Portugal Zwischenruf
Stichwort Tavira: Das ist sicher der netteste und distinguierteste Ort an der Algarve. Die ganze Stadt besteht praktisch aus nichts weiter als aus superschicken, pittoresken Gassen mit auffallend gut erhaltenen schnuckeligen Häusern aus dem 18. und 19. Jh. Und der Fluss, eine lauschige Kirche, ein toller Park oder ein tolles Denkmal ist immer in der Nähe. Es gibt auch ein Stadtarchiv, eine römische Brücke, unglaublich viel Kopfsteinpflaster, eine Markthalle mit Kaffeeterrasse und Kunstausstellung und einen Brunnen mit Wasserschildkröten. Vor allem aber findet man hier selbst im abgelegensten Gässchen noch unzählige supernette Kneipen, Restaurant und Cafes. Das Ganze hat dabei nicht die unruhige (und oft billige) Atmosphäre von Albufeira, ist aber auch nicht so (schrecklich) laid back wie das Hinterland, sondern eben genau richtig. Die Stadt atmet die Atmosphäre von Leuten, die „on the move“ sind, sich aber zwischendrin einen galão im Straßencafé gönnen.

Ein offenes Wort zur portugiesischen Küche. Natürlich können die Portugiesen super Fisch grillen in allen möglichen Variationen, vor allem mit jeder Menge Knoblauch, was ja eigentlich nicht geht. Sie wissen auch sonst all das zuzubereiten, was das Meer so hergibt. Kein Wunder, es gibt ja kaum etwas außer Meer. Das war es aber praktisch auch schon. Alles andere ist in Portugal an sich ungenießbar. Von der richtigen Behandlung zarten Fleisches hat man hier noch nicht viel gehört, mit Gemüse steht man auf Kriegsfuß, Obst scheint unbekannt und was Süßigkeiten betrifft ist man ein totales Entwicklungsland – den leckeren Mandelkuchen mal ausgenommen.
Sonja: nun ja, neben dem Mandelkuchen gibt es auch teilweise sehr gutes Mousse au chocolat, flambierten Reiskuchen, Melonenmousse und last but not least sehr guten Käse, ansonsten muss ich mich den Ausführungen anschließen. Daher sind wir ja auch auf unsere angemerkte alternative Essenssuche gegangen und waren dabei meist oder überwiegend durchaus erfolgreich.
Die Situation wurde sicher nicht unwesentlich dadurch verschärft, dass Portugal als Urlaubsland in den 60ern ausgerechnet durch die Briten entdeckt wurde. Daher ist das Land noch heute von einem engmaschigen Netz von englischen Cafes und Kneipen durchzogen, was der Küchenkultur natürlich den Rest gegeben hat. Rind mit Minzsoße oder Yolk kann man hier bekommen, wenn man will. Natürlich will man nicht. Was aber tun, wenn man von Fisch die Nase voll hat?
October 5th, 2004 at 1:45 pm
Ist das die Gasse mit dem Pub, wo wir damals ein- zweimal waren?
October 5th, 2004 at 2:23 pm
In der Tat, eben jene!