Kulturevolution und Handymeme

Sehr spannend heute die FT, die sich in der Wochenendbeilage dem Thema Mobiltelefon widmet und die These aufstellt, dass nicht wir die Telefone, sondern diese uns benutzen, sie uns aber tendenziell freundlich gesinnt sind und die Beziehung letztlich symbiotischen Charakter hat. Jedenfalls ist sie sehr erfolgreich, denn

“vor 25 Jahren gab es nicht einen Menschen in der Welt, der mobil telefonieren konnte. Heute gibt es 1,6 Milliarden davon, mehr als Katholiken (…). In Schweden war im Sommer die Zahl der lebenden Einwohner erstmals kleiner als die der aktiven Handys (…).”

Telefone sind, das ist der interessante Gedanke im Artikel, Maschinen zur Verbreitung von Memen. Letztlich also eine Art Evolution 2.0, eine kulturelle, nicht sexuelle Variante. Und: Mobiltelefone, oder besser die Idee, eines haben zu müssen, sind selbst ein Mem, das ganze quasi ein Metamem. Aufpassen muss man – so das Fazit – dass das Telefon den Nutzer nicht ruiniert. Denn so wie dem Gen egal ist, was aus dem Träger wird, wenn es sich erst einmal selbst reproduziert hat, haben auch Meme kein Gewissen, sondern nur Überlebensdrang: wer also einen Unfall beim Telefonieren im Auto baut, der wird sich nicht darauf berufen dürfen, er sei nur symbiotisch benutzt worden und damit selbst nur Werkzeug, nicht Täter einer Ordnungswidrigkeit…

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