“Ich handhabe das so, wie es sich gehört”
Sie lassen sich also scheiden, Oliver und Simone. Er der Keeper mit Weltruhm, sie, seine Jugendliebe. Das ungewöhnliche ist nicht die Scheidung, geschieden wird fast jede dritte Ehe, ungewöhnlich ist die die Art, wie damit umgegangen wird und - soweit man das einschätzen kann - in der Vergangenheit umgegangen wurde; mit Respekt und Ehrfurcht vor der gemeinsam verbrachten und durchgestanden Zeit ohne den tiefen inneren Drang, nachtreten und zerstören zu müssen. Chapeau!
Die eigenen Gefühle und Emotionen, die Wut, die Angst, die Trauer im Griff zu haben, das ist die eigentliche Kunst im Umgang mit geliebten Menschen.
Leider schaffen eine stilvolle Trennung nicht viele, zur Freude von Rechtsanwälten (Sorry Kollegen!) und völlig überforderten Jugendamtberatern, die sich für jegliche Art von Racheakt missbrauchen lassen; zum Leidwesen von betroffenen Kindern, die ohnehin nicht gehört werden, was der wohl unmenschlichste Teil der Angelegenheit ist.
Scheiden tut weh. Es ist der Kollaps der Träume und Ideen, die man für das gemeinsame Leben einmal hatte, die Wut auf den anderen, der einem diese vermeintlich genommen hat. Die Ohmacht vor dem eigenen Versagen und schließlich die Leere, die Zweifel und die Angst vor dem, was jetzt vielleicht kommt. Menschen neigen dazu, anderen die Schuld zu geben - das ist einfacher, bequemer. Eine ehrliche Selbstreflektion erfordert eine innere Größe und Abgeklärtheit, die die wenigsten ohne weiteres haben. Sie erfordert Mut, einen Umgang mit Konsequenzen und auch den Willen zum guten Menschen. Gerade erst Krisensituationen offenbaren den wahren Charakter eines Menschen, so wie er einem innewohnt, nicht wie er sich nach außen darstellt. So mancher steht dann plötzlich vor einem Fremden.
So oft wird in der heutigen Zeit über Werteverfall gesprochen, im Rahmen einer Scheidung zeigt sich dieser in besonderer Art und Weise. Toleranz vor der Entwicklung des anderen und Respekt im Umgang mit einem Menschen trotz Enttäuschungen und Verletzungen ist in einer solch emotional geprägten Situation eine besondere Herausforderung.
Umso mehr bewundere ich, wenn zwei gereifte und sicherlich krisengeschüttelte Menschen etwas tun, was man heute in vielen Bereichen so sehr vermisst. Etwas so zu handhaben, wie es sich einfach gehört. Ich hoffe, die beiden schaffen das.
August 28th, 2011 at 2:50 pm
Many thanks, I actually felt like I’ve discovered something new and exciting.