Portgal Tag 12 - Westküste II

Nachdem wir das kleine Auto (ein zu weich gefederter und ab 120 km/h nervig piepender Citroen) morgen abgeben müssen, wollten wir heute noch einmal an die Westküste. Diesmal war die Praia de Monte Clergio unser Ziel. Dieser Strand zählt zu den südwestlichsten an der Algarve. Enttäuscht wurden wir wieder einmal nicht. Nur ein, zwei Buchten von der Praia de Arrifana entfernt, entpuppte sich auch dieser Strand als äußerst sehenswert. Klares Wasser, wilde Fluten, traumhafter Sand. Auch die Anfahrt war nicht ganz so öde wie noch Tage zuvor. Also inzwischen bin ich zwar noch nicht eingefleischter, aber hoffnungsvoller Westküsten-Fan. Hier kann man einfach nichts falsch machen.

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Arne: Stichwort Westküste & Wilde Strände. Hier sollte man mit Kindern und gebrechlichen Menschen nicht hinfahren, denn die Strände haben teilweise gefährlich hohe Wellen. Wer aber Orte sucht, an denen die Brandung zum überwiegenden Teil aus Salzwasser und nicht aus Touristen besteht, der möge hier herkommen.

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Die Gegend ist zwar grundsätzlich erschlossen (Strom, Wasser, Straßen), atmet aber einen Geist, der für mich nach dem Kalifornien der 70er riecht, allerdings mit einer Note mehr Schwermut: Surfen, im Meer schwimmen, in Strandcafes rumhängen, mit bemalten VW-Bussen durch die Gegend gondeln. Die typische Würze bekommt das Ganze durch den passenden Soundtrack, der aus jedem Barradio tönt: Pink Floyd, Simon & Garfunkel und jeden Menge andere 70er und 80er Schnulzen, die ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört habe. Insgesamt der Beweis, dass Saudade mehr als nur ein Schlagwort ist.

Das Meer ist hier unendlich weit. Das mag daher kommen, dass der Kontrast der azurblauen, ständig gegen die Küste brausenden Brandung zum kargen, verbrannten Land so groß ist. Es liegt aber sicher auch daran, dass man – anders als bei Tümpeln wie dem Mittelmeer – genau weiß, dass hinter dem Horizont erst einmal lange, lange nichts kommt.

Das Beste an Aljezul, dem größten Kaff der Gegend, ist allerdings der Name, der Ort selbst ist ein staubiges Nest an der alten Landstraße nach Lissabon. Ab und an fährt ein LKW durch, das ist dann schon fast die Tagessensation. Es gibt – der Klientel angepasst – Surfläden, in denen es nach Räucherstäbchen riecht, und billige, aber sonst unspektakuläre Cafes. (Sonja: allerdings scheint dieses Kaff das einzige zu sein, dass tatsächlich mit allen Euro-Münzen handelt, denn eine 2-Euro-Münze aus Portugal konnte ich erst hier ergattern, alle anderen Städte scheinen sich dieser Münze zu verweigern)

Abends sind wir aber – trotz einiger bestimmt guter Alternativen zum Abendessen – dann doch ein letztes Mal nach Tavira gefahren. Wir mussten einfach das Aquasul noch ausprobieren und wurden auch nicht enttäuscht. Allein der Vorspeisensalat war schon ein Gedicht, die Ravioli hinterher und mein Lamm mit Couscous nicht minder lecker. Zwar zahlt man im Schnitt 10% mehr, aber wenn man die bayerischen Monacopreise gewohnt ist, schockt auch das nicht wirklich. Also insgesamt bestimmt einen Besuch wert und bitte nicht verpassen. Übrigens wurden wir heute erstmals von der Sorte Bettler heimgesucht, die irgendwelche Sprüche auf Tische legen, um diese dann Minuten später samt Spende wieder einzusammeln, während der „Zuhälter“ wohl irgendwo um die Ecke steht und aufpasst. Übrigens: ich habe nichts gegen Bettler, obwohl ich die bevorzuge, die sich bemühen, auf irgendeine Weise Gegenleistung anzubieten. Darum fand ich auch den Gitarrenspieler vom vergangenen Montag durchaus unterstützenswert (Arne: aber der müffelte!). Die Dame heute behauptete schriftlich, sie habe Leukämie. Wer jemals mit Leukämie konfrontiert war, weiß oder konnte bemerken, dass diese Dame nun wirklich nicht leukämiekrank war. Im Übrigen finde ich diese Behauptung gegenüber allen, die wirklich an dieser grausamen Krankheit leiden, einen Affront. Ich konnte dieser Dame nicht einen Cent geben. Besser wäre gewesen, sie hätte einfach gesagt, sie braucht Geld. Darüber kann man reden, denn in Not zu geraten geht oft schneller als man denkt. Aber diese Tour mag ich einfach nicht. Das war neben einem älteren Mann vor zwei Tagen damit ohnehin nur der zweite Erdenmensch in Portugal (wenn man das mit Paris vergleicht!), der bettelnderweise Geld von uns wollte. Um zurück zu kommen, wieder einmal ein gelungener Abend, auch wenn Arne heute vor lauter „ich-genieße-gerade-den-Süden-Feeling“ keinen Ton gesagt hat…

Arne: Das Aquasul hat – neben einem zum Lokal gehörenden beflohtem Hund, zickigen amerikanischen Gästen, einem arroganten Besitzersohn mit MX-5 und einem siffigen Koch – wirklich ausgesucht leckeres Essen. Das ist für mich insbesondere deshalb überraschend, weil die Gerichte organisch und mit irgendwelchen wertvollen Zutaten hergestellt sind; von der Beschreibung her damit eher an Müsli und Haferschleim denken lassen.
Der Kellner (ganz sicher entweder gescheiterter alternativer Philosoph, Surfer vom Weststrand oder – wahrscheinlich – beides) war zwar ein wenig verwirrt und statt Salat mit warmen Ziegenkäse und Hummus brachte er irgendetwas anderes; das war allerdings auch sehr schmackhaft (Sonja: korrigiere, statt Salat mit Hummus brachte er Salat mit warmen Ziegenkäse….).
Das Ambiente des Lokals ist natürlich unschlagbar. In einer kleinen Seitengasse zur Hauptkneipenstraße, also ruhig und doch im Geschehen; inmitten pittoresker südländischer Hausfassaden und das unter einem glasklaren Nachthimmel nebst Vollmond, der romantisch über die Dächer scheint (das freilich mag nicht immer so sein).

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