Bush vs. Kerry
Freitag, ganz früh am Morgen. Wir sehen uns die Debatte zwischen Bush und Kerry an. Interessant ist schon die Vorberichterstattung: Hier kommen Journalisten, Beobachter und jede Menge richtig echte Spin-Doctors zu Wort. Vor allem letzteres ist hochgradig spannend. Die Leute von Bush sind genauso, wie man sie sich vorstellt: hochintelligent, rhetorisch großartig, arrogant, fies. Es ist eine Gabe, die den Demokraten in den USA offenbar nicht immer gegeben ist, Dinge ganz, ganz einfach zu erklären. Nochmal: wichtig ist in der Politik definitiv nicht, ob eine Sache richtig erklärt ist, sondern ob sie einfach und nachvollziehbar erklärt ist.
Super spannend finde ich ja die Antwort, die sich die Demokraten zwischenzeitlich auf die Frage zurecht gelegt haben, warum Senator Kerry für den Irak-Krieg stimmte: Er wollte dem Präsidenten das notwendige Backing verschaffen, damit der terroristischen Staaten mit Krieg drohen und eine internationale Koalition schmieden konnte. Das hat er aber nicht recht getan, und das war falsch. Mit anderen Worten: er wollte dem Präsidenten ein Werkzeug geben, das dieser aber falsch benutzte. Interessanter Punkt. Mir scheint es eher so, als habe man Bush einen Hammer gegeben, und der hat ihn benutzt, um Nägel einzuschlagen. Dafür ist ein Hammer da.
Der Moderator ist ein unglaublich cooler Hund. „Herr Präsident, glauben Sie, dass – wenn Senator Kerry gewählt wird, die Wahrscheinlichkeit eines Anschlages wie 9/11 steigen wird?“ Da kann er nun wirklich schlecht einfach „ja“ sagen, muss de facto die eigene Wahlkampflegende berichtigen.
Und Kerry ist erstaunlich gut vorbereitet, der Präsident dagegen schwimmt gewaltig bei der Frage, warum er sich auf Hussein stürzt, wenn er doch Bin Laden meinen sollte.
Bush hat Drogen genommen oder ist besoffen. Oder beides. Das ist ein Gemetzel, der lässt sich schlachten. Er hat genau zwei Argumente, die er mangels sonstiger immer und immer wieder anbringt: 1) Kerry hat (einmal) eine Position geändert, und das tut man nicht, wenn man Commander in Chief sein will, und, 2) Ich bin der Präsident. Beide werden von ständiger Widerholung nicht besser, nur penetranter.
Kerry dagegen ist – in seinen Grenzen – charmant und präzise. Er spricht gut, bricht relativ wenige Sätze einfach ab und verfolgt oft seine Argumentationsstränge zu ende. Seine Körpersprache ist natürlich nach wie vor schrecklich und dieses Hin-und-Herwackeln beim Reden nervt. Angesichts des Drucks, unter dem der Mann stehen dürfte, war das aber eine reife Leistung.
October 6th, 2004 at 4:22 pm
Für alle, die die Debatte und den Spin-Room nochmals sehen wollen - die sollten auf http://www.c-span.org gehen. Dort gibt es diverse Videostreams dazu.