Aber keine Karten

Also, ich bin ein bekennender amateur de l’opera. Heute bin ich München von Pontius zu Pilatus gelaufen, um noch Karten für Donnerstag zu bekommen. Da singt sie wieder, la divina, Anna. Nur bekommen habe ich keine. Nicht für alles Geld - nicht dieser Welt -, aber das ich ausgegeben hätte. Kennen Sie den Zustand? Ich will etwas ganz furchtbar dringend, bekomme es aber nicht? Zugegeben: für mich ist dieser Zustand einigermaßen neu. Abgesehen von Männern habe ich eigentlich immer alles bekommen, was ich wollte. Nun muss ich mir eingestehen, dass ich an der Opernkasse scheitere. Abendkasse - vermutlich aussichtslos. Und sich vor der Oper herumdrücken kurz vor der Vorstellung, um noch eine Karte ergattern zu können ist auch nicht mein Ding. Vermutlich würde ich Gefahr laufen, den mit einem Siegerlächeln auf den Lippen und einer Karte im Jacket die Treppe zum Nationaltheater heraufschreitenden Opernbesuchern ein Bein zu stellen, in der Hoffnung unbemerkt zu bleiben, um sich dann zu Hilfe eilend sogar noch als Abnehmer der Karten anzubieten- ganz selbstlos. Bevor also meine geballte womöglich in mir schlummernde kriminelle Energie zu Tage tritt, bleibe ich am Donnerstag abend lieber zu Hause und sehe mir irgendeine Soap an - ist ja auch Oper, irgendwie…

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