Die arme Sprache Englisch

Auf Weihnachtsfeiern heutzutage werden im teilweise angetrunkenen Zustand die immer selben Diskussionen immer wieder aufgeworfen, etwa die, dass die deutsche Sprache von der englischen gleichsam gekarpert wird. Dabei ist doch allein die deutsche Sprache reich genug an Worten und Facetten um wirklich genau und auf den Punkt auch komplizierte Sachverhalte und Standpunkte in allen Facetten auszuleuchten. Das Englische dagegen sei, so die allgemeine Meinung auf der Feier, arm und einfach, geradezu langweilig. Wirklich nichts für Dichter und Denker.

Wie immer bei solchen Gelegenheiten genügt es, mit Shakespeare zu antworten, der Einfachheit halber mit dem Prolog von Romeo and Juliet.


Two households, both alike in dignity,
In fair Verona, where we lay our scene,
From ancient grudge break to new mutiny,
Where civil blood makes civil hands unclean.
From forth the fatal loins of these two foes
A pair of star-cross’d lovers take their life;
Whole misadventured piteous overthrows
Do with their death bury their parents’ strife.
The fearful passage of their death-mark’d love,
And the continuance of their parents’ rage,
Which, but their children’s end, nought could remove,
Is now the two hours’ traffic of our stage;
The which if you with patient ears attend,
What here shall miss, our toil shall strive to mend.

Ich hatte mich nie wirklich mit Shakespeare beschäftigt und „Romeo and Juliet“ begegnete mir das erste mal in der Verfilmung mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes. Da diese in weiten Teilen den Originaltext rezitiert, verstand ich beim ersten Hören und Sehen natürlich so gut wie nichts, vor allem den Prolog nicht – ich hatte mich an dieses alte Englisch noch nicht gewöhnt. Aber dennoch war ich sofort überwältigt von der schieren Schönheit der Worte.

Und immer noch bin ich ernsthaft berührt, wenn ich allein dieses Prolog lese, die Gewalt dieser Sprache, die unglaublich Perfektion in den kleinsten Details dieses kurzen Textes, in dem doch eine ganze Welt steckt, jagen mir Schauer über den Rücken. Ich denke, jeder halbwegs für das Schöne empfängliche Mensch sollte spüren, dass er da etwa ganz und gar Bemerkenswertes vor sich hat. Ein wirklich großes Drama. Etwas, in dem – je nach Weltsicht – ein göttlicher Funke oder eine großartige, seltene Inspiration steckt.

Aber zum Thema Englisch: nebenbei macht das Ganze auch noch Sinn. Die Worte sind nicht nur einfach wohlgesetzt und schön aber zweifelsfrei nur Form nicht Inhalt wie die Dadaistischen Gedichte. Vielmehr wird dem Zuschauer ein kurzer Abriss und eine Bewertung dessen gegeben, was er da gleich zu sehen bekommen wird.

Wer im Angesicht solcher Literatur behauptet, dass Englische sei eine arme Sprache, der ist im besten Falle ignorant.

5 Responses to “Die arme Sprache Englisch”

  1. sonja Says:

    War die Verfilmung nicht mit Kate Winslet?

  2. Arne Says:

    Nö, das war der Film mit dem Schiff…

  3. sonja Says:

    Richtig…

  4. orangeguru Says:

    Ja, wirklich peinlich das teutonische Bildungspack. Englisch ist eine wunderbare Sprache und ebenso ausdrucksstark, sowie interessant wie alle anderen europäischen Sprachen.

  5. sonja Says:

    Englisch halten die meisten deshalb für arm, weil es in dieser Sprache jeder sehr schnell dazu bringt, sich das berühmte Bier bestellen zu können. Kann er dann noch nach dem Weg fragen, verfügt er oder sie über fließendes, verhandlungssicheres Englisch. Man nimmt die Sprache wohl nicht ganz ernst.