alte Sau. Auch umgekehrt funktioniert das übrigens. Wann begann die letzte weltweite Boomphase? Richtig, nach dem Ende von „Nirvana“.

Ich rufe daher hiermit: „Künstler aller Länder vereinigt Euch. Und schreibt mehr Stimmungslieder!“

Von den Freuden des Zuschauers

Thursday, June 24th, 2004

Soviel ist klar: Deutschland wird bei der laufenden Fußball-EM nicht mehr Weltmeister. Das habe ich allerdings immer schon gesagt, was vor allem für meine brillante Fähigkeit nicht nur zur Analyse, sondern auch Prognose der Ereignisse auf sportlichen Großveranstaltungen spricht.

Weiterhin habe ich mir gestern – ich will jetzt nicht sagen: gezwungenermaßen, nein, das will ich wirklich nicht – tatsächlich fast ein ganzes Fußballspiel angesehen. Mit Bekannten und Freunden, sogar vielen davon. Mein Ansinnen, man möge doch – wegen der zu erwartenden fußballerischen Eleganz und Klasse – Lettland gegen Holland schauen, stieß leider auf Unverständnis. Letztlich lief es dann doch auf Deutschland gegen Tschechien hinaus. Gottseidank gab es Nachos und genug Wasser aus der Leitung zur Überbrückung flauer Phasen. Also von 2*45 Min.

Im Nachhinein wäre es deutlich besser gewesen, erst das geniale „die Abendsonne scheint durch die dunklen Regenwolken“-Licht zu einem fotografischen Streifzug durch die Isarauen zu nutzen und dann ab 21.45 Uhr auf BR die 7.341.982te Widerholung von „Kir Royal“ anzuschauen. Oder zum italienischen Eiskaffe zu gehen, wo der Wirt nach dem Ausscheiden seiner Mannschaft demonstrativ den Fernseher öffentlich verbrannt hat. Oder sich einfach nur in kontemplativem Nichtstun zu versenken. Aber auf mich hört ja keiner.

private Raumflüge, Magnetschwebebahnen und Hüftgelenksoperationen

Monday, June 21st, 2004

Scaled Composites, eine private Unternehmung, hat heute – so mir nichts, dir nichts – einen privaten Weltraumflug unternommen. Als Deutscher fragt man sich da zuerst mal: dürfen die das denn?

Irgendwie ist das schon eine Sauerei: da bauen wir Europäer mit Millionen von Fördegeldern in einem de facto Staatskonzern seit Jahrzehnten mit, nunja, wechselndem Erfolg an unserem Phönix, und da kommen irgend so ein paar freche (private!) Amerikaner – eine Handvoll davon – und machen das Ding einfach selbst. Ein Startplatz in der Wüste, ein paar dezente Millionen, etwa Pioniergeist und: peng. Hierzulande hätte das Planfeststellungsverfahren für den Startplatz wahrscheinlich 25 Jahre gedauert – eine Zeiteinheit, die in berufenden Kreisen ja auch „ein Transrapid“ genannt wird.

Tröstlich, dass die (staatlichen) Amerikaner mit Ihren Space Shuttles (die Flugeigenschaften haben wie Kühlschränke und daher auch ab und an abstürzen) und die Russen mit Ihrem Buran (der einfach zu teuer ist) auch am Boden bleiben. Aber es wirft ein bezeichnendes Licht darauf, wie ineffizient staatliche Organisationen sind und wie schlank man Projekte mit ein wenig gutem Willen privat durchziehen kann. Was mich wieder zum Thema bringt: warum eigentlich gibt es in diesem Land immer noch öffentlich-rechtliche Krankenversicherungen?

Ronald Reagan ist tot

Sunday, June 6th, 2004

mit einer Karriere als Radiojournalist, 50 gedrehten Filmen, einer intakten Familie, einem Posten als Gouverneur, als epochemachender Präsident, der die Gemüter erhitzt, und nebenbei noch der Bezwinger des „Reichs des Bösen“ hat er in 93 Jahren so viel erlebt, wie wohl kaum sonst jemand auf dieser Welt. Was für ein Leben, im Licht und im Schatten.

Ruhe in Frieden.

Jetzt spricht…

Tuesday, May 11th, 2004

Auf dem täglichen Radweg zum Hauptbahnhof passiere ich immer die verschiedensten Zeitungsständer der City. Heute lautet die BILD-Headline: Jetzt spricht Kahn’s Verena. Mir ist justamente in den Kopf geschossen, dass in letzter Zeit immer häufiger irgend jemand über irgend etwas - vornehmlich in der BILD und über irgendwelche Liebschaften - spricht. Nur eine brennende Frage sei erlaubt: wen bitte, wen interessiert das??!!

Der Kapitalismus

Tuesday, April 6th, 2004

hadez_capitalism.jpg

ist eigentlich eine großartige Sache. Ich darf das sagen, ich habe auch anderes erlebt. Erstaunlicherweise sieht das nicht jeder so…