Ratzinger oder lang lebe der Papst!

Ach richtig, so lange leben soll er ja wohl gar nicht - Benedict XVI, der Übergangspapst. Warum eigentlich? Die Wahl Ratzingers ist logisch, nicht konsequent - brauchte sie auch nicht zu sein -, wahrscheinlich sogar weise. Josef Ratzinger ist zweifelsfrei ein kluger Kopf. Durch seine Wahl haben die Kardinäle nun dem aufgebauten Druck und den Erwartungen an die Kirche, die von jedem (vermeintlich) Befähigten mit dem Schrei nach “zwingende Reformen” gestellt wurden, eine Absage erteilt. Die Kirche läßt sich eben nicht unter Druck setzen. Vielleicht sehen die Kirchenführer auch nicht das Zölibat, die Frauenfrage und Kondome als DIE Probleme der Kirche an, als vielmehr eigene organisatorische Fragen oder die Auseinandersetzung mit anderen Religionen, z.B. mit dem Islam.
Reformen sind gut, wenn sie das Ergebnis einer langen und ausgereiften Diskussion sind. Das gilt im Besonderen für die Kirche, die nicht Reformen mit Reformen refomieren will (wie die Politik), wenn sich eine Reform als deformiert herausstellt, sondern Entscheidungen meist für viele, viele Jahre, wenn nicht Jahrhunderte trifft. Kontinuität und Bedacht, Zurückhaltung vor Aktionismus sind Merkmale der Kirche, mit der diese es geschafft hat, 1 Milliarde Menschen dieser Erde zu vereinen und zwei Jahrtausende zu überdauern. Natürlich soll und wird es auch Reformen geben, aber dies ganz behutsam, um auch den Gläubigen nicht vor den Kopf zu stossen, die Reformen für nicht ganz so nötig halten, wie diejenigen, die diese laut und öffentlich fordern - vielleicht war das das Zeichen, welches mit der jetzigen Wahl gesetzt werden sollte. Und wer weiß, ich traue Benedict XVI vieles zu, insbesondere viele positive Überraschungen.

2 Responses to “Ratzinger oder lang lebe der Papst!”

  1. ramses101 Says:

    Er kann eigentlich nur positiv überraschen. Und dass die Kondom-/Pille-Frage nicht in jedem Montagsmeeting der Kirchenoberen an erste Stelle steht, ist auch klar. Aber warum sollte man einen Papst nicht daran messen dürfen, wie er sich zu dieser Frage verhält? Wenn ich die Empfängnisverhütungs-Politik der Kirche anprangere, geht es mir ja nicht um irgendwelche Studentenparties die ins Unlustige abzusinken drohen, sondern darum, dass sträflich in Kauf genommen wird, dass in der dritten Welt die Armut weiter explodiert. Ob der Papst hingegen im Small-Talk brilliert, ist mir relativ schnuppe. Ansonsten haben Sie natürlich nicht Unrecht :-)

  2. Arne Says:

    Nun, die Kirche hat eben Grundsätze, Unantastbarkeit des Lebens etc. Die einfach so über Bord zu werfen wird man von ihr schwerlich holter-dipolter verlangen dürfen.

    Im Übrigen ist es nicht richtig, die Bevölkerungsexplosion in den Ländern der Dritten Welt primär dem Mangel an Empfängnisverhütung zuzuschreiben. Sie ist vielmehr Folge der Tatsache, dass die Leute (auch) dort durch verbesserte Erhnährung und medizinische Versorgung (glücklicherweise) länger leben.