Anne Will und der blanke Wahnsinn

“Anne Will” ist eine immer wieder interessante, mich aber mehr und mehr zum Wahnsinn treibende sonntagabendliche Politsendung zu Themen, die eine Woche über von Interesse waren oder immer noch sind. Thema der Woche: Ypsilanti und die verlorene Schlacht. Eingeladen sind Vertreter der Parteien und ein Mönch, was auch immer dieser hier zu sagen hat. Fazit nach 20 Minuten: wir leben derzeit in einem verrückten, einem seltsam anmutenden Land. Immer mehr sind wir Politikern und selbsternannten Führungspersönlichkeiten in den Parteien ausgesetzt, die von Demokratie so viel verstehen wie Juristen von tropfenden Wasserhähnen, nämlich nichts. Lichtblick - den einen oder anderen gibt es nämlich noch - in der Diskussion: Herr von Dohany, SPD, scharfer Blick und scharfer Verstand, obwohl ich persönlich weiter rechts wähle.
Die traurigste Erkenntnis des Abends ist, dass der “Wolf” in die sonnabendlichen Wohnzimmer Einzug gehalten hat und ihm Eintritt gewährt wurde - bei Anne Will in Person des Herrn Ramelow. “Nach einem Parteitag und geheimen Abstimmungen hat man kein Recht mehr auf Gewissen” - so schießt es einem ans Ohr. Bitte?! Das unabhängige Mandat, die freie Entscheidung sind Grundfeste unserer Demokratie - für einen Herrn Ramelow natürlich ein offensichtlich völlig unerwünschtes und nicht erlebtes Terrain. Dem Gewissen ist man bis zu einer Entscheidung und während des Prozesses unterworfen, gestützt von unserem Grundgesetz. Herr Ramelow scheint es nicht gelesen zu haben.
Zutiefst berührt und dankbar für die Entscheidung der vier “Abtrünnigen” ziehe ich meinen Hut vor einer dem Gewissen unterworfenen Entscheidung, unabhängig von Partei- und Karrierekalkül. Verhindert wurde eine der übelsten Vabanquespiele jüngster Geschichte - und der Bruch des Wahlversprechens wiegt hierbei im Grunde gering. Wer eine ehemalige Kaderpartei, die sich heutzutage hinter einem Intelektuellen versteckt, an die politische Macht befördern will, spielt mit unkontrollierbaren und radikalen Kräften und einer gefährlichen Instrumentalisierung von Einflüssen, wovor sich jede Demokratie schützen muss; wer dies zulässt und dies auch noch bewusst, der sollte, muss und wird damit hoffentlich immer wieder auf die Nase fallen. Vier Menschen, ihres Auftrages bewusst, haben diesem Wahnsinn ein Ende gesetzt - im besten Sinne der Demokratie. Demokratie, Herr Ramelow, heißt nicht, nach dem Willen der Partei zu pfeifen, das haben Sie offensichtlich zu sehr verinnerlicht, Demokratie heißt, dem Bürgerwillen durch sein Mandat gerecht zu werden, der Parteiwille ist hierbei völlig untergeordnet. Das Volk und seine Bürger sind der Staat, Politiker stehen in deren Dienste, das Gewissen - wenn es nicht die Vernunft und der Blick für die Realitäten schafft - setzt den Handlungen der Amtsinhaber Grenzen. Wer dieses Verständnis nicht (mehr) hat, der treibt sich eben am äußerst linken oder äußerst rechten Flügel herum, unfähig selbstständig zu denken. Daher gilt den vier Musketiere die höchste Wertschätzung. Sie haben verhindert, dass man Kommunisten, dem Wolf im Schafspelz, in die Verantwortung nimmt, sei es auch nur durch die Duldung einer Regierung, die auf Machthunger und falschem Selbstverständnis einer einzelnen beruht hätte Ich bin in diesen Tagen stolz darauf, dass Demokratie in unserem Land mit Werten und Wertvorstellungen zu tun hat, die offensichtlich manifestiert sind und welche es eben manchmal in Sekunden, seien es auch die letzten, zu verteidigen gilt.

One Response to “Anne Will und der blanke Wahnsinn”

  1. Sebastian Says:

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