Portugal Tag 5 - kompetente englische Küche
Ab heute sind wir mobil, bewaffnen uns mit unseren kläglichen touristischen Anschaffungen (Falk Spiralo „Algarve“, € 4,95) und gehen auf Entdeckungsreise. Wir beginnen im Westen und dem Hinterland. Schnell haben wir entdeckt, dass die „Tipps“ unseres Reiseführers, na ja, nun überdenkenswert sind. Wir besuchen Alté und Salir und stellen schnell fest, dass die angeblich hübschesten und besterhaltensten, die typischsten Dörfer der Algarve einfach nur öde sind.
Arne: Alte (sprich: Alt, nicht Alté) und Salir sind in der Tat zwei Käffer am Ende der Welt inmitten reizlosen Berglands mit staubigen Häusern, jeder Menge Touristen-Neppläden (bemalte Teller, Postkarten mit Titten drauf und Schlüsselanhänger) und praktisch ohne Sehenswürdigkeiten. In Alte gibt es immerhin noch eine schnuckelige kleine Kirche mit Azulejos (18. Jh.) in Farbe – was natürlich ein Widerspruch ist. Man kann einen Rundgang machen, sich Maria Himmelfahrt auf Portugiesisch erklären lassen und für den Fatima-Kult spenden.
Da uns die Orte nur wenig geben, beschließen wir, einen alternativen kulinarischen Weg zu gehen, weg von den Touristentipps, hin zum „schaun mir mal“. In Loulé, einem wirklich netten Städtchen, folgen wir allerdings noch mal einem Tipp und gehen ins „Avenida Velha“. Das Lokal befindet sich unmittelbar an einem größeren Platz, so ähnlich wie der Zirkus Maximus in Rom aufgebaut, auf den man ohnehin stößt, wenn man von der N270 aus Spanien kommend Richtung Loulé fährt. Hausnummer 40, 1. Stock. Ein zwar nicht typisches, aber sehr lustig ausgestattetes Lokal, in einem der Wohnzimmer des Maitre befindlich. Geschmückt ist der kleine Raum mit unzähligen Bildern jeglicher Couleur, Banknotensammlungen, Münzsammlungen, Fußballschals etc. Ein bunter Strauß an Kitsch und Kram aufgebracht auf einer Fototapete. Der Chef und seine Gattin schmeißen das Lokal selbst, obwohl eigentlich beide schon über siebzig zu sein scheinen. Wir bestellen Entrecote, Arne hat nämlich die Schnauze von Fisch derzeit voll, und gegrillte Calamares – für mich. Obwohl es anscheinend keine einzelnen Gläser Wein (ich bin schließlich der Fahrer) zu geben scheint, bringt mir der Chef nach kurzem Wimperzucken ein Glas köstlichen Weißwein. Kleiner Exkurs: Nieder mit der Mär, dass man in Portugal Rotwein zu trinken hat. Nein, der Weiße ist wirklich der Tipp des Landes. Ich habe bislang nicht einen einzigen getrunken, der ungenießbar gewesen wäre. Am besten den des Hauses bestellen, ist immer gut bzw. vernünftig und äußerst günstig. Meist bekommt man dann halbe Flaschen in 0.375 Abmessung. Exkurs Ende. Vor dem Essen reicht uns der Chef Vorspeisen, nicht wie gewöhnlich, Oliven und Brot, ein bisschen Butter, nein, auch Salat, Meeresfrüchtesalat, Salami und Käse lassen wir uns schmecken. Die anschließenden Hauptgerichte sind wirklich gut, die Calamares butterweich. Alles in allem also wirklich ein gutes Essen in sehr netter Atmosphäre.
Arne: In der Tat: die Kneipe ist die Ehrenrettung für die portugiesische Küche. Die ist ja dafür bekannt, dass außer Fisch nichts wirklich funktioniert. Im „Avenida Velha“ gibt es sogar brauchbare Desserts! Das Problem ist: wer hier essen will, der sollte sich beeilen. Es scheint, als würden die Wirte irgendwann ans Aufhören (oder Sterben) denken.
Auf dem Heimweg treffen wir auf ein ähnlich witziges Lokal. Die „Macks Bar“. Direkt an der N270 in Richtung Tavira in einem kleinen Örtchen namens Prego. Die Bar wird von drei Engländerinnen geführt, die – wir vermuten – auch nicht geschäftlich miteinander zu tun haben. Die Bar ist witzig, wir sitzen draußen, an den Wänden laufen Geckos („they’re becoming bigger year after year, soon they’ll be alligators“) auf aufgemalten Clowns entlang. Die Bar ist voll von Engländern, die sich hier Steaks und Chips bestellen, um sich von der mediteranen peixe-Küche erst einmal zu erholen. Wir bestellen garlic bread und curry chicken, beides brauchbar. Die Gäste begrüßen die Wirtin Carol, nicht Mack, mit einem „Hallo Darling“ und man hat das Gefühl, dass hier jeden Abend die gleichen Gäste sitzen. Durch die Küche läuft schwanzwedelnd der englischhörige Hund, die Wirtin raucht ungeniert in der Küche, Spülmaschine gibt es keine. Im Hintergrund läuft ein sixties-Sender, die Bee Gees rauf und runter. Alles in allem ist die Macks Bar eine richtig urige und lässige Kneipe, unbedingt vorbeischauen.

Arne: Das wirklich hirnzermarternde ist: wie kann ein Restaurant, dass von Engländerinnen (!) in Portugal (!!) betrieben wird halbwegs was taugen?