SPD-Fraktionsvize Stiegler dreht durch
“Arbeit macht frei. Das ist das, was mir bei diesem Begriff einfällt”,
sagte Stiegler mit Blick auf den Satz “Sozial ist, was Arbeit schafft” im Wahlprogramm von CDU und CSU.
Wie der gebildete Durchschnittsdeutsche weiß ist dies eine Anspielung auf den „Arbeit macht frei“-Slogan, den die Nazis auf ewig diskreditierten, indem sie ihn am Tor des Konzentrationslagers Auschwitz anbrachten.
Das Tolldreiste: Stiegler hat auch genau diesen Vergleich beabsichtigt. Es geht also nicht darum, dass er praktisch unabsichtlich geschichtlich belastetes Wortmaterial benutzt hat.
Der Mann muss verzweifelt sein.
Die Äußerung ist in der Sache eine Ungeheuerlichkeit, das bedarf keiner näheren Begründung. Vor allem aber ist die Wucht völlig neben der Sache, mit der Stiegler hier auf das mutlose, lauwarm gewaschene und konsens-weichgespülte, nun wirklich der bundesrepublikanischen Tradition des „Wir wollen’s uns ja mit keinem verderben“ verpflichtete Wahlprogramm der Union eindrischt. Wenn nach seiner Ansicht Frau Merkel und Herr Stoiber für einen Nazi-Vergleich gut sind, dann muss er Tony Blair ja wohl mindestens für den Antichristen halten.
Der Mann muss weg. Da gibt es keine Alternative. Nicht nur, weil er seltsames Zeug redet, sondern weil er offenbar auch in der falschen Epoche lebt.
July 13th, 2005 at 8:40 am
Jeder echte Politiker muss mindestens einmal in seinem Leben einen Gegner mit den Nazis vergleichen.
July 14th, 2005 at 5:23 pm
Ich muss gestehen, ist mir spontan auch eingefallen (pfui!), hätte es wohl aber nicht gesagt und - wichtiger - nicht so gemeint.
July 21st, 2005 at 9:30 pm
Konrad bittet Sonja um eine Wiederaufnahme des Streitthemas zwecks Beurteilung in welcher Epoche wir tatsaechlich leben.
http://www.dhm.de/datenbank/index.html?/datenbank/pli1/pli14369.html
(Historisches Museum Berlin)
Gruesse
Konrad
July 23rd, 2005 at 2:02 pm
Unter Berücksichtigung unserer Historie muss ich gestehen, dass in der heutigen Politik sich eine gewisse Semantik zwischen CDU/CSU und dem Nationalsozialismus wiederfindet. Seis drum. Doch: Auschwitz und soziale Gerechtigkeit - passt das zusammen?
Betrachten wir “Sozial ist, was Arbeit schafft” als These - wie laute dann die Antithese? Was Arbeit ist, schafft sozialen Gleichmut?
Nun - wie wir wissen, kann das nur der Fall sein, wenn von der Gesellschaft ein “höheres” Ziel angestrebt wird. Wie uns aber die Praxis füllt, strebt jeder nach seinem individuellen Vorteil. Ambivalenz? Ich bin gespannt…