Why call him God?
Gerade studiere ich in der spärlichen Freizeit statt des Spätprogramms deutscher Fernsehsender die großartige BBC-Dokumentation “a brief hystory of disbelief” von Jonathan Miller. Unter anderem stieß ich hier wieder auf den grandiosen Gedankengang des Epikur, in dem er sich mit der Frage nach der Existenz und Natur Gottes beschäftigt.

If God is willing to end suffering but not able, he is not omnipotent.
If he is able to end suffering but not willing, he is malevolent.
If he is both willing and able to end suffering, Whence cometh evil?
If he is neither willing nor able to end suffering, Why call him God?
Mir drängt sich beim genußvollen Betrachten solcher durchdachten, erleuchtenden und gleichzeitig unterhaltsamen Dokumentationen, die eben auch vor Epikur nicht zurückschrecken, immer wieder die Frage auf, warum unser großartiges deutsches öffentlich-rechtliches Fernsehen etwas Vergleichbares nicht auf die Beine stellen kann.

If German public TV is willing to produce great edutainment but not able: get rid of it.
If German public TV is able to produce great edutainment but not willing: get rid of it.
As a matter of fact German public TV is NOT willing AND able to produce great edutainment, so getting rid of it looks inevitable.
At last, if German public TV is neither willing not able, well, get rid of it.
January 12th, 2005 at 8:30 pm
Gott und die Welt: schoen, dass Ihr Euch an Epikur erinnert!
Die Freiheit des Willens: Danke fuer die weiteren Denkanstoesse (bin natuerlich total Eurer Meinung)
Eure Portugal-Erlebnisse: Habe mich koestlich amuesiert, bitte unbedingt im Forum der Portugalfreunde veroeffentlichen !
http://www.portugalforum.de
Ich vermute mal, dass Ihr Euch auch jahrelang auf Schulbaenken mit alten Sprachen quaelen musstet. Wer kennt denn sonst noch Epikur, hinterfragt den “freien Willen”..heute in unserer Konsensgesellschaft ?
Gruesse aus Porto
Konrad
January 12th, 2005 at 8:47 pm
Klar packen wir das gern auch ins Portugalforum, ich wußte gar nicht, dass es sowas gibt, dabei bin ich doch Fan
Schön, dass Dir die Sache etwa gibt!
January 13th, 2005 at 9:20 am
Na für mich als religiösen “Fanatiker” muten solche Überlegungen immer etwas seltsam an, da der Sinn des Glaubens an Gott sich gerade dadurch manifestiert, ihn/sie/es gerade nicht auf Determinismus zu reduzieren. Das ist wie die berühmte Frage nach dem “warum”, auf welche man - gerade angesichts verheerender Katastrophen oder des (sinnlosen) Todes eines geliebten Menschen - keine Antwort erhält. Gott auf ein Tun und Dürfen, Müssen und Können zu reduzieren, würde der Sache “Glauben” wohl nicht gerecht werden. Obwohl die Fragestellungen natürlich (auf den ersten Blick) bestechend sind.
January 13th, 2005 at 9:30 am
Ehrlich gesagt geht es mir auch gar nicht um Gott: ob es den gibt oder nicht erfahren wir alle noch früh genug. Mit geht es mehr um Epikur. Und wenn man bedenkt, dass der vor fast 2.500 Jahren Gedanken niedergeschrieben hat, die noch heute bestechend anmuten, dann mag das wenig über Gott sagen, aber es sagt ganz sicher viel über die Menschen. Nämlich, hüstel, dass sie keinen Gott brauchen, dass sie selbst die Welt um sich herum verstehen und ändern können..
January 13th, 2005 at 2:08 pm
Also ich denke, darum geht es nicht. Epikur hatte es sich zur Aufgabe gemacht (u.a.) den Menschen die Furcht vor den Göttern zu nehmen. Um 300 v. Christus waren die Menschen beseelt von dem Gedanken, die Götter wohlzustimmen und brachten dafür manch unsinniges Opfer. Allein vor diesem Hintergrund ist Epikur’s Aussage zu verstehen. Insoweit ist dies m.E. nicht heute noch bestechend, sondern schlicht nicht transferierbar. Nicht dass ich die philosohischen Errungenschaften und Aussagen Epikurs schmälern möchte, sein carpe diem habe ich richtig liebgewonnen.
January 13th, 2005 at 2:14 pm
Epikur - zu ihm gibt es eine klasse Website (allerings in Altgriechisch … äh … Englisch):
http://www.epicurus.info/
Was ich wirklich bedenklich finde ist, dass wir nach 2.500 Jahren noch keine ‘verbindliche’ Antwort für diese zutiefst religiöse Frage gefunden haben bzw. das menschliche Drama nach wie vor wütet: Krieg, Hunger & Ignoranz.
Allerdings sei auch gesagt, dass sich unsere Gesellschaften doch SEHR verändert haben: in Epikures Heimat Griechenland (und anderen Ortes) gibt es keine Sklaverei mehr, Bildung ist ein Volksgut geworden, Frauen haben die Gleichberechtigung gewonnen und Religionsfreiheit erlaubt allen der alten Frage nach eigenem Gutdünken nachzugehen.
January 13th, 2005 at 2:16 pm
@Sonja: viele Menschen haben auch heute noch Angst vor Gott - in welcher Form auch immer. Und Fundamentalisten haben schon immer gerne mit Gottes Zorn oder Rache gewunken. Epikurs Fragen sind also ein perfekter Testfall für jede Religion und die Intensionen des/der Schöpfer(s).