Werteunterricht - eigentlich muss nichts gesagt werden
Das Thema hatten wir schon einmal: Werte. Wo sie Ihren Ursprung haben, welche Bedeutung sie haben oder was überhaupt Werte sind. Heute in der FAZ ging es erneut um diese Frage im Zusammenhang mit dem Werteunterricht, welcher nun und nur im Vorreiterland Berlin stattfinden und verpflichtend sein soll - ganz im Gegensatz zum Religionsunterricht. Die Kirchen laufen nun Sturm, fühlen sich vernachlässigt und fürchten leere Schulbänke, sollte der Religionsunterreicht zum Wahlfach verkommen. Bislang waren die Kirchen - in Bayern unangefochten, im “Westen” eigentlich auch - für die Vermittlung von Werten sozusagen traditionsgemäß zuständig. Will Berlin nun mit einem Werteunterricht aufwarten, so frägt man sich zum einen, ob die Berliner Kinder dies besonders nötig haben, und zum anderen, ob die Berliner die benannte Tradition nun völlig aufgeben wollen - ganz nach alter “Ost”-manier. Für meine Begriffe kann man die Diskussion um Werte und Werteverfall nicht über Religion, traditionelle Zuständigkeiten, oder eine “geistige Mauer” zwischen Ost und West führen. Werte sind für eine Gesellschaft eine wichtige Grundlage (wie gesagt, die Frage, was eigntlich (Grund-)Werte sind, ist dabei noch nicht geklärt). Stellt man einen Verfall der Werte fest, so kann und soll man sich überlegen, wie man einem solchen entgegentritt. Bevor man sich aber um Werteunterricht, Tradition der Kirchen, die bayerische Arroganz oder ähnliches unterhält, sollte man doch zunächst versuchen, klar zu definieren, WAS das Ziel ist. Essen mit Messer und Gabel, nicht Lügen, Bräuche? Der Lehrplan interessiert mich brennend. Bevor man also über wahrhaftigen Kulturkampf spricht, sollte man doch meines Erachtens eine Diagnose durchführen und Ziele definieren und sich nicht eines echten Problems und der notwendigen Diskussion mit der Einführung eines Werteunterrichts entledigen. Ob die Schüler eine weitere Katastrophe wie die Rechtsschreibreform verkraften können, möchte ich sowieso bezweifeln. Nachgedacht kann darüber niemand haben, da der Werteunterricht in der 7. Klasse beginnen soll. 13jährige rauchen meist schon, werden schwanger und trinken Alkohol, pöbeln und raufen auch. Werte sollten in diesem Alter also schon vermittelt sein. Nun, allein an dem konfusen Eintrag merkt man schon, dass die ganze Diskussion um Werte irgendwie unausgegoren ist. Also kurz zusammengefasst, was ich eigentlich sagen wollte: 1. Werteunterricht finde ich abwegig, 2. Werte können, müssen aber nicht über die Kirchen vermittelt werden und 3. “Ost” und “West” kann ich nicht mehr hören…
April 19th, 2005 at 6:05 pm
Ich versteh die ganze Aufregung nicht. In meiner Schulzeit hatte jeder die Möglichkeit, statt Religion das Fach “Werte und Normen” zu belegen. Große Unterschiede gab es dann aber wohl nicht, denn in beiden Fächern wurden natürlich ethische Fragen behandelt – die Religionslehrer waren keine Pfarrer und die Werte & Normen-Lehrer keine Philosophen. Es ging also in beiden Fällen nur um einen etwas anderen Blickwinkel. Alles ganz entspannt. Aber Werte & Normen war natürlich cooler, weil man statt mit Jesus auch mal mit Kant kontern konnte
April 19th, 2005 at 8:11 pm
Frag doch mal bei den neuen Großinquisi… ähhh Papst Benedikt XVI (alias Ratzinger) nach, vielleicht kann er die Frage mit den Werten klären, wir konnten es ja nicht;)