Portugal Tag 6 - Praia da Baleeira
Zwei Lokale gibt es auch heute zu erwähnen. Zunächst das „Waza“, eine Snack Bar gegenüber dem Parkplatz zur Praia da Baleeira. Das Lokal wird von Franzosen geführt, sprich, es gibt einen wirklich guten Salade Nicoise. Wer einmal versucht hat, in einem typisch portugiesischen Lokal einen wirklich guten Salat zu bekommen, der weiß, was ich jetzt meine. Und bitte nun keinen Spruch wie: wer bestellt sich auch in Portugal einen Salat! Nach vier Tagen nur Fisch, weiß man einen solchen nämlich durchaus zu schätzen. Jedenfalls war der Salat spitze, die Wirtsleute sehr nett und aufgeschlossen.
Arne: Dennoch: das eigentliche Highlight ist nicht das Lokal, sondern der Strand gegenüber, der ziemlich zum Besten gehört, was es auf dem Markt so gibt. Die Bucht ist eingefasst von ungefähr 20m hohen Felsen, also windgeschützt, nach Südwesten hin zur Sonne geöffnet, es gibt kleine Höhlen für Leute, die nicht in der Sonne liegen mögen, der Strand ist 150 m breit (!), das Wasser hat unglaubliche Farben und weil das Ganze auch noch recht weit weg vom nächsten Ort ist, verirren sich jeden Tag kaum mehr als 50, 60 Leute (Sonja: und das scheint auch nur für die Hauptsaison zu gelten) gleichzeitig hierher.

Man ist also für sich, aber auch nicht ganz einsam. Gerade richtig. An den witzigen Felsen kann man sogar noch – teilweise durchaus recht anspruchsvoll – Klettern (Sonja: kaum hängt Mann das erste mal an einer Felsenwand, wird Mann auch schon übermütig!) üben, und danach gleich wieder ins Meer springen. Insgesamt recht einmalig.

Nur zwei Buchten weiter findet sich übrigens das Capo de São Vicente, das „Ende der Welt“, wie es früher genannt wurde: das Westkap Europas. Hier ist es nicht mehr ganz so einsam, ab und an karrt ein Bus eine ganze Wagenladung Touristen anbei, die dann brav portugiesische Strickjacken oder „die letzte Bratwurst vor Amerika“ kaufen.

Wer Kultur mag, der kann sich übrigens auch noch die Fortaleza de Sagres antun. Heinrich der Seefahrer hatte hier seine mehr oder minder geheime Forschungsstation eingerichtet, von der aus er im 15. Jahrhundert das Zeitalter der großen Entdeckungen einleitete und aus Portugal eine Weltmacht schmiedete. Dieses goldene Zeitalter hat dann König Sebastian mit seiner spinnerten Idee seines Kreuzzugs, bei dem er die stolze portugiesische Flotte, die Staatsfinanzen, nahezu den kompletten portugiesischen Adel und sich selbst vernichtete, schnell wieder beendet. Portugal verschwand dann aus der Geschichte und tauchte erst in Büchern von Remarque wieder auf, kurz bevor die Engländer das Land zur kulinarischen Kolonie machten, wovon sich die portugiesische Küche immer noch nicht erholt hat.
Ach ja, die Fortaleza. Hier kann man, wenn man verrückt oder einheimisch ist, mit überlangen Angeln von 60m hohen Felsen Hochseefische fangen, auf Kanonen herumreiten oder einfach nur aufs Meer schauen.

Abends sind wir dann nach Tavira hineingefahren. Direkt gegenüber der römischen Brücke, vom Placa de Republica weg, leicht rechts halten, geht es in ein Fußgängergässchen. Dort liegt das Restaurant „Abstrato“. Absolutes Highlight bislang. Einen erstklassigen champagnerartigen Aperitif, als Hauptgerichte Rochen und eine Art Meeresfrüchte-Cocktail in einer unglaublich guten Soße mit Rosmarin etc. lässt an wirklich gute cuisine denken. Der Service ist toll, der Schokoladenkuchen unglaublich gut. Obwohl man vom äußeren Anschein her das Gefühl hat, auf ein hochpreisigeres Lokal gestoßen zu sein, gehen wir mal wieder mit einer Zeche von knapp über 30 € raus. Aber die Qualität des Essens war wirklich ausgezeichnet.
Arne: Das eigentliche Highlight ist natürlich die zahnlose Bedienung. Als der Herrgott das Grätenmuster des Rochens (falls „Skatefisch“ tatsächlich Rochen war…) erfand, hatte er wohl einen schlechten Tag. Natürlich gebe ich zu, dass Allmacht vermutlich auch beim Entgräten von Fisch hilft. Sonja ist aber auch nicht schlecht, die kann man durchaus schicken (Sonja: Sprich, ich musste mein Essen mit dem von Arne tauschen, um nicht den ganzen Abend einen missmutigen Mann ertragen zu müssen).