Noch ein Beitrag zur Kapitalismusdebatte
Herrn Müntefering ist dafür zu danken, eine lange fällige Debatte über die Natur, die Fehler und die Zukunft des Kapitalismus angestoßen zu haben. Natürlich – wie nicht anders zu erwarten – gerade in die falsche Richtung. Orientiert eher an Marx und Lassalle als an Smith und Erhard. Zurückgewandt in die Vergangenheit ist sein Zermon vor allem Versuch, Verantwortung für politische Fehler auf einen Sündenbock abzuschieben; gleichzeitig ein Ansinnen, (berechtigte) Kritik an (durchaus kritikwürdigen) Erscheinungen in Gesellschaft und Wirtschaft zu einer Systemkritik zu machen.
Und es bedarf durchaus einer Systemkritik: in die andere Richtung. Dieses Land braucht keine Fesseln für die Marktwirtschaft. Keinen starken Staat, um dem vermeintlichen Turbokapitalismus Fesseln anzulegen. Dieses Land muss ganz im Gegenteil die Fesseln an Bürokratie, Missmut und Unverständnis lösen, von denen die Kräfte des Marktes ganz genauso behindert werden wie die intellektuellen Kräfte einer Erneuerung des Kapitalismus. Denn das ist es, was dieser braucht: Vordenker und Fürsprecher für eine Renaissance, oder – neudeutscher – Leute, dies das System neu erdenken und neu erfinden. Vorwärts gewandt, nicht rückwärts.
Verstehen wir uns nicht falsch: der Beitrag Herrn Münteferings ist ein absolut zulässiger und, wenn auch durch Wahlkampfgeklingel verzerrter, so doch im Sinne der Diskussion wertvoller Teil einer notwendigen Auseinandersetzung. Es bleibt dennoch zu hoffen, dass sein Anstoß eben das bleibt: ein Anfang, nicht aber das Ende.