Stanislaw Lem ist tot
Vielleicht haben Sie es hier oder da ja schon gelesen: Stanislaw Lem ist gestern im Alter von 84 Jahren in Krakau gestorben. Das ist ein fast unersetzlicher Verlust, auch wenn vermeintlich jeder ersetzbar ist. Es gibt keinen Zweiten wie Lem.
Bekannt ist Lem ja vor allem als Science-Fiction Schriftsteller. Völlig berechtigt und doch zu unrecht. Denn mit dem, was sonst unter „SF“ verkauft wird, haben die Werke Lems nichts zu tun. Es sind weniger fiktionale und mehr oder weniger g’spinnerte Bücher, als vielmehr sehr tiefgründige, hoffnungsvoll pessimistische (oder hoffnungslos optimistische?), wissenschaftlich und philosophisch abgesicherte, meist brüllend komische Blicke in eine mögliche Zukunft. Dabei gelang es Lem immer wieder, nicht nur technische Entwicklungen, sondern auch deren gesellschaftliche Auswirkungen mit gerade beängstigender Genauigkeit vorwegzunehmen. Wer den „Lokaltermin“ gelesen hat und gleichzeitig heute über das Evernet und Informationsverschmutzung nachdenkt, der weiß, was ich meine.
Vermutlich verdankte Lem seine besonderen Fähigkeiten, seinen Zugang zum Künftigen, der Fähigkeit der sehr dezidierten Analyse des Seienden. Er war eben nicht nur in den Wolken schwebender Autor und Philosoph, sondern auch Arzt und Naturwissenschafter. Er war nicht nur einer, der im Elfenbeinturm vor sich hin schrieb, sondern einer, der das Leben kannte. Als Pole jüdischer Herkunft musste er in der Zeit der deutschen Besetzung um sein Leben fürchten und sich mit Witz und Glück durchschlagen. Später, im kommunistischen Polen, focht er endlose Kämpfe mit Zensur und Partei. Der Mann hatte Hindernisse zu überwinden, und genau das war es, was er tat.
Man, Lem, ruhe in Frieden. Du hinterlässt eine Lücke, und das ist nicht nur ein Spruch.
April 8th, 2006 at 7:36 pm
neiiinnnn… hach. ein wehleidiger schmerz durchzuckt mich, wenn ich richtung bücherregal blicke und auf den schwarzen umschlag der sterntagebücher schaue… *schnief*… nunja. in unseren herzen wird er für immer weiterleben.
by the way. grüße aus dem goldenen zürich…
matze
April 10th, 2006 at 10:47 pm
Du Matze? Was verschlächt’n Dich nach Zürich!?
April 19th, 2006 at 2:32 am
studieren mach ich da. Medien & Kunst. An der Hochschule für Gestaltung und Kunst - kurz HGKZ… prima sache das
Geile Stadt, nette Menschen (wirklich sehr nette Menschen) und sonst auch das Wetter ist gerade sehr toll.
Also wenn du bis Ende Juli zufällig in der Gegend bist. Kommt doch mal eben rum. Ich freue mich außerordentlich.
Gruezi (achja, das sagt man ja bei euch auch)
Ich meine natürlich grüß Gott (wenn du ihn siehst)
ciao
Matze
April 20th, 2006 at 10:11 am
Bin ich vielleicht tatsächlich. Du, der Nic ist doch auch (wieder) in Zürich, sauf mit dem doch mal’n Kaffee!?
July 13th, 2006 at 1:08 pm
Stanislaw Lem war einer der grössten Philosophen der letzten 40 Jahre.
Nun ist es an uns, seine Ideen und seine Werke fortzutragen.
Wohlan!! Soll er nicht umsonst gelebt haben!!
Wadim
November 16th, 2008 at 11:20 pm
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