Michael Jackson Superstar
Zwei Dinge fallen mir jetzt doch noch zu Michael Jacksons Tod ein.
Die eine Sache ist, dass das erste, was mir vor zwei Wochen einfiel, als ich von seinem Tod erfuhr, der Gedanke war, dass nun irgendwie meine „Jugend“ beendet sei. Ein flüchtiger Gedanke, weiter nichts, etwas wehmütig dachte ich an all die durchgetanzten Nächte im mehr schlecht als recht kopierten Moonwalk-Style. Muss ein trauriger Anblick gewesen sein. In den seinem Tod folgenden Tagen konnte man sich ob des Presserummels kaum erwehren, ab und an die Reaktionen von befragten Passanten oder Trauergästen zu hören. Und? Ganz viele junge Leute – so in meinem Alter – dachten und denken wohl genau dasselbe wie ich. Irgendwie spürt man, dass mit Jacksons Tod die Jugend vorbei sei, nebst einer ganzen Ära. Mit Thriller, Bad, Beat it sind wir alle groß geworden. Brüder und Schwestern im Geiste.
Die zweite Sache ist, dass sich einmal mehr bewahrheitet, dass der eigene Tod in manchen Fällen doch die beste PR ist. Nur schade, dass diese wirksame Markteingstrategie nicht mehrfach gefahren werden kann. 51 Millionen Dollar hätte Jackson angeblich mit seinen anstehenden 50 Konzerten – soweit er sie gesundheitlich überstanden hätte – verdient. Sein Tod spült da mit Sicherheit mehr in die Kassen. Gut für alle diejenigen, die sein ganzes Leben ohnehin nur Geld mit ihm machen wollten und sich auch jetzt nicht scheuen, seinen Tod noch intensiver und gefühlloser zu vermarkten und für eigenen Zwecke auszunutzen. Mich graust der Anblick der vielen selbsternannten Gönner, Bewunderer, Freunde, Mentoren und Gutmenschen, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen und doch nur Blutegel sind, gierig nach immer noch mehr Geld und Macht. Meschliche Verluste werden billigend in Kauf genommen.
Ich schwelge lieber in Erinnerungen. Unvergessen das fantastische und frenetisch bejubelte Konzert im Moskauer Dynamo-Stadium, das ich mit 24 Jahren erleben durfte. Ein Panzer auf der Bühne in Moskau, das Konzert hermetisch abgeriegelt von Batallionen von Soldaten, die frierend in ihren Menschenketten um Zigaretten und Geld bettelten. Welch Schizophrenie und welch Gegensatz in dieser Zeit, so kurz nach Glasnost und Perestroika. Die Megashow eines Megastars in einer sich so nach Anerkennung und einem eigenen Selbstbewußtsein verzehrenden Mega-Metropole längst vergessener Zeiten. Diese wahnsinnigen Gefühle von damals, in dieser Nacht, werde ich nie vergessen.
All das macht ihn aber nicht zum Heiligen oder Märtyrer und als solcher sollte er jetzt auch nicht mißbraucht werden. Er möge einfach nur ruhen – in Frieden.
August 31st, 2009 at 10:38 pm
Schön geschrieben und gedacht, lieber Arne.
Aber was kann man tun gegen die Gier der Menschen? Ich zerbreche mir schon seit langem den Kopf darüber… Hast Du einen Ansatz?
Schöne Grüße!
Didi
September 1st, 2009 at 2:31 am
Liebe(r) Didi,
auf seinem kleinen Bierdeckel anfangen und hoffen, dass möglichst viele sich das abschauen. Kinder sind charakterliche Basis von morgen, bei denen sollten wir es nicht versauen.
Gruss,
Sonja